Kommen die großen Präsenzmessen zurück?

Seit Monaten wurden die großen Messen aufgrund von Corona entweder ins Virtuelle verlegt, verschoben oder gleich ganz abgesagt. In Düsseldorf wurde ein Neuanfang gemacht

Mit der Verbreitung des aktuellen Coronavirus war plötzlich Schluss mit allen Ausstellungen. Erst langsam beginnt wieder ein Neustart. Das Düsseldorfer Messegelände hat hier den wohl kaum zu überbietenden Vorteil, dass es sehr weitläufig ist und die einzelnen Hallen sehr groß bemessen sind. Im Falle des Caravan Salons kam als weiterer Pluspunkt die Tatsache hinzu, dass sich die Hauptinteressenten für Wohnmobile aus Paaren rekrutieren und die meisten ein Wohnmobil erst dann kaufen, wenn die Kinder aus dem Haus sind oder man kauft das Wohnmobil anstatt Kindern.

Somit tauchten die Besucher auf der Messe zumeist paarweise auf. Besuchergruppen waren ziemlich selten und beschränkten sich fast ausschließlich auf zwei Paare, die sich gemeinsam informieren wollten. Und die Branche boomt. 75 % der Caravanhersteller geben aktuell an, mehr Verkaufsabschlüsse erzielt zu haben als im Vorjahr und die restlichen 25 % erwähnen Verkäufe auf dem Rekordniveau des Vorjahres. In der Praxis sorgt das für eine Stellplatzknappheit, wie sie sonst nur Fernfahrer kennen, die kaum einen Platz für ihre vorgeschriebenen Fahrpausen finden können.

Die Pärchen-Messe startet durch

Rund 350 Aussteller fanden sich 4. bis 13. September in Düsseldorf in den weitläufigen und gut durchlüfteten insgesamt 11 Messehallen und rund 200.000 Quadratmetern. Um die Zahl der Besucher auf maximal 20.000 pro Tag beschränken zu können, musste man sich im Vorfeld online für einen bestimmten Tag registrieren und bekam dann einen Besucherausweis mit QR-Code, der am Messeeingang eingelesen werden musste.

Im Zusammenhang mit dem Ticketkauf willigt der Besucher in die Datenschutzbestimmungen der Veranstaltung ein, was die weitere Datenverarbeitung rechtlich absichert. Der Verzicht auf eine Tageskasse sorgte zudem dafür, dass es dort nicht zu einer Schlange kommen konnte, bei der die Abstandsregeln nur schwer einzuhalten gewesen wären. Auch reduzierte der Vorverkauf das Risiko, dass Fake-Identitäten zur Registrierung genutzt werden konnten.

Gut einen Monat nach Abschluss des Caravan Salons ist übrigens kein Corona-Fall bekannt, der in Verbindung mit der Messe zu bringen wäre. Die Begrenzung der täglichen Besucherzahl wurde nur am ersten Wochenende ausgeschöpft, so dass mancher Interessent sich einen anderen Besuchstag suchen musste.

Als weiterer Vorteil für die Aussteller bestand die Möglichkeit, dass jeder Standbesucher, der sich zu einem Informationsgespräch an einem Stand einfand, mit Hilfe des QR-Codes eindeutig identifiziert werden konnte und im Falle eines Infektionsrisikos später angesprochen werden konnte. Das dafür benötigte Messe-Leads Erfassungssystem war schon vor Corona installiert worden, weil es den Ausstellern die Nacharbeit zur Messe erleichterte, da man auf das Sammeln von Visitenkarten verzichten kann und alle Angaben zu den Interessenten digital verfügbar macht. Jetzt wurde es um das sogenannte FairTracing-Verfahren ergänzt, mit welchem man die Wege des Messebesuchers im Falle eines Infektionsrisikos hätte verfolgen können.

Es gab für die Dokumentation der Kontakte jedoch keine Verpflichtung, die digitale Aufzeichnung zu wählen. Die Aussteller durften die Kontaktdaten auch analog notieren, wobei sich nicht alle Aussteller an die Vorschriften der DSGVO gehalten hatten und teilweise Listen benutzten, auf welchen erkennbar war, wer zuvor den Stand besuchte. Für kurzfristige Standkontakte am jeweiligen Aussteller-Counter gab es zudem keine Dokumentationspflicht. Wer das wusste, konnte auch den Versuchen an Ständen von Automobilclubs widerstehen, wo die Dokumentation des Standbesuchs mit einem Aufnahmeantrag verknüpft werden sollte.

"PROTaction", das mit den Behörden abgestimmte Hygienekonzept

Unter dem Namen PROTaction wurde ein Hygienekonzept entwickelt, das die Durchführung der Messe zu Corona-Zeiten ermöglichen sollte und das auf zahlreichen Postern auf dem Messegelände präsent war.

Im Gegensatz zum für den 4. September ebenfalls in Düsseldorf geplanten Sarah Connor-Konzert mit bis zu 13.000 Zuschauern, das von der Stadt Düsseldorf genehmigt worden war und dann nach Bedenken der NRW-Landesregierung auf den Spätherbst verschoben wurde, gab es beim Caravan Salon keinen Widerstand der zuständigen Behörden.

Das von der Messe Düsseldorf vorgelegte Konzept überzeugte offensichtlich alle Verantwortlichen in Stadt und Bundesland und so konnte der Caravan Salon ohne weitere Einschränkungen durchgeführt werden.

"Unsere Hygiene- und Infektionsschutzstandards sorgen dafür, dass die Sicherheit und Gesundheit unserer Aussteller, Besucher, Partner und Mitarbeiter bestmöglich geschützt werden", erwähnte Wolfram N. Diener, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Düsseldorf. "Die Verteilung der Personen in den Hallen und die Einhaltung des Mindestabstands wird mit Videosystemen sowie verstärktem Personaleinsatz sichergestellt", lässt sich die Düsseldorf Messe darüber hinaus zitieren.

Dass nicht alle Aussteller aus den vergangenen Jahren in diesem Jahr auf der Messe waren, war letztlich für die Durchführung der Veranstaltung von Vorteil. In diesem Zusammenhang fiel es kaum auf, dass die beiden aktuellen Boomthemen Caravan und Pedelecs nur in der Form von Pedelec-Halterungen an Wohnmobilen verknüpft wurden, während im vergangenen Jahr auch faltbare Caravan-Anhänger für Pedelecs gezeigt wurden. (Christoph Jehle)