Klimaschutzlücke

Bild: WWF

Die Energie- und Klimawochenschau: Von klimaschädlichen Riesen-Kraftwerken, steigenden Treibhausgasemissionen und einer Serie schwerer Taifune in Ostasien

Viele Deutsche sehen ihr Land seit den 1980er Jahren oder noch länger traditionell als den globalen Vorkämpfer für den Umweltschutz. Wie selbstverständlich gehen sie davon aus, dass so ziemlich überall sonst auf der Welt - außer vielleicht in Skandinavien - die Standards niedriger sind. Und wenn die großen Leitmedien von den internationalen Klimaverhandlungen berichten, dann handelt der Subtext meist davon, dass Angela Merkel mal wieder versucht habe, das Möglichste für die Umwelt heraus zu holen, nur leider, leider die bösen Anderen - wahlweise China oder die USA - ihre guten Absichten hintertrieben hätten.

Das ist natürlich, wie so manches im Leben, alles eine Frage des Blickwinkels und diesbezüglich hilft vielleicht ein gerade veröffentlichte Studie des World Wide Fund for Nature (WWF) dabei, den Horizont etwas zu erweitern. Deren Zusammenfassung lautet: Vier der fünf dreckigsten Kohlekraftwerke der EU stehen in Deutschland, wobei das Attribut dreckig sich allein auf die Kohlendioxidemissionen bezieht.

Die Autoren hätten natürlich auch noch nach den Feinstaub-, Quecksilber-, Arsen-, Stickoxid-, Schwefeldioxid-, Blei- oder Cadmium-Emissionen fragen können, die ebenfalls recht beachtlich sind. Stickoxide aus Kraftwerken tragen übrigens maßgeblich zu den hohen Ozonbelastungen bei, die dieser Tage Teile des Landes, insbesondere Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, stark bedrücken, ohne dass die Medien bisher groß davon Kenntnis nehmen.

Emissionen deutscher Kraftwerke in Kilogramm pro Jahr. Die Tabelle stammt aus der Antwort der Bundesregierung vom Januar 2014 auf eine kleine Anfrage der Bundestagsfraktion Grüne/Bündnis 90. Man beachte die leicht steigende Tendenz bei den meisten Emissionen.

Doch den Schreibern der WWF-Studie ging es vorwiegend um die klimawirksamen Gase. Diesbezüglich sind die anderen Emissionen der Kraftwerke, auch das Methan, weitgehend zu vernachlässigen. Ebenso übrigens das Schwefeldioxid und Teile des Feinstaubs, die zwar in der Atmosphäre kühlend wirken, aber im Gegensatz zum Kohlendioxid nur eine Verweilzeit von bestenfalls wenigen Wochen haben. Dadurch verfliegt ihre Wirkung schon bald nach Abschalten der Kraftwerke, während rund 50 Prozent des emittierten CO2</sub>s für viele Jahrhunderte in der Atmosphäre verbleibt und dort den Treibhauseffekt verstärkt. Aber zurück zur WWF-Studie. Die Autoren haben die Kraftwerke der EU untersucht und sich dabei an den Angaben der jeweiligen Regierungen orientiert, die die CO2</sub>-Emissionen dem europäischen Emissionshandelssystem melden müssen. Dabei stellten sie wenig überraschend fest, dass die 30 größten Klimasünder unter ihnen alle, bis auf eine Ausnahme, Kohlekraftwerke sind. Die Nummer 15 im Ranking ist ein estnisches Kraftwerk, das Schieferöl verbrennt.

Braunkohle

Die fünf größten CO2</sub>-Emittenten unter den Kraftwerken sind allesamt große Braunkohlekomplexe. Angeführt wird die Liste von einem polnischen Kraftwerk und gefolgt von den vier deutschen Anlagen in Neurath, Niederaußem - beide von RWE im Rheinland betrieben -, Jänschwalde (Vattenfall, Brandenburg) und Boxberg (Vattenfall, Sachsen). Zusammen kamen diese vier 2013 auf einen CO2</sub>-Ausstoß von 110 Millionen Tonnen. Das waren mehr als ein Drittel aller deutschen Kraftwerksemissionen und rund ein Siebentel der gesamten deutschen Emissionen in diesem Jahr. Die nächsten deutschen Kraftwerke auf der EU-Hitliste der Klimasünder folgen auf den Plätzen sieben, zehn sowie zwölf und werden ebenfalls von RWE und Vattenfall mit Braunkohle betrieben. In einem Fall ist auch EnBW beteiligt. "Erst" auf Platz siebzehn folgt das erste deutsche Steinkohlekraftwerk. Betreiber ist in diesem Fall E.on.

Der WWF verwies bei der Vorstellung der Studie in einer Pressemitteilung darauf, dass Deutschland mehr Kohle für die Stromerzeugung verbrauche als jedes andere EU-Land und einen nicht unerheblichen Teil dieser klimaschädlich bereitgestellten elektrischen Energie exportiere. Die aus der Verbrennung von Braunkohle stammenden Emissionen seien 2013 auf den höchsten Stand seit 1990 gestiegen. Ohne Umkehr in den nächsten Jahren riskiere die Bundesrepublik, ihr selbstgestecktes Ziel zu verfehlen, bis 2020 die jährlichen CO (Wolfgang Pomrehn)

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