Klimabericht von US-Behörden warnt vor enormen wirtschaftlichen Kosten

Feuer in Kalifornien 2018. Foto: CALFIRE /gemeinfrei

Weswegen die Veröffentlichung des Lageberichts auch auf den sogenannten "Black Friday" geschoben wurde

"Es ist brutal kalt", schreibt der US-Präsident und jökelt: "Was ist denn los mit der Erderwärmung?"

Es wird turbulent und teuer, prophezeit ein Klima-Bericht von US-Regierungsbehörden. Deren Einschätzung, zu lesen auf über tausendsechshundert Seiten im Fourth National Climate Assessment, spart nicht mit Analysen, die quer zu Trumps Weltbild und seiner Politik stehen.

Weswegen die Veröffentlichung des wissenschaftlich begründeten Lageberichts - der noch zu Zeiten Obamas in Auftrag gegeben wurde - auch auf den sogenannten "Black Friday", dem Tag nach dem Truthahnfeiertag, geschoben wurde, wo die Aufmerksamkeit der Amerikaner anderem zugewandt ist und "bad news" am Rand bleiben. Die Empörung über die zeitliche Platzierung des Berichts ist jedenfalls Thema von Medienberichten zum Klimabericht.

Dieser untersucht die Risiken und Kosten der Klimaveränderung auf dem Gebiet der USA (einen schnellen, knappen Überblick bietet dieses Schaubild, etwas ausführlicher, aber immer noch kurz und anschaulich hier). Gewarnt wird vor bereits weithin bekannten Risiken: extreme Wetterereignisse, Hitzeperioden, Stürme, Überflutungen, Dürren, Brände und Krankheiten.

Viel Augenmerk wird auf wirtschaftliche Konsequenzen gelegt. Mögliche oder wahrscheinliche Ernteausfälle - "Rückfall bei den Kornernten im Jahr 2050 auf ein Level der 1980er Jahre" - werden kalkuliert, der Zusammenbruch der Infrastruktur, von der Störung des Exports und von Versorgungsketten. Jede Region wird auf Risiken durch ein verändertes Klima untersucht. Nach den katastrophalen Nachrichten über die Zerstörung durch die weitausgreifenden Feuer in Kalifornien dürfte eine andere Bereitschaft bei den US-Amerikanern da sein, die Warnungen näher an sich herankommen zu lassen.

Neu ist, dass dieser Regierungsbericht, der vierte in einer Reihe, die 1990 vom Kongress in der Amtszeit des US-Präsident George Herbert Bush ("Nummer 41") in Auftrag gegeben wurde, diesmal "Preisschilder" (price-tags) für die amerikanische Wirtschaft ausgibt. In seiner Kostenrechnung, die bis zum Ende des Jahrhunderts veranschlagt ist, weist er auf: "141 Milliarden für Todesfälle, die mit Hitze zu tun haben, 118 Milliarden für das Ansteigen des Meeresspiegels und 32 Milliarden für Schäden an der Infrastruktur."

Diese Ergebnisse des aktuellen National Climate Assessment werden etwa im Bericht der New York Times hervorgehoben, die wie auch andere Berichte die Präzision des aktuellen Klimareports hervorheben, aber dies - angesichts der Länge des Berichts - mit eher generellen Aussagen illustrieren

Die jährlichen Verluste in den wirtschaftlichen Sektoren werden bis Ende des Jahrhunderts in die Milliarden Dollar gehen - mehr als das gegenwärtige Bruttoinlandsprodukt von vielen US-Bundesstaaten.

Klimabericht, zitiert nach AP

Vor zwei Jahren erschien der erste Teil des Vierten Nationalen Klimaberichts. Dieser hatte die wissenschaftliche Einschätzung zur globalen Klimaentwicklung zum Thema. Auch damals sträubte sich das Weiße Haus vor der Dringlichkeit der Erkenntnisse, die eine Änderung der Politik fordert: Weißes Haus: "Das Klima hat sich verändert und es verändert sich immer".

Der aktuell erschienene zweiten Teil des aktuellen Klimaberichts - an dem insgesamt 13 Bundesbehörden mitwirkten, u.a. auch das Pentagon und die Nasa, federführend beteiligt war die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) - konzentriert sich auf die USA, auf Auswirkungen des Klimawandels auf "Gemeinwohl, soziale Auswirkungen und solche auf die Umwelt". Besondere Berücksichtigung erhält der Handel und die Landwirtschaft.

Die Warnung, wie sie etwa auch von der Tagesschau weitergegeben wird, lautet:

Wenn die politisch Verantwortlichen in den nächsten Jahren nicht energisch gegensteuern, werde Amerika bis zum Ende des Jahrhunderts zehn Prozent seines Bruttoinlandsproduktes einbüßen.

"Der Klimawandel ist hier und passiert jetzt"

Es wird noch einmal grundlegend festgestellt, dass es am menschlichen Beitrag zum Klimawandel nichts zu deuteln gebe:

Beide Faktoren, menschliche und natürliche, beeinflussen das Klima der Erde, aber der langfristige Trend der Klimaerwärmung, der während des vergangenen Jahrhunderts beobachtet wurde, kann nur mit Wirkungen erklärt werden, die menschliche Aktivitäten auf das Klima haben.

Nationaler Klimabericht, 2018

Zu lesen ist das in Kapitel 2.1. der Berichtsübersicht, wo ein Schaubild die These untermauert. Die Warnungen im Klimabericht beziehen sich auf konkrete Orte in den USA: Für den Mittleren Westen und den Nordosten werden mehr Überschwemmungen und Starkregen vorausgesagt und an die Missouri-Überschwemmung von 2011 als warnendes Beispiel genommen. Für den Südwesten werden Perioden der Trockenheit vorausgesagt, die sich verschlimmern werden, und in der Konsequenz auch eine größere Gefahr von Bränden.

Drei Lösungen würde der Bericht anbieten, so fasst die New York Times zusammen: Für die Emission von Treibhaus-gasen müsse ein höherer Preis bezahlt werden, eine Beschränkung dieser Emissionen durch Regelungen der Regierung und mehr öffentliches Geld für die Forschung an "sauberer Energie". (Thomas Pany)

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