Kommt jetzt die dritte Welle? Oder ist sie schon da?

Fahren auf Sicht. Symbolbild: Jose Fontano/Unsplash

Deutsche Spitzenpolitiker warnen vor zunehmenden Ansteckungen. Großbritannien plant den Ausstieg aus dem Lockdown

Seit mehreren Tagen sprechen führende deutsche Politiker vermehrt von dem Risiko einer "dritten Welle" der Corona-Pandemie. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erklärte am Wochenende, dass seiner Meinung nach die dritte Corona-Welle in Deutschland bereits begonnen habe. Zu Wochenbeginn verlautete der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, dass er die wachsende Gefahr einer dritten Welle sehe, wenn sich die britische Virusvariante durchsetze.

Am Dienstag machte Angela Merkel die Sache amtlich. "Wir sind jetzt in der dritten Welle", habe die Bundeskanzlerin in einer Online-Sitzung der Unionsbundestagsfraktion erklärt. Angesichts des Risikos vermehrter Ansteckungen durch Virus-Mutationen habe sie zu Vorsicht bei Lockerungen der Corona-Maßnahmen gewarnt. Vorsichtige Öffnungsschritte sollten mit vermehrten Testmöglichkeiten einhergehen.

Allerdings soll es mit der Einführung kostenloser Corona-Schnelltests, die für den 1. März angekündigt worden war, erst nach der nächsten Bund-Länder-Konferenz am 3. März losgehen.

Auch in anderen europäischen Ländern scheint man sich auf eine dritte Welle einzustellen. Bereits Ende letzter Woche erklärte der polnische Gesundheitsminister, man habe die südafrikanische Corona-Variante entdeckt und befinde sich am Beginn der dritten Welle.

Der Financial Times zufolge ist die Zahl der positiven Fälle in Ungarn in der letzten Woche gegenüber der Vorwoche um 50 Prozent gestiegen. Vertretern tschechischer Behörden zufolge nähere sich das dortige Gesundheitssystem der "totalen Erschöpfung". Deswegen hat man nun, wie bereits in der letzten Woche die Slowakei, Unterstützung durch die EU angefordert.

Doch die EU könnte wohl selbst Unterstützung gebrauchen - jedenfalls scheinen andere in der Bekämpfung der Corona-Pandemie derzeit weit voraus. So hat der britische Premierminister zu Wochenbeginn seine Pläne für den Ausstieg aus dem Lockdown vorgestellt. Das Osterfest solle schon fast normal verlaufen, bis zum 21. Juni sollen dann alle Beschränkungen aufgehoben werden.

Ermöglicht werden solche Pläne auch durch einen zügigen Fortschritt der britischen Corona-Impfungen. In Großbritannien wurden bereits etwa 27 Dosen der Impfstoffe von Pfizer/BioNTech und AstraZeneca pro 100 Einwohnern verimpft.

Einer am Montag veröffentlichten Studie zufolge habe der rapide Verlauf der Impfkampagne zu einem signifikanten Rückgang der Infektions-, Hospitalisierungs- und Sterberaten beigetragen. In den meisten anderen europäischen Ländern liegen die Impfraten noch im einstelligen Bereich. (Thomas Schuster)