Kinder statt Inder

Rüttgers neuer Slogan für die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen

Jetzt ist es raus. Wir Bundesbürger brauchen keine Angst zu haben, dass demnächst ein böser rechter Haider dunklen Schatten auf unser Land wirft. Vorausschauend setzt sich die CDU an diese Stelle und wirft lieber selbst mit rechtem Populismus um sich: "Kinder statt Inder an die Computer!", so lautet der Slogan des Spitzenkandidaten der nordrhein-westfälischen CDU, Jürgen Rüttgers, mit dem er in der heißen Phase des Wahlkampfes die Green-Card für die fehlenden Spitzenkräfte der Informationstechnologie "thematisieren" will.

Ausgerechnet aus seinen eigenen Versäumnissen - bis Ende 1998 war Rüttgers als Zukunftsminister für Bildung zuständig - zaubert er jetzt einen ausländerfeindlichen Slogan. Ausländerfeindlich, denn allerdings impliziert "Kinder statt Inder" eindeutig, dass Inder den deutschen Kindern Chancen wegnehmen. Nur über diese beschuldigende Behauptung, dass die "fremden" Menschen statt der "eigenen" bevorzugt werden, erreicht der Slogan seinen Zweck, die derzeitige Rot-Grün-Regierung zu negativieren. Sie verhindern nämlich genau das nicht: Dass der "Inder" unseren Kindern die Computerplätze "wegnimmt". Im Wahlkampf scheint jedes Mittel recht. Sicher ist es nicht so, dass die SPD ein unschuldiges Pflänzlein ist. Allerdings macht es ihr die CDU mehr als einfach, so dazustehen. Um an der Macht zu bleiben, scheut die CDU keine Mittel. Das wissen wir Bundesbürger spätestens seit der CDU-Affäre. Jetzt wissen wir auch, dass keine Mittel gescheut werden, um an die Macht zu kommen.

Also, was will man nun? Bis gestern war der Computer und das Internet in der Politik allenfalls ein Thema in Zusammenhang mit Kinderpornographie und illegalen Softwarez. Allerhöchstens "der Inder", so hatte man das Gefühl, sollte sich damit befassen. Die sauberen weissen Kleinfamilienkinder ließen lieber ihre Finger von der Maus und spielten lieber mit Autos, dem Symbol der alten Ökonomie. Was, und jetzt umdenken? Wie noch mal hat Rüttgers das genau gemeint? Kinder statt Inder. Sollen jetzt unsere Kinder anstelle der Inder arbeiten? Oder will er auf Kinderarbeit bei Indern aufmerksam machen? Verabschieden wir uns also von dem "Türken", heissen wir "den" Inder willkommen. Im Informationszeitalter braucht die Gesellschaft ein neues Feindbild, mit dem sie CDU wählen kann. Und das kann nicht mehr nach Knoblauch riechen und Gemüse verkaufen, nein, es ist intelligent, schnell, braunhäutig und kann Software programmieren. Aufgepasst Deutschland. (Mercedes Bunz)