Konzertierte Aktionen gegen die Geldwertstabilität

Die Märkte werden mit Geld geflutet, obwohl es nicht zu wenig, sondern zu viel Liquidität gibt

"Anleger freuen sich über Dollar-Dusche", titelte die NZZ am 16. September. Um die Aktienkurse insbesondere der Banken zu stützen, werden die Märkte mit neuem Geld überflutet:

Die Europäische Zentralbank (EZB), die US-Notenbank Fed und die Schweizerische Nationalbank (SNB) sowie die Währungshüter Japans und Großbritanniens hatten am Donnerstagnachmittag angekündigt, im Oktober, November und Dezember je eine Dollar-Refinanzierung mit drei Monaten Laufzeit anzubieten. Die Notenbanken werden die Dollars zu einem fixen Zins, aber in unbegrenzter Höhe anbieten und die Banken so sicher über den Winter bringen.

NZZ

Trotz einer nie da gewesenen Menge an Liquidität, oder gerade deshalb, fehlt es den Geschäftsbanken an Krediten. Gegenseitig fehlt es ihnen massiv an Vertrauen, da sie um ihre Geschäftspraktiken wissen. Aber auch von außen stockt der Kapitalzufluss der Anleger. "Laut Händlerangaben haben primär US-Geldmarktfonds in diesem Sommer aus Sorgen um die Schuldenkrise ihr Engagement in Europa abgebaut und damit den Kreditinstituten den Zugang zu Dollar-Liquidität erschwert."

Die Banken haben viel Geld in Aktien und Anleihen investiert, das ihnen gar nicht gehört. Bei steigenden Kursen haben sie gut verdient. Bei fallenden Kursen rächt sich nun, dass die tatsächlichen Eigentümer der eingesetzten Geldmittel nicht an die Laufzeiten und Risiken der Anlagen gebunden sind. Abwandernde Spareinlagen werden für einzelne Institute zur Liquiditätsfalle. Weil der Markt - vermutlich aus gutem Grund - den Geschäftsmodellen misstraut, opfern die Notenbanken die letzten Bemühungen um Geldwertstabilität. Die Geschäftsbanken können sich erneut mit billigem Geld unbegrenzt refinanzieren. Ein Umdenken zu Gunsten einer besseren Risikovorsorge erübrigt sich für die Banker damit.

Die Entscheidung der Notenbanken ist jedoch falsch. Es gibt nicht zu wenig Liquidität am Markt, sondern eher zu viel. Das vorhandene Geld entzieht sich allerdings im allgemeinen langfristigen Anlagen und im besonderen den Kassen der Geschäftsbanken. Ursächlich für diese Entwicklung sind die fehlenden Kosten auf Liquidität. Die Geldumlaufgebühr, wie sie beispielsweise die INWO fordert, macht die spekulative Zurückhaltung der Liquidität teuer und lenkt so die Vermögen in langfristige Anlagen.

Bezüglich des Interbankenhandels hat Torsten Riecke auf diesen Zusammenhang in seinem Kommentar "Notenbanker stecken in einem fast ausweglosen Dilemma" bereits am 27.08.2010 im Handelsblatt hingewiesen:

Mehr Wirkung könnten die Notenbanken erzielen, wenn sie negative Strafzinsen auf jene riesigen Guthaben erheben würden, die private Finanzhäuser bei ihnen unterhalten. Das würde die Kreditvergabe der Banken anregen.“

Was für die Girokonten der Geschäftsbanken gilt, träfe so auch auf alle privaten Girobestände zu. Selbst bei minimalen Renditen würde sich der „Geldstreik“ für den Geldhalter unter diesen Bedingungen nicht mehr lohnen. In der Folge versorgt die vorhandene Liquidität den Bedarf des Marktes. Staaten, Unternehmen und die meisten Bankhäuser würden ausreichend mit Krediten versorgt. Das Fluten der Geldmärkte wird so vermeidbar. Die Zentralbanken können ihre Aufgabe, für Geldwertstabilität zu sorgen, wieder ernsthaft verfolgen.

Der Autor ist freier Referent und ehrenamtlicher Vorstand der Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung. Siehe auch seine Website.

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