Kleine fernsteuerbare Kampfroboter mit "Point and Shoot"-Schnittstelle

Eine israelische Rüstungsfirma hat einen taktischen Kampfroboter für Städte und Räume entwickelt

Bislang sind Kampfroboter für den Boden relativ groß gewesen. Ein Beispiel dafür ist der neue russische Uran-P-Roboterpanzer (Russischer Kampfroboterpanzer soll bald von Armee eingesetzt werden). Die israelische Rüstungsfirma General Robotics hat nun einen taktischen Kampfroboter vorgestellt, den man im Rucksack mitnehmen kann. Mit gerade einmal 12 kg ist Dogo ein sehr beweglicher, fernsteuerbarer Roboter auf zwei Fahrketten, der mit einer 9 mm Glock-Pistole ausgestattet ist und auch Treppen überwinden kann.

Der Namen Dogo wurde von der Argentinischen Dogge (Dogo Argentino) entlehnt. Sie ist ein großer Jagdhund und gilt hierzulande als Kampfhund. Die Robotikhersteller haben es mit Hunden. So wurde ein fernsteuerbares Maschinengewehr-Waffensystem Pitbull getauft, das auf bemannten und unbemannten Fahrzeugen oder an einem Ort fixiert installiert werden kann.

Herausgestrichen wird hier vor allem, dass das System mit 8 Kameras einen Rundumblick gewährt und mit einem Bildanalyse-System auch eine automatische Steuerung ermöglicht, aber auch Bewegung entdecken, ein Ziel identifizieren und verfolgen kann. Gesteuert werden kann es in Kombination mit dem Fahrzeug aus einer Entfernung bis zu 1,5 km, zudem könne es Daten aller möglichen Sensoren in Echtzeit integrieren. Auf die Mensch-Maschine-Schnittstelle scheint man stolz zu sein. Die Ranger genannte Fernsteuerung erlaubt es, die Waffe auf das Ziel zu richten und zuschießen, indem man einfach auf das Ziel auf dem Bildschirm tippt ("Point & Shoot").

Ähnlich ist dies bei Dogo, ein Kampfroboter, der vornehmlich für den Stadtkrieg oder allgemein für SWAT-Einsätze oder zur Erkundung in der Stadt und in Räumen entwickelt wurde. Ausgestattet mit Zwei-Weg-Kommunikation können die Bediener auch mit Menschen sprechen oder verhandeln, die sich in der Nähe des Roboters befinden. Mit der Pistole können pro Einsatz 14 Schüsse abgefeuert werden. Auch auf Dogo sind 8 Kameras installiert, die einen Rundumblick bieten, mit der Rangersteuerung könne man auch hier durch Tippen auf den Bildschirm des Toughpads "einfach und intuitiv Bedrohungen neutralisieren", heißt es. Gezielt wird mittels eines Laserstrahls. Ausgerüstet werden kann der Roboter natürlich auch mit nichttödlichen Waffen. Er kann alleine, aber auch im Schwarm agieren.

Es gebe auch einen vielschichtigen Sicherungsmechanismus, wird beteuert. Interessant ist dies deswegen, weil das Pentagon eigentlich schon 2007, wenn auch nach langen Überlegungen Kampfroboter des Typs SWORDS zum Einsatz in den Irak geschickt hat. Offenkundig wurde nicht, ob sie tatsächlich in Kampfeinsätzen erprobt wurden. Jedenfalls gingen sie erst einmal klammheimlich 2008 wieder zurück in die USA. Was genau schief gelaufen war, wurde nicht genau klar.

Nach Aussagen des damaligen Programmdirektors der Army scheint zwar der Auslösemechanismus zum Feuern des Maschinengewehrs korrekt funktioniert zu haben, aber beim Schießen hat sich offenbar das Gewehr unkontrolliert bewegt, also wild um sich gefeuert, was wohl auch die eigenen Soldaten in Gefahr brachte (Aufgrund von "friendly fire" wurden Kampfroboter wieder aus dem Irak abgezogen). Das Pentagon fürchtete, beim ersten tödlichen Einsatz von Bodenkampfrobotern harscher Kritik zu begegnen, wenn etwas schiefläuft, was bei Drohnen nicht so bedenklich zu sein scheint. Damit würde man, so die Argumentation, die weitere Entwicklung von Kampfrobotern möglicherweise auf Jahre hinaus verhindern.

Bislang hat das Pentagon, soweit mir bekannt, keine neuen Boden-Kampfroboter eingesetzt. Auch der bewaffnete MAARS-Roboter von Talon verschwand nach 2008 weitgehend von der Bildfläche. Ein Grund scheint auch zu sein, dass es für die Soldaten zu belastend ist, diese in angespannten Situationen zu steuern. Überhaupt seien die Soldaten gegenüber Robotern misstrauisch, hieß es in einem Pentagon-Bericht (US-Soldaten schätzen autonome Roboter nicht).

Dogo ist sicher zuerst für diejenigen, die den Kampfroboter zuerst einsetzen, von Vorteil, wenn er so gut funktioniert, wie angepriesen. Aber man wird nicht davon ausgehen können, dass die Kampfroboter in den Händen von Militärs und Sicherheitskräften bleiben, was auch schon ziemlich beunruhigend ist, wenn man den Einsatz von Kampfdrohnen zur gezielten Tötung von mutmaßlichen Gegnern betrachtet, der auch vielen Zivilisten das Leben kostet. Ähnlich wie Drohnen werden solche Systeme auch von Aufständischen, Terroristen oder Kriminellen verwendet werden, die auch lieber Kampfroboter in Gefahr bringen werden als sich selber. Was zunächst höhere Sicherheit und Effektivität verspricht, könnte auch bald zum Albtraum werden. (Florian Rötzer)

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