Killer-Konvertiten

In den Unionsparteien entdeckt man die Gefährlichkeit der Religion

Zwei der drei am Dienstag festgenommenen mutmaßlichen Terroristen, der 28jährige Ulmer Fritz G. und der 22jährige Saarländer Daniel S., wurden nicht als Moslems geboren, sondern traten zum Islam über. Darauf hin gab der bayerische Innenminister Beckstein bekannt, dass bei Übertritten zum Islam, die den Sicherheitsbehörden bekannt werden, künftig kontrolliert werden soll, welcher Richtung sich der Konvertit anschließt.

Dem Handelsblatt sagte der bayerische Innenminister, Konvertiten neigten "eindeutig dazu, sich durch besonderen Fanatismus der neuen Religion als würdig erweisen zu wollen". Beckstein meinte, dass es zwar "kein Konvertitenregister" gäbe, wenn jedoch "die Sicherheitsbehörden von einem Übertritt erfahren, sollten sie feststellen, ob es sich um eine liberale und humane Richtung des Islam handelt oder um eine islamistische".

Salim Abdullah, der Leiter des Zentralinstituts Islam-Archiv in Soest, bestritt gegenüber der Berliner Zeitung eine solche von Beckstein postulierte höhere Gewaltbereitschaft von "Bekehrten", räumte aber auch ein bei anderen Religionen feststellbares "Konvertiten-Syndrom" ein – das Phänomen, dass die Neulinge alles "richtig" machen wollen.

Während Abdullah zwar einen starken Anstieg der Zahl der deutschen Konvertiten von etwa 1000 im Jahr 2005 auf ungefähr 4000 im Jahr 2006 einräumte, sah er die Gesamtzahl der deutschen Konvertiten bei lediglich 18.000. Die Berliner Extremismusexpertin Claudia Dantschke sprach dagegen in der Welt davon, dass diese Zahl viel zu niedrig sei:

"Alles zwischen 20.000 und 100.000 ist möglich [...] Ich persönlich tippe eher auf 100.000, weil ich einfach einen ständigen Zustrom einzelner Konvertiten zu den Gemeinden sehe, und inzwischen sogar ganze Szenen, die nur aus Konvertiten bestehen."

Laut Abdullah bilden nicht junge Männer, sondern Frauen, die Moslems ehelichen, den größten Anteil der Konvertiten. Bei ihnen konstatierte Mariam Lau in der Welt einen Masochismus-Effekt, wie er etwa bei der mittlerweile in einer psychiatrischen Klinik untergebrachten 40jährigen Berlinerin, zu finden sei, die in Chatrooms von Selbstmordanschlägen mit Kind faselte. Diese Frauen müssen laut Lau "oft Demütigungen, Beleidigungen und Gewalt hinnehmen."

Eine besondere Wirkung auf junge Männer hat der radikale, salafistische Islam, wie er im schwäbisch-bayerischen Grenzgebiet oder von Islamisten wie Pierre Vogel ("Abu Hamsa") gepredigt wird. Er scheint – besonders im Zusammenhang mit Phänomenen wie Gangsterrap - zum Teil wie eine Art Jugendkultur zu funktionieren, vergleichbar etwa mit der Wirkung der RAF in den 1970ern.

Aufsehen erregte das Phänomen Islam-Konvertiten auch durch die im letzten Monat ausgestrahlte WDR-Reportage "Koran im Kopf", in der ein 22jähriger Konvertit namens "Barino" seinen neuen Glauben in einer Weise charakterisierte, wie dies sonst eher durch seine Kritiker geschieht: So äußerte er unter anderem die Ansicht, dass es "das Größte" sei, "für Allah zu sterben", dass Töten für Allah nicht nur erlaubt, sondern geboten sei, und dass Juden und Christen "Affen und Schweine" seien. Noch bemerkenswerter war ein Posting in einem Blog, in dem der junge Fundamentalist auf Vorwürfe gegen ihn reagierte:

"Als ungelebte Theorie ist euch der Islam recht, wird er aber praktiziert, dann ist er euer größter Feind. Eure Heuchelei zeigt sich darin, dass ihr euren Feind nicht beim Namen nennt. Ihr sagt nicht: 'Der Islam und seine Lebensweise ist uns zuwider und er muss bekämpft werden.' Nein, ihr gebt eurem Feind den Namen Fundamentalismus. So zieht ihr auch die nicht praktizierenden Muslime mit, die ihren Glauben auf ihren Wunschvorstellungen aufbauen und nicht auf den Fundamenten ihrer Religion, und sich somit auch nicht angesprochen fühlen."

Dass der salafistische Islam derzeit zwar einen gewissen statistischen Vorsprung, aber kein Monopol auf Gewalt hat, zeigt ein aktueller Fall des Landgerichts Lübeck, der Einblicke in eine Parallelgesellschaft erlaubt, die die meisten Deutschen bisher eher in den islamischen Ghettos vermutet hatten:

Ein christlicher Fundamentalist und Vater von 12 Kindern aus Ratzeburg in Schleswig-Holstein gab zu, seinen 22jährigen Sohn erstochen zu haben. Weil er seinem Sohn keine Jungfrau als Ehefrau "zugeführt" habe, so der Mörder, habe dieser gedroht, "er werde eine Zwölfjährige schänden". Nachdem der Vater ihm darauf hin die 30 cm lange Klinge eines Küchenmessers in den Rücken gestoßen hatte, war der 22jährige Hilfe rufend ins Freie geflüchtet und zusammengebrochen. Als ein herbeigerufener Notarzt dem Vater sagte, er wisse nicht, ob er dem Sohn noch helfen könne, äußerte dieser vor Zeugen: "Hoffentlich nicht".

Ein pikantes Detail ist, dass der Mörder beim Bundesgrenzschutz unterkommen konnte – offenbar hatten hier die Kontrollen bei der Einstellung versagt, weil christlicher Fundamentalismus nicht berücksichtigt wurde.

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