Klima und Artensterben: Krisenstimmung greift um sich

Diesel-Skandal ohne Ende

Doch hierzulande ist die Bundesregierung offenbar noch nicht einmal willens, geltende Gesetze und Grenzwerte gegenüber der Autoindustrie durchzusetzen und die mit manipulierender Software geprellten Autobesitzer zu ihrem Recht zu verhelfen.

Im Vergleich zu den Anstrengungen, die der Klimaschutz erfordert, wäre das sicherlich noch eine relativ kleine Aufgabe, käme diesem aber zugleich zugute, wenn es zu weniger und sparsameren Autos und vor allem zu einem verbesserten ÖPNV führen würde.

Doch derlei ist nicht in Sicht. Der Dieselskandal zieht munter weiter sein Kreise. Über die neuen Vorwürfe gegen Daimler sowie über die Anklageerhebung gegen ehemals führende VW-Manager haben wir ja bereits berichtet. Ebenso über eine US-amerikanische Studie, die sehr deutliche Hinweise auf Entwicklungsverzögerungen mit Feinstaub- und Ozonbelastungen gibt.

Das Verbindungsglied zum Dieselskandal sind die Stickoxide, die sowohl einen Teil der Feinstaubbelastung ausmachen als auch bei den entsprechenden Wetterbedingungen die Katalysatoren für die Entstehung des bodennahen Ozons sind. (Das ist erstens nicht mit der sehr wichtigen Ozonschicht in der höheren Atmosphäre zu verwechseln und zweitens ein sehr potentes, wenn auch zum Glück kurzlebiges Treibhausgas.)

UBA: Grenzwerte absenken

Dabei sind die bisherigen, in vielen Städten nicht eingehaltenen und von manchem konservativen und rechtsextremen Politiker in Frage gestellten Grenzwerte nach der Ansicht vieler Experten nicht niedrig genug, um die Schwächsten, das heißt Kinder, Alte und Asthmatiker, zu schützen. Daher fordert das Umweltbundesamt eine Absenkung der Grenzwerte, was den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO entspräche.

Die Verringerung der Lebenszeit durch Luftschadstoffe in Deutschland werde auf 2,4 Lebensjahre geschätzt, wird der Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie, Jos Lelieveld, zitiert. Für 20 Prozent davon sei der Verkehr verantwortlich.

Eine weitere Feinstaubquelle sind übrigens die Kohlekraftwerke, deren schnelle Stilllegung auch für den Klimaschutz dringend notwendig wäre. Die Schüler fordern den Ausstieg aus der Kohle bis 2030 und die Stilllegung von einem Viertel der Kraftwerke noch in diesem Jahr. (Wolfgang Pomrehn)