Kokain-Spitzenreiter USA

WHO-Studie: Drogenkonsum und Drogenpolitik beeinflussen sich kaum - die meisten Kokain-Konsumenten kommen ausgerechnet aus dem Land, das am schärfsten gegen dieses Suchtmittel vorgeht

Was haben die Bewohner so verschiedenartiger Länder wie Kolumbien, Mexiko, USA, Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande, Spanien, Ukraine, Israel, Libanon, Nigeria, Südafrika, Japan, China und Neuseeland gemeinsam? Dass sie mehr oder weniger oft zu Suchtmitteln greifen. Eine Untersuchung im Rahmen der WHO hat jetzt über 85000 Menschen in diesen Ländern nach ihren diesbezüglichen Gewohnheiten befragt - mit interessanten Ergebnissen, die im Fachmagazin PloS Medicine nachzulesen sind.

Als Suchtmittel haben die Forscher dabei speziell Tabak, Alkohol, Cannabis (in Form von Marihuana oder Haschisch) und Kokain abgefragt - zweifellos eine repräsentative Auswahl.

Volksdroge Alkohol

Die Droge Alkohol ist vor allem in den westlichen Ländern vorherrschend. Deutlich über 90 Prozent der Befragten haben hier schon Alkohol konsumiert - Spitzenreiter ist dabei die Ukraine mit 97 Prozent. Im Mittleren Osten, Afrika und China liegt der Alkoholkonsum hingegen deutlich niedriger - wohl ein kulturelles Phänomen.

In Südafrika gehören sogar nur zwei von fünf Befragten zu den Alkohol-Konsumenten. Die ersten Alkoholdosen schluckten die Befragten im Mittel im Alter von 16 bis 19 Jahren. In Deutschland, wo in manchen Gegenden Bier als vollwertige Mahlzeit gilt, hatten allerdings mit 15 Jahren schon vier von fünf Menschen Alkohol konsumiert, das ist weltweiter Rekord.

Tabak vom Marlboro-Mann

Der Marlboro-Mann hat noch immer in den USA seine Heimat - fast drei Viertel der hier Befragten haben Tabak schon in irgendeiner Form geraucht. Anderswo liegt der Prozentsatz meist um die 50. Lediglich Nigeria fällt mit rund 16 Prozent deutlich aus dem Raster.

Verbotene Frucht Cannabis

Was reizt wohl mehr - die verbotene Frucht oder die Auslage im Coffeeshop? Vertraut man den Zahlen der WHO-Forscher, muss die These von der verbotenen, besonders süßen Frucht etwas für sich haben. In den USA haben jedenfalls über 40 Prozent der Befragten schon Cannabis zu sich genommen - in den weit liberaleren Niederlanden nur halb so viele.

Ansonsten muss man sich den Cannabis-Konsum anscheinend auch leisten können - in den westlichen Staaten liegt er jedenfalls deutlich höher als in Entwicklungsländern. Deutschland etwa liegt hinter den USA, Neuseeland, den Niederlanden und Frankreich auf dem fünften Platz.

Harter Stoff

Der Stoff, dem ein braunes Brausegetränk seinen Namen verdankt, besitzt ein hohes Abhängigkeits-Potenzial - und wird denn auch von den in der Studie Befragten weit seltener genutzt. Einsam an der Spitze stehen hier mit 16 Prozent die USA - selbst in Kolumbien als einem der Haupt-Erzeugerländer konsumieren mit vier Prozent deutlich weniger Menschen die Rauschdroge.

In Spanien liegt die Quote ungefähr so hoch wie in Kolumbien - das scheint Transportwege abzubilden. Ansonsten ist der Anteil der Konsumenten weltweit deutlich niedriger.

Drogen für alle

Generell, das gilt für alle hier behandelten Drogen, sinkt das Risiko des Neueinstiegs mit dem Alter - 30 scheint hier ein kritisches Alter zu sein, danach ist der Mensch offenbar zumindest in Bezug auf Drogen „aus dem Gröbsten heraus“. Ebenso generell holen Frauen in Bezug auf Drogen weltweit auf - nur für Kokain gilt das nicht so uneingeschränkt. Eine Ausnahme bildet auch der Alkohol: zumindest in Europa gibt es dafür kaum geschlechtsspezifische Unterschiede.

Eine interessante Tatsache am Rande: Unverheiratete und nicht mehr verheiratete Männer nutzen Drogen jeder Art mit höherer Wahrscheinlichkeit. Der im Sinne der Statistik perfekte Drogenkonsument ist demnach ein jüngerer, geschiedener Mann mit hohem Einkommen. Ist er gebildet, säuft er - als Volksschul-Absolvent hingegen raucht er eher. (Matthias Gräbner)