Kommunion des Kirchenaustritts

In Mainz wollen einige Dutzend Personen gemeinsam ihren amtlichen Abschied von steuereintreibenden Religionsgemeinschaften begehen

Das Wort "Kommunion" kommt vom lateinischen "communio" und bezeichnet ein gemeinschaftlich begangenes religiöses Ritual. Bei Christen besteht die Kommunion im Verspeisen eines ohne Sauerteig aus Mehl und Wasser zubereiteten dünnen Fladens, in dem (je nach Glaubensrichtung) das Fleisch des Gottessohnes Jesus tatsächlich oder symbolisch anwesend sein soll. Für Katholiken ist die aktive Teilnahme an solch einer Kommunion an den Osterfeiertagen eine religiöse Pflicht.

Weil nicht nur religiös orientierten Menschen manche Handlungen gemeinschaftlich mehr Spaß machen als alleine, verabredeten sich bis gestern über 90 Mainzer via Facebook, um am Gründonnerstag den 21. April von 10 bis 12 Uhr zusammen aus der katholischen oder einer anderen staatlich begünstigten Religionsgemeinschaft auszutreten, die in Deutschland als Körperschaft des öffentlichen Rechts gilt und das Recht at, über die staatlichen Finanzämter Steuern einzutreiben. Diese betragen je nach Bundesland acht oder neun Prozent der Einkommensteuer.

Ein Kirchenaustritt heißt deshalb nicht, dass der Steuersparer automatisch Agnostiker oder Atheist sein muss: Ihm bieten sich zahlreiche Möglichkeiten mit freiwilliger oder gar keiner Zahlung - von der Orthodoxie über Freikirchen bis hin zu so unterhaltsamen Religionen wie dem Diskordianismus. Er gebietet, freitags einen Hotdog zu essen, weil man damit gleichzeitig Gebote von fünf Religionen bricht: Das des Buddhismus, kein Fleisch zu essen, das des Katholizismus, freitags kein Fleisch zu essen, das des Judentums, kein Schweinefleisch zu essen, das des Hinduismus, kein Rindfleisch zu essen - und das des Diskordianismus, keine Hotdogbrötchen zu sich zu nehmen. Vom Regen in die Traufe kommen kann man dagegen mit Religionsgemeinschaften die ihren Mitgliedern den Wiederaustritt durch Maßnahmen wie Todesdrohungen oder eine Übereignungspflicht für alle "weltlichen Güter" erschweren.

Die Mainzer Austrittsinitiative, die mit der Aktion auch darauf aufmerksam machen will, was die Kirchen mit Zwangsabgaben und öffentlichen Zuschüssen machen, wird unter anderem von der Giordano-Bruno-Stiftung und dem Bund für Geistesfreiheit unterstützt. Für den Fall, dass Personen erscheinen, die sich die 20 Euro 45 Austrittsgebühr nicht leisten können, soll zudem mit einem "Klingelbeutel" gesammelt werden. Obwohl der Austritt in vier Zimmern des Standesamtes an der Kaiserstraße 3-5 durchgeführt wird, dürfte aufgrund des Andrangs mit gewissen Wartezeiten zu rechnen sein, die man so kurzweilig wie möglich gestalten will: Neben dem zum Austritt notwendigen Personalausweis oder Reisepass sollen die Teilnehmer dafür Geschenke oder Andenken an ihre "Zeit unter dem Kreuz" mitbringen.

Anschließend plant man eine Party im nahe gelegenen Kaiserpark, an der auch bereits Ausgetretene teilnehmen wollen und dürfen. In einem Blog spricht man in diesem Zusammenhang sogar von absichtlichen Verstößen gegen das bereits in der Gründonnerstagsnacht beginnende karfreitägliche Tanz- und Musikverbot, dessen Umfang unlängst vom Amtsgericht Würzburg auch auf leise Hintergrundmusik ausgedehnt wurde.

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