Konflikt am Golf: Saudi-Arabien will Katar mit einem Kanal zur Insel machen

Saudi-Arabien will Katar isolieren und zur Insel machen. Bild: Nasa

Der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran nimmt groteske Züge an, in der Region mischen wie immer viele konfligierende Interessen mit

Seit einem Jahr wird Katar von Saudi-Arabien und seinen Verbündeten, den Verinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Ägypten isoliert und unter Druck gesetzt (Machtkampf im Nahen Osten: Katar soll sich gefügig zeigen). Alle Luft-, Wasser- und Landverbindungen zu seinen Nachbarn wurden blockiert, so dass Katar nun seine Lebensmittel von anderen Ländern importiert, u.a. von Iran und der Türkei. Nun will Saudi-Arabien mit einem aberwitzigen Plan Katar, das auf einer Halbinsel liegt, durch einen breiten Kanal ganz vom Festland isolieren.

Grund des Konflikts ist, dass Katar ähnlich wie die Türkei die Muslimbruderschaft unterstützt, vor allem aber wohl, weil das Land auch zum saudischen Erzrivalen Iran Beziehungen hat. Zudem hatte die Türkei in dem Golfstaat einen Militärstützpunkt einrichten können. Obgleich sich in Katar weiterhin mit der amerikanischen Al-Udeid-Luftwaffenbasis und dem Sitz des Central Command ein zentraler US-Stützpunkt in der Region befindet, kam die Attacke auf das Land, das sich den saudischen Interessen nicht unterwerfen will, nachdem US-Präsident Donald Trump in Saudi-Arabien den Schulterschluss mit der saudischen Monarchie und anderen sunnitischen Ländern feierte und dabei Iran zum Hauptfeind erkor (Gipfeltreffen in Saudi-Arabien: Trump in der "Welt der Guten"). Allerdings hat sich Washington bislang nicht aus Katar zurückgezogen, das wiederum trotz oder wegen des Drucks engere Beziehungen mit dem Iran aufgenommen hat.

Saudi-Arabien hat seine Grenzen Richtung Irak und Jemen schon teilweise durch eine Mauer gesichert. Aber darum dürfte es bei dem geplanten, 60 km langen Kanal an der Grenze zu Katar zwischen Salwa und Khor Al Adeed nicht gehen, der den Golfstaat vom Festland abschneiden und zu einer Insel machen soll. Bis 25. Juni nimmt Saudi-Arabien Vorschläge von Unternehmen an, die den Kanal bauen wollen. Bislang haben 5 internationale Konzerne ihre Bewerbung für den Salwa-Kanal eingereicht. In drei Monate wird der Gewinner genannt, berichten Gulf News. Und man hat es ganz eilig, denn dem Unternehmen wird ein Jahr Zeit gegeben, den Kanal fertigzustellen.

Weil der Kanal vollständig auf saudischem Territorium einen Kilometer von der Grenze verläuft, kann er von Katar nicht benutzt werden. 200 Meter breit und bis zu 20 Meter tief soll er werden, so dass bis zu 295 Meter lange und 33 Meter breite Schiffe auf ihn fahren können. Geplant sind nach den Gulf News mehrere Anlagen mit Privatstränden und Yachthäfen, zudem zwei weitere Häfen in Salwa und Aqlat Al Zawayed.

Mitsprechen bei der Umsetzung sollen das Verteidigungsministerium und die Grenzschutzbehörde. Finanziert werden soll der auf mehr als 700 Millionen US-Dollar geschätzte Bau von privaten Investoren aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten wird mit Baukonzernen eingebunden. Zwischen Kanal und der Grenze zu Katar will man einen militärischen Stützpunkt aufbauen, der Rest soll zum Müllplatz für Nuklearabfälle der geplanten saudischen AKW dienen. Das ist keine freundliche Geste, Gulf News verschönt dies, dass die doch nach globalen Umweltanforderungen errichtet werden sollen.

Immerhin will Saudi-Arabien in den nächsten 25 Jahren 16 Atomkraftwerke errichten. Die USA würden bei dem großen Geschäft gerne mitmischen und überlegen, um einen Deal zu machen, Saudi-Arabien die Anreicherung von Uran zu gewähren. Damit könnte die Monarchie ein Atomwaffenprogramm starten, was die Trump-Regierung durch den Ausstieg aus dem Iran-Abkommen beim saudischen Erzfeind angeblich verhindern will.

Saudi-Arabien hat bereits gedroht, ein Atomwaffenprogramm zu beginnen, wenn das der Iran macht. Auch wenn die USA - oder andere Bewerber wie Russland - nicht mitspielen, könnten die Saudis die Technik aus Pakistan beziehen. Russland hat sich bereit erklärt, die 16 AKW in Saudi-Arabien zu bauen. Ende 2017 haben die beiden Länder bereits ein Abkommen zur friedlichen Nutzung der Atomenergie abgeschlossen.

Die Situation ist jedoch höchst verworren, da hinsichtlich der reichen Golfländer viele Interessen mitspielen. So ist Katar höchst interessiert an dem russischen Raketenabwehrsystem S-400, was aber Saudi-Arabien gar nicht passt. Das hat nun bei einem Besuch von König Salman in Moskau selbst Absichtsabkommen unterzeichnet, S-400-Systeme zu kaufen. Das wiederum dürfte den USA nicht gefallen, die bereits mit der Türkei hadern, das bereits einen Kaufvertrag für das Raketenabwehrsystem abgeschlossen hat und daran festhalten will. Washington sucht dies zu verhindern, indem an die Türkei keine F-35-Kampfflugzeuge geliefert werden sollen. (Florian Rötzer)

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