Kinderprogramm bei der Bundeswehr

Beim Tag der offenen Tür bei den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall waren Kinder eingeladen, mit Gewehrattrappen auf eine Miniversion von Mitrovica zu zielen

Am 28. Mai war Tag der offenen Tür bei den Gebirgsjägern in der General-Konrad-Kaserne, Bad Reichenhall. Bei Rosenheim24 kann man lesen und dazu viele Fotos anschauen: "Mit großem Interesse verfolgten Besucher am Samstag den Tag der offenen Tür bei der Gebirgsjägerbrigade 23 in Bad Reichenhall, die alles zeigte, was sie zu bieten hatte." Alles wurde hier aber nicht gezeigt.

Anlass war, so die Bundeswehr, die Rückkehr der Gebirgsjäger nach einem"einjährigen Auslandseinsatz im Kosovo und Afghanistan". Gefeiert wurde die "glückliche Rückkehr inmitten der Bevölkerung". Es marschierten auch die ersten freiwilligen Wehrdienstleistenden auf und legten ihr Gelöbnis ab. Nach dem Ende der Wehrpflicht muss die Bundeswehr bekanntlich sehr viel stärker werben (Mädels ans Maschinengewehr), um ausreichend Rekruten einstellen zu können, die mit einem steuerfreien Wehrsold von 777,30 € bei freier Unterkunft und Verpflegung beginnen.

Der Tag der offenen Tür mit "vielen Attraktionen" und "Highlights" ist auch auf diesen Zweck ausgerichtet gewesen. Schon länger wirbt die Bundeswehr mit Aktionen, Spielen und Programmen um Kinder und Jugendliche für sich zu interessieren (Armee umwirbt Kinder). Die Gebirgsjäger hatten daher auch an ein Kinderprogramm gedacht und sich etwas Besonderes einfallen lassen.

Für die Kleinen wurde eine kleine Stadt aufgebaut, deren Häuser teilweise Kriegsspuren trugen, wie Rabatz berichtet und mit Fotos dokumentiert. Vor der Stadt, die mit einem Schild als "Klein-Mitrovica" benannt wurde und irgendwie wohl witzigerweise im Kreis Zwickau liegen sollte, konnten Kinder unter einem Tarnnetz und hinter Sandsäcken Gewehren auf diese richten. Was genau mit dieser "Übung" gegen die kosovarische Stadt, in der mehrmals Pogrome stattfanden, bezweckt wurde, ist schleierhaft. Rabatz weist darauf hin, dass im Zweiten Weltkrieg ab April 1943 Gebirgsjäger aus Bad Reichenhall auch in Mitrovica zur "Partisanenbekämpfung" eingesetzt wurden.

Kriegsspiel für Kinder. Bild: Rabatz

Nach dem Kosovo-Krieg vertrieben in der zwischen der Minderheit der Serben und den Albanern geteilten Stadt trotz der Präsenz der KFOR-Truppen, zu denen auch Gebirgsjäger aus Bad Reichenhall gehören, Albaner nach Angaben von UNHCR 8000 Roma, Aschkali und Ägypter (RAE), brannten deren Häuser nieder und zerstörten das gesamte Mahala-Viertel (Die Brücke über dem Fluss). Die UN-Truppen konnten ebenfalls 2004 die Ausschreitungen gegen die serbische Minderheit nicht verhindern (Terror im Kosovo). Dutzende von Toten und Hunderte von Verletzten waren die Folge – kein Ruhmesblatt für die KFOR und UNMIK. Gegen die Bundeswehr wurden damals auch Vorwürfe erhoben (Von der Sanftmütigkeit der deutschen Truppen).

Aufgrund des Rabatz-Berichtes hat der Münchner Merkur bei der Bundeswehr nachgefragt. Dort scheint man vom Kinderprogramm nicht begeistert zu sein und hat eine Untersuchungskommission eingesetzt. Ein Sprecher erklärte, es würde sich nicht nur um eine moralische Verfehlung, sondern auch um einen Verstoß gegen Grundregeln handeln: "Menschen unter 18 Jahren dürfen zu keinem Zeitpunkt auf dem Gelände der Bundeswehr Waffen in die Hand nehmen." Warum allerdings neben der zehnten Panzerdivision in Sigmaringen ausgerechnet die Gebirgsjägerbrigade 23 in Bad Reichenhall beauftragt wurde, zeugt nicht vom großen Aufklärungs- und Ahnungswillen.. (Florian Rötzer)

Anzeige