Klima-Hysterie?

Ein Kommentar

Vor kurzem bat mich eine der am auflagenstärksten deutschen Zeitungen um einen Kommentar zum Klimawandel. Ich schilderte die ganz reale Lage wie sie uns die Klimaforscher seit rund 30 Jahren berichten. Doch die Kollegen schickten mir den Artikel zurück mit der Bemerkung, er sei zu "alarmistisch".

Ähnliches passiert zurzeit im Netz. Ausgerechnet in diesen extremen Hitzetagen in ganz Mitteleuropa wird eine hitzige Debatte über eine angebliche "Klima-Hysterie" geführt. Es wäre ja schon hilfreich, wenn Kollegen oder Kolleginnen auch Nachrichten zur Kenntnis nehmen würden: sterbende Meere, verpestete Luft, Seuchenalarm.

Alarmistisch? Klima-Hysterie?

Total vergessen und verdrängt wird, dass unser Extremwetter von über 40 Grad in Nordafrika in Indien, in Australien und Indonesien bereits über 50 Grad bedeuten und für Millionen Menschen zu Wassermangel führt sowie für Zehntausende zum Hitze-Tod. Alarmistisch? Klima-Hysterie?

Nicht nur Politiker der AfD oder Präsident Trump, auch Netz-Journalisten und einige Kollegen renommierter Zeitungen wollen die Klimafakten immer noch nicht wahrhaben.

Fakt ist: Wir erleben in diesen Wochen auch in Mitteleuropa, was Klimaforscher seit Jahrzehnten prognostizieren und anderswo schon lange Realität ist: Hitzewellen, Hitzetote (schon im Hitzesommer 2003 seien in Westeuropa über 60.000 Menschen am Hitzetod viel zu früh gestorben, so damals die EU-Kommission), Waldsterben, Milliardenschäden in der Landwirtschaft sowie Gesundheitsprobleme für hunderte Millionen Menschen. Und immer mehr unbewohnbare Regionen mit Klimaflüchtlingen.

Zurzeit irren allein in Afrika 18 Millionen Klimaflüchtlinge über unseren Nachbar-Kontinent. Heute sind weltweit 68 Millionen Flüchtlinge unterwegs. Die UNO schätzt, dass bis zur Mitte des Jahrhunderts viele Millionen Klimaflüchtlinge dazukommen. Die Klimaerhitzung macht schon heute in vielen Regionen unseres Planeten das biologische Leben unmöglich. Es entstehen immer mehr Mega-Dürren (Dürre in Ostafrika bedroht Leben von 15 Millionen Menschen).

Der Streit um die Klimaerhitzung wird trotz aller Fakten immer hitziger. In Frankreich wird die 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg vom halben nationalen Parlament als "Klima-Apokalyptikerin" beschimpft und als "Alarmistin" abgetan.

Man fragt sich, was noch alles passieren muss, bis auch die Letzten oder die Dümmsten verstehen, was die Wissenschaft uns schon lange sagt. Die Klimaerhitzung ist keine Glaubensfrage, sondern schlicht Physik.

Der CDU-Politiker Armin Laschet, NRW-Ministerpräsident, hat sich noch am Abend der Europawahl überrascht darüber gezeigt, dass das Thema Klima wahlentscheidend war. Ach was! Es ist schon lange klar, dass der Klimawandel kein Thema mehr unter anderen ist, sondern das "Überlebensthema" schlechthin, so Angela Merkel 2008 vor den schmelzenden Gletschern in Grönland.

Die Klimaerhitzung wird in den nächsten Jahrzehnten unser aller Leben weit mehr verändern, als wir es uns heute vorstellen wollen.

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