Knappe Ressourcen für "Gigafactory"

Tesla-Baustelle in Grünheide. Foto: © Ralf Roletschek / CC BY-NC-ND 3.0

Tesla will in Brandenburg Millionen Kubikmeter Wasser verbrauchen, um schwer absetzbare E-Autos zu produzieren. Das zuständige Umweltministerium zeigt sich kooperativ

Tesla erregt die Gemüter - nicht nur die der Anleger, sondern auch im brandenburgischen Grünheide. Der US-Autobauer errichtet dort eine »Gigafactory«; und ab Juli sollen dort Elektroautos vom Band rollen; in der ersten Ausbauphase wird mit einer Stückzahl von bis zu 500.000 im Jahr gerechnet. Produziert wird nicht nur in einem Trinkwasserschutzgebiet, die Produktion droht auch die regionale Wasserversorgung zu überlasten.

Das Unternehmen hat für die erste Ausbaustufe einen Wasserbedarf von 1,4 Millionen Kubikmeter im Jahr angemeldet. Nach Informationen des zuständigen Wasserverbandes Strausberg-Erkner (WSE) entspricht das einer Menge, die eine Stadt mit 40.000 Einwohnern im Jahr verbraucht. Tesla begehrt aber mehr: Sollte die Fabrik komplett ausgebaut sein, könnte sie rund 3,6 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr verbrauchen.

Auch wenn das nur ein theoretischer Wert ist, bereitet er dem WSE-Chef André Bähler Kopfschmerzen. Man könne nur die notwendige Menge Wasser für den Produktionsstart im Sommer garantieren, sagte er vor wenigen Tagen dem Handelsblatt.

Weitere Ausbaustufen könnten weder mit Frischwasser bedient werden, noch habe man genügend Kapazitäten für das Schmutzwasser. »Unsere Kapazitäten sind so weit erschöpft, dass wir so gut wie keinen Spielraum haben, neue Wohngebiete oder Neuansiedlungen von Unternehmen mit Wasser zu versorgen«, erklärte er. Liefere man mehr, als für den Produktionsstart benötigt wird, dann breche »das gesamte Versorgungssystem für 170.000 Menschen in der Region zusammen«.

Für Tesla-Chef Elon Musk sind die Sorgen unbegründet. »Im Grunde sind wir nicht in einer sehr trockenen Region«, sagte er dem ZDF-Magazin »Frontal 21« mit Blick auf Grünheide. Wenn es kein Wasser gäbe, würden auch keine Bäume wachsen; Grünheide liege ja nicht in einer Wüste.

Das Umweltministerium unter Axel Vogel (Bündnis90/DieGrünen) in Potsdam bestätigte dagegen, dass vor Ort "fast sämtliche Reservekapazitäten" durch Tesla aufgebraucht würden. Aber es behandelt den US-Konzern - in gewohnter Weise - sehr zuvorkommend: In einer benachbarten Region gebe es einen ungenutzten Grundwasservorrat, der nun erschlossen werden solle, erklärte eine Sprecherin am Samstag.

Mit ihm könnten die Tesla-Fabrik und andere Gewerbe versorgt werden. Eigens dafür soll der WSE ein neues Wasserwerk bauen, das in fünf Jahren an den Start gehen soll; für die Kosten kommt - zumindest zum Teil - das Land Brandenburg auf.

Ohne staatliche Hilfen voraussichtlich kaum rentabel

Ohne staatliche Hilfen in dieser Art dürfte sich die »Gigafactory« in Grünheide in den nächsten Jahren kaum rechnen. Selbst wenn sich Tesla darauf beschränkte, hier 500.000 Elektroautos im Jahr zu produzieren, wird es schwer, diese überhaupt im Markt zu platzieren. In seinen bisherigen Werken kann das Unternehmen gut eine Million Fahrzeuge im Jahr bauen; aber im letzten Jahr konnte es gerade einmal die Hälfte davon an den Mann oder die Frau bringen.

Das geht aus einer Untersuchung des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen hervor. Damit die bisherigen Produktionskapazitäten ausgelastet würden, müsste sich demnach der Weltmarkt für vollelektrische Fahrzeuge in diesem Jahr verdoppeln - gleichzeitig müsste Tesla seien Marktanteil wenigstens stabil halten. Das ist aber wenig wahrscheinlich: Die internationale Konkurrenz macht Druck.

Der Branchenspezialist Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut vermutet, der US-Konzern habe nur deshalb so viele Fahrzeuge ausliefern können, weil er den Absatz im Dezember kräftig gepusht habe. In den acht großen E-Auto-Märkten in Europa habe Tesla 30 Prozent aller Auslieferungen im Dezember getätigt. In Norwegen sei es sogar mehr als die Hälfte gewesen.

Im Januar dieses Jahres sei der Absatz dann wieder eingebrochen. Tesla sei in manchen Märkten »quasi nicht mehr vorhanden«, heißt es in der CAR-Studie. Im Januar habe das Unternehmen in den Niederlanden lediglich 16 Autos abgesetzt - Audi verkaufte dagegen 57 e-tron. Zur selben Zeit seien in Deutschland 453 Tesla zugelassen worden - von der Marke VW dagegen 4.562 vollelektrische Pkw, von 592 E-tron-Modelle.

Nicht nur herkömmliche Autokonzerne drängen auf den Markt und machen Tesla Marktanteile streitig. Zu Tesla haben sich in den USA längst weitere E-Autobauer gesellt: Lucid, Canoo, Fisko, Rivian. Technologiekonzerne wollen genauso mitmischen: Apple will sein Auto voraussichtlich 2024 auf den Markt bringen; der chinesische Konzern Xiaomi ist schon mit einem elektrischen Kleinwagen am Start und plant mit einer neuen E-Limousine den direkten Angriff auf Tesla.

Spionageverdacht in wichtigem Absatzland

Doch schon jetzt wird in China der Wind rauer. Das Land zählte bisher zu den wichtigsten Absatzmärkten für Tesla, und der Konzern konnte dort den Umsatz auf 6,7 Milliarden Euro verdoppeln. Jeder fünfte Umsatzdollar wird in China erzielt. Nun steht das Unternehmen aber unter Spionageverdacht. Ursache sind die Außenkameras der Fahrzeuge; sie nehmen während der Fahrt und dem Parken die Umgebung in hoher Auflösung auf. Das ARD-Magazin »Kontraste« hatte im Herbst darüber berichtet.

Die chinesische Regierung hat Staatsbediensteten nun untersagt, diese Autos zu nutzen. Es wird befürchtet, sensible Daten könnten in die USA weitergeleitet werden. Das Verbot gilt laut einem Bericht des Wall Street Journals für Angestellte von Schlüsselkonzernen sowie für Angehörige des Militärs. Die Fahrzeuge dürfen sich auch nicht mehr an jedem Ort des Landes aufhalten. (Bernd Müller)