Koffein als Medikament gegen Alzheimer

Bei Mäusen kann Koffein nach einer Studie von US-Wissenschaftlern sogar die kognitiven Folgen von Alzheimer wieder rückgängig machen

Lange Zeit hatte man das bürgerliche Aufputschmittel Kaffee als gesundheitsschädlich gebrandmarkt. Von Krebs über Herz- und Kreidlaufschäden bis hin zur Suchtgefahr oder der kognitiven Überreizung war man nicht geizig mit der Aktivierung von Ängsten. Nicht nur das Koffein wurde als gefährlich gebrandmarkt, sonder auch die übrigen Schadstoffe, die in dem Getränk enthalten sein sollen. Das hat sich freilich nun umgedreht. Derzeit gilt Kaffee schon eher als Medikament.

So wurde das schwarze Genussmittel, das sich im 17. Jahrhundert während der Aufklärung, des Protestantismus und des Kapitalismus verbreitete und in die Kaffeehäuser einzog, die als Informationsbörse für Geschäftsleute, Journalisten oder Literaten dienten. Nach den trunkenen Zeiten und dem Alkoholgenuss in der unteren Schicht schon zum Frühstück, galt der Kaffee dem aufstrebenden Bürgertum als Mittel der Ernüchterung, das den Geist klärt, scharf macht und künstlich wach hält. Zu Beginn, als das Kaffeetrinken in Europa zur Mode wurde, gab es neben der zur Reformation und Aufklärung passenden Ernüchterung viele Versprechungen von dessen Wirkung. Er soll die Leber stärken, das Blut reinigen, den Magen beruhigen, er wurde zu einer Allheilmittel.

Auch jetzt werden dem Kaffee wieder viele positive Wirkungen zugeschrieben. Er soll vor Krebs schützen, gut für die Leber sein, Herzkrankheiten vorbeugen, vor Diabetes und Parkinson schützen. Ober wirklich der Wachmacher ist, bleibt freilich umstritten, auch der Entzug des Genussmittels soll bei chronischen Trinkern Kopfweh oder Müdigkeit hervorrufen.

Aber immerhin haben nun Wissenschaftler der University of South Florida anhand von Mäusen zeigen können, wie sie im Journal of Alzheimer's Disease berichten, dass Koffein offensichtlich auch vor Alzheimer schützen kann. Auf den Zusammenhang zwischen Koffein und Alzheimer stießen sie durch eine Studie, nach der Menschen, die an Alzheimer erkrankten offenbar weniger Kaffee während der letzten 20 Jahre konsumiert hatten als Menschen, die nicht diese Krankheit hatten. Andere Studien haben einen Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und besseren erhalt der Gedächtnisleistungen zeigen können.

Für die Gedächtnistests mussten die Mäuse in einem Wasserlabyrinth eine untergetauchte Plattform finden. Bild: USF

Für ihren Test verwendeten die Wissenschaftler genetisch veränderte Mäuse, die in höherem Alter Alzheimer entwickelten. Im Alter von 18 und 19 Monaten – was bei Menschen 70 Jahre entsprechen würde - zeigten sie bei Verhaltensexperimenten die typischen Gedächtnisprobleme. Die Hälfte der Mäuse erhielten dann in ihrem Trinkwasser 0,3 mg/ml - das menschliche Äquivalent von 500 mg Koffein, was fünf Tassen entspricht -, während die andere Gruppe auf den Wirkstoff verzichten mussten. Nach zwei Monaten schnitten die mit Koffein versorgten Mäuse wesentlich besser in Gedächtnistests ab, während die Leistung der anderen Mäuse schlechter wurden. Koffein stoppt danach nicht nur die Symptome von Alzheimer, sondern kann sogar Gedächtnisleistungen wieder so weit verbessern, dass sie denen von normalen Mäusen im selben Alter gleichkommen.

Grund dafür dürfte sein, dass Koffein die Menge der Beta-Amyloid-(A?-)Peptiden erheblich reduziert, die für die Entstehung der Alzheimer typischen Plaques verantwortlich sind. Offenbar setzt Koffein die Entstehung von zwei Enzymen herab, die zur Bildung der Peptide erforderlich sind. Zudem könnte Koffein, wie die Wissenschaftler vermuten, Entzündungen im Gehirn verhindern, die ebenfalls zur Bildung von Beta-Amyloid-Peptiden beitragen.

Alzheimer-Plaques in den Gehirnen von Mäusen ohne und nach Koffeinkonsum. Bild: USF

Allerdings scheint es so zu sein, dass Koffein zwar gegen Alzheimer hilft, aber bei gesunden Mäusen jedenfalls nicht die Gedächtnisleistungen verbessert. In Tests mit Mäusen, die nur Wasser oder auch Wasser mit Koffein erhielten, zeigten sich auch in höherem Alter keine Unterschiede. Unklar ist, ob eine geringere Menge als 500 mg auch eine Wirkung zeigt. Für die meisten Menschen, die nun vielleicht Kaffee als Alzheimer-Prophylaxe trinken, würde dies jedenfalls kein gesundheitliches Risiko darstellen.

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