Konservative, Rechte und Religiöse vereint gegen die Homo-Ehe

In Kroatien will das Volk nach einem Volksentscheid der lebenslange Ehe zwischen einem Mann und einer Frau Verfassungsschutz gewähren

So soll sie sein, die Familie. Bild: U ime obitelji

Während Papst Franziskus in Rom sich offener gibt, hat die katholische Kirche in Kroatien zusammen mit der orthodoxen Kirche und der islamischen und jüdischen Gemeinschaft die Organisation "Im Namen der Familie" unterstützt. Die Bischöfe riefen vor dem Referendum noch einmal alle Katholiken dazu auf, für den Verfassungsschutz der christlichen Ehe zu stimmen. Dies sei "in Einklang mit den allgemeinen Werten des Evangeliums und der tausendjährigen Tradition und Kultur des kroatischen Volkes". Und, wie Bischöfe sagten, auch der meisten anderen kroatischen Bürger.

Wenn es um die Bewahrung der traditionellen Familie geht, stehen die Religiösen zusammen, weil sie ihre überkommenen Institutionen und Normen erhalten wollen. Nicht zuletzt geht es dabei darum, die Verhältnisse von Mann und Frau zu zementieren. Offenbar fürchten die Vertreter der katholischen und orthodoxen Kirche, aber auch Muslime und Juden einen Verlust an Einfluss, wenn das Sakrament der Ehe aufgeweicht wird und die Sünde staatlich anerkannt wird, dass nicht nur ein Mann und eine Frau eine Verbindung eintreten können.

Ausgerechnet die katholische Kirche stellt sich an die Spitze zur Bewahrung der Familie. Hier wird nicht nur das Leitbild des Zölibats für die Männer zelebriert, diese sind auch in der Kirche tonangebend, Frauen unerwünscht. Dafür sind sexueller Missbrauch und heimliche Homosexualität verbreitet . Und während die Kirche sich gerne auch noch die Aufklärung zuschreibt, die gegen sie durchgesetzt wurde, kämpft sie im Verein mit den Muslimen, denen attestiert wird, sie hätten noch keine Aufklärung durchlaufen.

Gegen die linksliberale Regierung hat es das Bündnis in dem Land, in dem 80 Prozent der Menschen noch katholisch sind, geschafft, ein Referendum mit der Forderung durchzusetzen, dass Ehe nur die Verbindung eines Mannes mit einer Frau sein kann. Es war in der EU der erste Volksentscheid zur Homo-Ehe. Zum Bündnis gehörten auch die konservative Partei HDZ und die rechte Partei Hrast. Da kommt zusammen, was anscheinend zusammen gehört. Und der Volksentscheid fiel eindeutig aus: Zweidrittel der Kroaten wollen die christliche sanktionierte, lebenslange Ehe exklusiv zwischen Mann und Frau, nur 35 Prozent stimmten dagegen.

Logo von U ime obitelji (Im Namen der Familie).

Schon in Umfragen war klar geworden, dass viele Menschen die Geschlechterordnung wahren wollen, dass es eine Stimmung gibt, die Emanzipation der Frauen und der sexuell anders Orientierten abzuwürgen. Das ist nicht nur so in ex-kommunistischen Staaten wie Russland, sondern hat sich auch in Frankreich und auch bei den Koalitionsverhandlungen in Deutschland gezeigt. Offenbar erregen besonders in Krisen weltanschauliche Fragen mehr Interesse als die Lösung von tiefgreifenden politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Problemen. Bei Sexualitätsfragen und Geschlechterverhältnissen ist jeder ein Experte und braucht sich auch nicht lange zu informieren, um eine Meinung über das "Richtige" zu haben.

Zutritt zu der Feier der konservativen Bürgerinitiative wurde allen "Hassmedien" verweigert. Hass besteht für diese Christen schon darin, nicht mit ihrem Anliegen konform zu gehen und sich kritisch zu äußern. Der Regierung will sich dem Referendum nicht ohne Weiteres fügen. Regierungschef Zoran Milanovic bezeichnete die Initiative als "traurig und sinnlos". Er will nun ein Gesetz auf den Weg bringen, das zumindest eine eingetragene Partnerschaft für Homosexuelle ermöglicht. (Florian Rötzer)

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