Klimaerwärmung

Viele Politiker stecken bei dem Thema den Kopf in den Sand

Die besten Beispiele für Heuchelei finden sich natürlich in den Worten und Taten von Politikern, die den Klimawandel leugnen. Viele haben buchstäblich den Kopf in den Sand gesteckt, wenn es um diese Bedrohung geht.

Ein bekanntes Beispiel gab der republikanische Präsidentschaftsanwärter Mitt Romney ab, als er in den letzten Wochen der Präsidentschaftskampagne 2012 die Besorgnis von Präsident Barack Obama über den "Anstieg der Ozeane" verspottet hatte. Sein Timing was jedoch ungewöhnlich schlecht. Sein Angriff erfolgte nur wenige Wochen bevor der Supersturm Sandy katastrophal über das Land fegte. Als dann der Wahltermin näher rückte, reisten Präsident Obama und Gouverneur Chris Christie, in einer überparteilichen Demonstration von Stärke und Engagement, gemeinsam die verwüstete Küste von New Jersey entlang, die nun Symbolcharakter hatte. Der Anstieg des globalen Meeresspiegels hatte eine zusätzliche Verwüstung von 65 Quadratkilometern und einem zusätzlichen Schaden von mindestens zwei Milliarden Dollar beschert.

Zieht man weiter nach Norfolk in Virginia, dem weltgrößten Marinestützpunkt, der dort wesentlich zur Wirtschaft beträgt, wird eines deutlich: Die gesamte Hampton Roads Region ist bereits heute vom Klimawandel bedroht und wird immer wieder von Überschwemmungen heimgesucht, wenn Sturmfluten und Gezeitenhochwasser gemeinsam auftreten. Die dortigen Erfahrungen haben gezeigt, dass der Meeresspiegel momentan alle 50 Jahre um 30 Zentimeter ansteigt.

Cartoons von Tom Toles (5 Bilder)

Als Abgeordnete von Hampton Roads in der Generalversammlung von Virginia im Jahr 2012 staatliche Finanzierung beantragten, um die möglichen Auswirkungen des Anstiegs des Meeresspiegels zu untersuchen, reklamierte die republikanische "Tea Party" ein böses Foul. Ihrer Ansicht nach waren Begriffe wie Klimawandel und Meeresspiegelanstieg lediglich "liberale Codewörter." Erst als diese Worte durch den "politisch neutralen" Begriff "wiederkehrende Überschwemmungen" ersetzt wurde, genehmigten die Republikaner, darunter auch der Gouverneur Bob McDonnell, die Studie.1

Anderes Beispiel: Virginias ehemaliger Generalstaatsanwalt Ken Cuccinelli, der sich ebenfalls der Tea Party zugehörig fühlt, versuchte vor einigen Jahren die Universität von Virginia zu verklagen, weil die Regierung einen ihrer Professoren, den Mitautor dieses Buches, Michael Mann, dabei finanziert hat, die Frage des Klimawandels zu untersuchen. Wobei anscheinend übersehen wurde, dass natürlich nahezu die gesamte naturwissenschaftliche Forschung von der Regierung finanziert wird. Unter Zuhilfenahme einer sogenannten zivilen Ermittlungsaufforderung, forderte Cuccinelli die Herausgabe des gesamten persönlichen E-Mail-Austauschs des Professors mit mehr als dreißig Klimawissenschaftlern auf der ganzen Welt.

Diese Art der Vorladung war ursprünglich dazu gedacht, den Betrug mit Krankenversicherungen aufzuspüren. In dem Fall gab man als Begründung an, dass die Forschung über den Klimawandel selbst einen Betrug darstellt. Wichtige wissenschaftliche und akademische Gruppen und Organisationen im ganzen Land traten dafür ein, dass die Universität von Virginia sich gegen Cuccinellis Bemühungen wehren sollte, da sie offensichtlich auf Einschüchterung eines Forschers, dessen Ergebnisse sich als unangenehm für die Geldgeber von Cuccinelli erwiesen hatten, abzielten.

