Kobalt, Lithium & Co.: Wie die Recycling-Quote steigen soll

Zunehmend begehrt: Lithium. Foto: Tomihahndorf / CC0 1.0

Rohstoffe für Batterien sind knapp. Deshalb setzt die Europäische Union auf Recycling. Doch die schärferen Vorgaben lassen auch deutsche Erzvorkommen interessant werden

Jedes Jahr landen unzählige Batterien im Müll. Nur knapp jede zweite Gerätebatterie wird in Deutschland eingesammelt und wiederverwertet. In anderen Ländern der Europäischen Union sieht die Quote noch miserabler aus. Doch das soll sich jetzt ändern. Die EU-Staaten verhandeln zurzeit noch über eine neue Verordnung, die im kommenden Jahr in Kraft treten soll. Mit ihr sollen nicht nur Rohstoffe gespart werden, sondern auch weniger Gifte in die Umwelt gelangen.

In Deutschland muss bislang mindestens die Hälfte der Batterien, die zum Beispiel in Supermärkten verkauft werden, wieder eingesammelt werden. Diese Mindestquote ist gesetzlich vorgeschrieben. Bislang gibt es aber wenig Interesse daran, mehr zu tun als das Gesetz verlangt. Denn die Rohstoffe, die durch Recycling gewonnen werden, bringen auf dem Markt weniger ein als Logistik, Sortierung und Wiederverwertung der Altbatterien kosten. Würde die Sammelquote überschritten, müssten in letzter Konsequenz die Hersteller die zusätzlichen Kosten tragen - und die haben naturgemäß kein Interesse daran.

Die Sammelquote soll mit der neuen Verordnung von aktuell 50 Prozent auf 65 Prozent im Jahr 2025 ansteigen, 2030 soll sie dann bei 70 Prozent liegen. Die steigenden Kosten werden dann auf die Batterien und Akkus beim Kauf umgelegt. Die Verbraucher zahlen dann einige Cents mehr pro Stück und erhalten dafür die Möglichkeit zur kostenfreien Rückgabe.

Die Verordnung betrifft aber nicht nur die Batterien für den Hausgebrauch, sondern auch Industrie- und Autobatterien sowie Batterien für Elektrofahrzeuge. Für sie muss ab 2027 der Gehalt an recyceltem Kobalt, Blei, Lithium und Nickel angegeben werden. Ab 2030 soll es dann konkrete Vorgaben für einen Mindestgehalt an Recycling-Rohstoffen geben.

Bald Minimalstandards entlang der Lieferkette

Der Bedarf an Rohstoffen wie Kobalt, Kupfer, Nickel und seltenen Erden für Autobatterien steigt. Bei den Mineralien ist die deutsche Autoindustrie vom Ausland abhängig. Und dort werden sie oftmals unter fragwürdigen ethischen und ökologischen Bedingungen gefördert. Deshalb sollen künftig Hersteller verpflichtet werden, entlang ihrer Lieferketten darauf zu achten, dass Menschenrechte nicht verletzt und Umweltschäden vermieden werden.

Hier erntete der Entwurf der Verordnung Kritik von verschiedenen Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisationen. Er weise mehrere Mängel auf, "die die Wirksamkeit der vorgeschlagenen Sorgfaltspflichten ernsthaft gefährden könnten", heißt es in einem gemeinsamen Positionspapier. Mehr Rohstoffe als bisher sollten in der Verordnung berücksichtigt werden, es solle auch auf europäische Umweltstandards Bezug genommen werden und den EU-Staaten sollen wirksame Sanktionsmöglichkeiten gegeben werden. Strengere Sorgfaltspflichten machen den Bergbau in Deutschland wieder interessant, hatte der Vorstandschef des schwedischen Unternehmens Eurobattery Minerals, Roberto García Martínez, kürzlich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur betont.

Steigende Rohstoffpreise machen deutsche Vorkommen attraktiv

Der Boom der Rohstoffpreise mache Vorkommen interessant, die bisher nicht wirtschaftlich unter hiesigen Umwelt- und Sozialstandards abgebaut werden konnten. Außerdem wachse bei Herstellern das Interesse an Batterie-Mineralien, die nachhaltig gefördert wurden und das auch zu belegen sei. Konkret sprach Martínez vom Kupferbergbau in der Lausitz, den sein Unternehmen ins Auge gefasst habe.

Eurobattery Minerals ist aber nicht das einzige Unternehmen, das hiesige Rohstoffe im Blick hat. Auch die Deutsche Lithium GmbH hatte angekündigt, im Jahr 2025 den Abbau von Lithium im Osterzgebirge aufnehmen zu wollen. Das Vorkommen in der Region Zinnwald wird auf rund 125.000 Tonnen geschätzt.

Lithiumbatterien gelangen vermehrt auf den Markt. Sie sind wegen ihrer hohen Energiedichte besonders geeignet für Elektroautos, stationäre Energiespeicher und für allerlei Geräte. Doch mit dem Recycling sieht es bislang noch nicht gut aus, da nicht genügend Kapazitäten vorhanden sind. Auch für Sammlung und Transport dieser Batterien gelten besondere Sicherheitsvorschriften, da das Metall sehr reaktionsfreudig und leicht brennbar ist.

Eine solche Anlage soll jetzt im brandenburgischen Guben entstehen. Die kanadische Firma Rock Tech Lithium will dort eine Fabrik zur Herstellung von batteriefähigem Lithium aufbauen. Ab 2024 sollen dort jährlich 24.000 Tonnen Lithium-Hydroxid hergestellt werden, was ausreichen soll, um eine halbe Million Elektroautos mit Lithium-Ionen-Batterien auszustatten. Zuerst soll die Fabrik mit Lithium aus einer kanadischen Mine beliefert werden, der Anteil aus wiederwerteten Batterien soll aber kontinuierlich steigen. Ziel ist, dass bis 2030 etwa die Hälfte der verwendeten Rohstoffe aus wiederverwerteten Quellen stammen. (Bernd Müller)