Klimaprotest bleibt notwendig

Permafrost in der Arktis: Zustände wie im Jahr 2090

Eine schnelle Emissionsreduktion ist jedoch angesichts einer stetig steigenden Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre und bereits heute bedrohlichen Klimaveränderungen notwendig. Die Süddeutsche Zeitung berichtete am 17. Juni über tauenden Permafrost in der Arktis, mit dessen Ausmaß Wissenschaftler erst für das Jahr 2090 gerechnet hätten.

Die Effekte der Klimaerwärmung schreiten also rapide voran, und könnten so einen sich selbst verstärkenden, letztlich nicht mehr aufhaltbaren Prozess in Gang setzen. Wissenschaftler der University of Alaska Fairbanks, des Alfred-Wegener-Instituts und des Northwest Territories Geological Survey hatten zwischen 2003 und 2016 Veränderungen des Bodens in der kanadischen Arktis untersucht.

Sie beobachteten die Entstehung von Thermokarst, d.h. von Bodeneinbrüchen von bis zu 90 Zentimeter durch Auftauen des Permafrosts und Schmelzraten von bis zu 240 Prozent des Normalen. Die schnelle Veränderung der Landschaft durch überdurchschnittliche Sommertemperaturen sei darauf zurückzuführen, dass die spärliche Vegetation und die dünne Humusschicht hier nur eine geringe Kapazität hätten, die Temperaturen zu puffern. Ihre Messungen verglichen die Klimaforscher mit den Szenarien des IPCC für das Ende dieses Jahrhunderts. Dabei war der Permafrost an allen Messstellen so tief oder noch tiefer getaut als im Szenario RCP 4.5 des IPCC für das Jahr 2090 projiziert. Das gewählte Szenario RCP 4.5 geht von einem Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre bis 2100 auf 650 ppm aus.

Erhöhter Energiebedarf für Klimatisierung

Hierzulande führen mildere Winter in der Regel noch zu Energieeinsparungen. Global betrachtet wird der Klimawandel aber dazu führen, dass die Menschheit immer mehr Energie verbraucht. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler des International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA).

Nach ihrer Studie würde der weltweite Energieverbrauch bei moderater Erwärmung bis zum Jahr 2050 um 11 bis 27 Prozent steigen, bei starker Erwärmung um 25 bis 58 Prozent. Den größten Teil davon würde wohl ein steigender Stromverbrauch für die Kühlung ausmachen, zu verorten vor allen Dingen in den Tropen, Südeuropa, China und den USA. Ein derartiges globales Bedarfsszenario ist natürlich mit zahlreichen Unsicherheiten behaftet: dem weiteren Treibhausgasausstoß, der tatsächlichen Klimaentwicklung sowie den sozioökonomischen Entwicklungen in den jeweiligen Ländern. Die Wissenschaftler des IIASA haben sich mit ihrer Studie trotzdem erstmals an eine globale Projektion des künftigen Energiebedarfs im Zusammenhang mit der Klimaerwärmung gewagt, bisher wurde dieses Problem allenfalls auf regionaler Ebene betrachtet.

Eine steigende Nachfrage nach Energie bei steigenden Temperaturen könnte für die ärmere Bevölkerung auch fatale Konsequenzen haben. "Die Armen müssen mit Herausforderungen nicht nur finanzieller Art umgehen - in Regionen mit unzuverlässiger Stromversorgung, fehlenden Stromnetzen und immer mehr heißen Tagen nimmt das Risiko von hitzebedingten Krankheiten und Todesfällen zu", sagt der Leitautor der Studie Bas van Ruijven. (Jutta Blume)