Klonen mit konzentriertem Blick aufs Geschäft

Bald könnten auch bei Jägern beliebte Wildtiere zum Objekt der Klonindustrie werden, der erste erfolgreich geklonte Hirsch wäre so Pionier der gestylten Jagdbeute

Klonen auch von Tieren soll natürlich zum Geschäft werden. Geklont werden die Tiere, für die man einen Markt erwartet. Bei Nutztieren wie Schafen, Rindern, Ziegen oder Schweinen liegt das auf der Hand. Auch bei Haustieren wie Katzen oder Hunden ließe sich möglicherweise einiges aus den Brieftaschen der Menschen herausziehen, die beispielsweise unbedingt ihr verstorbenes Lieblingstier und Familienmitglied noch einmal haben wollen, anstatt das Experiment mit einem neuen Tier einzugehen.

Klon Dewey

Kurz vor Weihnachten gaben Forscher der A&M University bekannt, die auch die erste Katze geklont haben und eng mit Genetic Savings & Clone zusammen arbeiten, dass sie erfolgreich erstmals einen Hirsch geklont haben. Zwar war das Kitz mit dem Namen "Dewey" schon im Mai geboren worden, man habe aber angeblich erst abwarten wollen, bevor ein Gentest die genetische Identität des Kitzes mit dem Spender sicher stellte. Das Kitz sei gesund und entwickle sich normal.

Die Wissenschaftler haben damit nicht nur die Universität wieder mit einer Premiere - der erste Klon eines Wildtieres - wissenschaftlich und marktökonomisch positioniert, sondern zugleich einen Rekord eingestellt: Das College of Veterinary Medicine sei damit die erste Universitätsabteilung auf der Welt, der es gelungen ist, fünf Tierarten zu klonen.

Das Klonen des Weißwedelhirsches wurde vom College of Veterinary Medicine zusammen mit dem Unternehmen ViaGen durchgeführt. Benutzt wurden das Genmaterial von Hautzellen eines verendeten Hirsches, die eingefroren aufbewahrt wurden. Die Oozyten stammten von Hirschkühen und wurden In-vitro kultiviert. Wie viele Versuche für die Kernfusion notwendig waren und wie viele Embryos eingepflanzt wurden, teilten Universität und Viagen nicht mit. Mark Westhusin, der Leiter des Teams, sagte nur, dass mit jeder erfolgreich geklonten Tierart mehr über die Technik erfahren werde, mit der man "die Gesundheit von Tieren und Menschen verbessern" könne.

Verkauft wurde das Klonen auch damit, dass sich so das Überleben von Hirschen sicher stellen ließe, die vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben sind. Weißwedelhirsche sind allerdings die große Wildtierart, die in Nordamerika am häufigsten vorkommt und nicht nur gejagt, sondern auch in Farmen gezüchtet wird. Da das Klonen wenig profitabel ist, wenn es um das Überleben von aussterbenden Arten geht, ist die Zucht im Mittelpunkt der Interessen der Wissenschaftler der Universität und von Viagen gestanden haben. So heißt es denn auch in der Pressemitteilung am Ende mit einem deutlichen Hinweis auf mögliche Kunden, dass Hirschzucht in vielen Teilen der Welt wegen ihres Fleisches und ihrer Geweihe betrieben werde. Wenn besonders gute Exemplare beim Jagen erlegt oder in der Zucht sterben, sei Klonen "ein wertvolles Mittel, die Genetik der überlegenen Tiere zu bewahren".

Westhusin hat aber auch deutlich gemacht, dass der Hirsch vor allem auch im Hinblick auf die Jäger geklont worden ist und damit auch die bejagten Wildtiere zum Objekt der künftigen Klonindustrie werden könnten. "Die Weißwedelhirschjagd ist eine Industrie, die jährlich 2,2 Milliarden Dollar umsetzt", so Westhusin. "Die Menschen zahlen zwischen 25.000 und 30.000 US-Dollar, um diese Tiere zu jagen. Das Klonen wird es uns ermöglichen, Wildtiere mit den Eigenschaften zu züchten, die Jäger wünschen, besonders große Hirschgeweihe." (Florian Rötzer)

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