König Arthur aus Essen, tanzender Churchill und das neue Heimatministerium

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Jetzt, wo der Frohsinn kurz vor dem Kollaps steht, starten auch wir mit einem fröhlichen Lied ins eiskalte Wochenende: Hey, Mister Postman!. Doch trotz dieser ja so ungemein ansteckenden karnevalistischen Fröhlichkeit schwappt gerade eine große Flüchtlingswelle besonders in den nüchternden Norden unserer Republik, also in eine Region, in der man zum Lachen in den Schweinestall geht. Darüber informiert jetzt auch der Fressesprecher der Bundesrepublik mit gewohnt mahnenden Worten.

Vielleicht ist dies auch die richtige Zeit, um mal wieder ins Kino zu gehen. In ausgewählten Häusern läuft Karin Jurschicks sehenswerter Dokumentarfilm "Playing Godx - hier eine Liste der Kinos. Im Mittelpunkt steht Kenneth Feinberg, der Chef einer großen Anwaltskanzlei in Washington und wohl der bekannteste Schadensersatz-Anwalt in den USA. Seit den Achtziger Jahren ist der mittlerweile 72Jährige an fast jedem größeren Verfahren beteiligt gewesen. Nach den Anschlägen vom 11. September ist er von George W. Bush eingesetzt wurden, um die Hinterbliebenen der Opfer aus einem eigens angelegten Fonds zu entschädigen. Danach hat er unter anderem die Geschädigten der Erdöl-Katastrophe im Golf von Mexiko entschädigt oder die Opfer von Amokläufen und des Bombenattentats auf den Boston Marathon. Und aktuell beschäftigt er sich mit den Folgen einer drohenden Insolvenz eines großen Rentenfonds.

Im Film lernt man nun diesen "Master of Disaster" kennen. Allerdings werden private Dinge kaum angesprochen, sondern es geht vor allem um seine Arbeits- und Vorgehensweise in diesen meist spektakulären Verfahren. Wobei Feinberg selbst erstaunlich offen Auskunft gibt. Auch über die moralischen Probleme, mit denen er dabei konfrontiert wird. Besonders wenn es um die Berechnung des Wertes eines Verstorbenen geht. Wichtigste Grundlage ist dann, was der Tote in seinem Restleben an Einkommen hätte verdienen können. Das klingt und ist natürlich menschlich grausam besonders für die Hinterbliebenen, entspricht aber exakt der Rechtslage nicht nur in den USA.

Traurig, aber nun einmal Kapitalismus. Und daher lassen wir nun lieber Winston Churchill tanzen. Danach ein paar Infos zu Ölkatastrophen, über Melania Trumps Twitter-Gewohnheiten, über die Haarprobleme ihres Gatten und über König Arthur aus Essen.

Drei Vimeo-Filme haben wir heute im Programm: der Drohnenflug Muscle-Up, der Horror-Kurzfilm "Behind" und das Drama "Women & Wine". Nach soviel Kunst schnell noch eine Schreckensmeldung und dann unser Blick ins elektronische Postfach. Unsere Leser empfehlen: Eddie the Eagle, Saugroboter vs. Bulldogge, Winter-Vergnügen, die blaue Murmel und Rauchbombe.

Zum Schluss unser Schnelldurchlauf: die besten Witze 2017, Simon’s Cat, Krokodile im Eis, japanische Gameshow, clevere Katzen, Luftverkehr am 11.9.2001, Wasser-Kamele, Kriegsreporter, Luftschiff über Chicago 1914, Super-Bowl-Werbung, Laptop 1987, der Schlagfertigkeitsguru, the King Nerd. Und den Schlusspunkt setzt das neue Heimatministerium. (Ernst Corinth)

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