Die Universität engagierte daraufhin Anwälte welche die Rechtmäßigkeit der Vorladung in Frage stellten. Renommierte Medien wie die Washington Post und ihr Cartoonist Tom Toles, der Co-Autor dieses Buches, berichteten über die Affäre und kritisierten sowie verspotteten Cuccinellis "Hexenjagd".2

Cuccinelli verlor in der Vorinstanz, die seinen Fall zurückwies. Das Gericht stellte fest, dass Cuccinelli in seiner mehr als vierzigseitigen Einreichung keine Beweise für Fehlverhalten vorgelegt hatte. Cuccinelli brachte die Angelegenheit vor den Obersten Gerichtshof von Virginia, der letztendlich das Urteil der Vorinstanz bestätigte und die Klage ohne Sachentscheidung zurückwies. Mit anderen Worten, die Richter wollten mit dieser Art von versuchtem Machtmissbrauch nie wieder zu tun haben.3

Cuccinelli schob die Niederlage beiseite und machte 2013 in Virginia einen Anlauf für den Gouverneursposten. Der Wissenschaftler, den Cuccinelli angegriffen hatte, spielte in der Kampagne von Cuccinellis Gegner Terry McAuliffe noch eine entscheidende Rolle. Er schrieb Gastkommentare, führte Interviews und beteiligte sich an Werbespots für dessen Kampagne. Anfang Juli begleitete er McAuliffe auf einer dreitägigen "Wissenschaftswoche". Später trat er zusammen mit McAuliffe und Ex-Präsident Bill Clinton auf, nachdem er Clinton bei einer Kampagnen-Veranstaltung Anfang September vorgestellt hatte. Cuccinellis Angriff auf die Universität von Thomas Jefferson kam offenbar bei den Wählern in Virginia nicht gut an. McAuliffe gewann die Wahl. Cuccinelli, jetzt ohne Job, eröffnete stattdessen eine Austernfarm auf Tangier Island, einer Insel in der Chesapeake Bay, die langsam vom Anstieg des globalen Meeresspiegels überschwemmt wird.4

Lassen Sie sich von niemandem weismachen, dass Wahlen keine Rolle spielen. So hatte beispielsweise Gouverneur Bob McDonnell, der später wegen Korruptionsvorwürfen zu Gefängnisstrafen verurteilt wurde5, während seiner Amtszeit im Jahr 2010 versucht, das Klima als Problem zu beseitigen, indem er die Virginia-Kommission für den Klimawandel auflöste.6 Eine der ersten Amtshandlungen des Demokraten Terry McAuliffe als Gouverneur im Jahr 2014 war es, die Kommission wiederzubeleben. Michael Mann wurde eingeladen, Mitglied zu werden.

Aber so etwas gibt es nicht nur in Virginia. Auch der unmittelbare Nachbarstaat im Süden, North-Carolina, wurde in letzter Zeit von bemerkenswert ähnlichen anti-wissenschaftlichen Ausbrüchen heimgesucht. Die Republikaner dieses Bundesstaats versuchten erst vor kurzem, Klimasimulationsergebnisse, die einen beschleunigten Meeresspiegelanstieg vorhersagen, zu ächten.7 Das ist so abstrus, das man fast erwarten sollte, dass sie den landeinwärts eintreffenden atlantischen Wirbelstürmen, besonders denen mit lateinamerikanischen Namen, einfach die "Einreise" verweigern werden.

Wenn es darum geht, den Kopf in den Sand zu stecken, liegt Florida ganz weit vorne. Mit fast 2.000 Kilometer Küstenlinie und mehr als fünf Millionen Einwohnern, die bereits bei einem Meeresspiegelanstieg von drei Metern umgesiedelt werden müssten8, hat Florida wohl mehr zu verlieren, als jeder andere US-Staat. Aber obwohl das langfristig wohl unvermeidlich sein wird, auch wenn die Geschwindigkeit, mit der es passieren dürfte, noch ziemlich ungewiss ist, kann man den Plan des republikanischen Gouverneurs Rick Scott, um höflich zu bleiben, nur als "unkonventionell" bezeichnen. Er reagiert auf die Bedrohung mit einem Verbot der Verwendung der Begriffe Klimawandel und globale Erwärmung in allen offiziellen staatlichen Mitteilungen und Publikationen.9

Floridas US-Senator und ehemaliger Präsidentschaftskandidat Marco Rubio, schneidet nicht viel besser ab. Sein Ansatz im Umgang mit dem Klimawandel besteht darin, die Wissenschaftler anzugreifen, jede menschliche Rolle bei der globalen Erwärmung zu leugnen und sich gegen alle tragfähigen politischen Lösungen zu stellen.10