Koks, Marketingsex und Geschenke von der Ölindustrie

Drei Untersuchungsberichte zum Geschäftsablauf im Innenministerium sorgen für Schlagzeilen in den USA

Den gestern dem Kongress zugeleiteten Untersuchungsberichten von Generalinspekteur Karl Revanche zufolge nahmen für die Verwaltung von Bodenschätzen zuständige Regierungsangestellte zwischen 2002 und 2006 nicht nur auffällig viele und teilweise durchaus wertvolle Geschenke von Angestellten der Ölindustrie entgegen, sondern pflegten auch sexuelle Kontakte mit ihnen. Zudem sollen Behördenmitarbeiter Kokain konsumiert haben.

Der New York Times und der Washington Post zufolge betrifft das in den Berichten an den Kongress festgestellte "ethische Fehlverhalten" ein Dutzend Angestellte des "Minerals Management Service", der unter anderem für die Verwaltung von Öl und Gas zuständig ist. Unter ihnen soll sich auch Lucy Q. Denett befinden, die bis 2008 stellvertretende Direktorin der betroffenen Stelle war und angeblich vorzeitig in Rente ging, um einer Bestrafung zu entgehen.

Zu den Geschenken zählten unter anderem teure Essen und Aufenthalte in Freizeitresorts. Auch Einladungen zu Musikkonzerten, Sportveranstaltungen, Paintball-Spielen und Golf-Besäufnissen mit anschließendem Geschlechtsverkehr soll es gegeben haben.

Laut Washington Post rechtfertigten sich die Vorteilsnehmer - mit den Vorwürfen konfrontiert - damit, dass sie "Teil der Marketingkultur" sein hätten müssen, weshalb die für Regierungsangestellte festgelegten Vorschriften für sie nicht gegolten hätten. Tatsächlich hatte die Bush-Administration propagiert, dass ihre Unterabteilung wie eine private Energiefirma aufgebaut sei und auch so agieren solle.

Auf Seiten der Ölindustrie waren die Firmen Shell, Chevron, Hess und Gary-Williams an den Vorfällen beteiligt. Ein bereits vorher fertiggestellter Bericht hatte aufgedeckt, dass unter anderem Chevron nach Auktionen mit Verweis auf angeblich fehlerhafte Kalkulationen seine Zahlungen zum Schaden der amerikanischen Steuerzahler nachträglich senken durfte. Insgesamt wurden 118 solche Fälle dokumentiert.

Ein Behördenmitarbeiter, der im letzten Jahr in den Ruhestand ging, hatte sich noch während seiner Tätigkeit für die Regierung über eine Consultingfirma auch für die Ölindustrie verdingt. In einem anderen Fall hatte ein kurz vor der Pensionierung stehender Mitarbeiter kurzfristig das Outsourcing seines eigenen Tätigkeitsbereiches veranlasst, eine Firma gegründet und sich den Vertrag über die externe Durchführung dieser Aufgaben mit Hilfe zweier anderer Mitarbeiter selbst zugeschustert. (Peter Mühlbauer)

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