Kosovo: Großalbanienbemühungen und Gerüchte über einen Deal zwischen Trump und Putin

Der "Shqiponja", der Steinadler, ist Volksnamensgeber und Nationalsymbol der Albaner. Foto: Richard Bartz, Munich aka Makro Freak. Lizenz: CC BY-SA 2.5

Serbischer Staatspräsident warnt, dass "diejenigen, die Kosovo jetzt nicht aufteilen wollen, in 40 Jahren Vrane verteidigen werden"

Als die NATO Ende der 1990er Jahre in den Kosovo einmarschierte, propagierten der damalige deutsche Außenminister Joseph Fischer und seine amerikanische Amtskollegin Madeleine Albright keinen Anschluss des Gebiets an Albanien, sondern einen multi-ethnischen Staat von Albanern und Serben. Dass diese Vorstellung nicht mit der Realität konform ging, zeigte bereits die weitgehende Vertreibung der Serben aus allen Gebieten des Kosovo außer Mitrovica. Weniger Medienaufmerksamkeit erregen jetzt die Maßnahmen, mit denen sich der Kosovo informell mit Albanien vereinigt.

Im Januar 2019 werden alle Grenzkontrollen zwischen den beiden Ländern abgeschafft. Eine gemeinsame Zollbehörde, einen gemeinsamen Mobilfunkraum und gemeinsame Konsulate im Ausland hat man bereits eingerichtet. Das albanische Ministerium für europäische Integration wurde in ein Diasporaministerium umgewandelt, das nicht nur für ausgewanderte albanische Staatsbürger, sondern auch für ethnische Albaner in den Nachbarländern zuständig ist. Und wer als Kosovare in die EU einreisen will, der kann sich als Alternative zu einem Visum auch einen albanischen Pass holen (vgl. Albanischer Ministerpräsident offenbart Vereinigungspläne mit Kosovo).

Für den serbischen Verteidigungsminister Aleksandar Vulin ist diese Entwicklung nicht nur für Serbien ein "Grund zur Sorge", sondern für "alle Balkanländer". Ein Großalbanien, wie es unter anderem die Anhänger der größte kosovarischen Oppositionspartei Vetëvendosje fordern, würde nämlich nicht nur Albanien und den Kosovo, sondern auch das Presevo-Tal im Süden Serbiens, einen beträchtlichen Teil Mazedoniens, das montenegrinische Grenzgebiet mit Städten wie Ulcinj und die griechische Region Epirus umfassen.

Den Anschluss des Presevo-Tals fordert inzwischen nicht nur die ultranationalistische Vetëvendosje, sondern auch der kosovarische Staatspräsident Hashim Thaçi ganz offen als "machbare" und "notwendige Grenzkorrektur". In serbischen Medien spekuliert man deshalb über einen kosovarischen Angriffsplan mit dem Namen "Goldener Säbel". Nahrung erhielten diese Gerüchte durch ein KFOR-Manöver im Norden des Kosovo, bei dem es am für die Stromversorgung wichtigen Wasserkraftwerk Gazivoda zu Spannungen zwischen Serben und amerikanische Marineinfanteristen kam. Nach diesem Zwischenfall berief der serbische Präsident Aleksandar Vučić seinen Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung ein und rief dazu auf, "sich nicht provozieren zu lassen".

Die kosovarische Zeitung Gazeta Express spekuliert dagegen unter Berufung auf "diplomatische Kreise" über einen in Helsinki angeblich sowohl vom US-Präsidenten Donald Trump als auch vom russischen Präsidenten Wladimir Putin befürworteten Konfliktlösungsvorschlag, der vorsehe, dass der Kosovo Serbien das serbisch bewohnte Mitrovica-Gebiet im Tausch für eine diplomatische Anerkennung und "einige Gebiete nördlich von Ibar" überlässt.

Diesem Bericht nach hält Trump die amerikanische Balkanpolitik seit Bill Clinton für verfehlt und strebt einen Wandel an. Seine Vorgänger hängten politischen Glaubensrichtungen an, die bei den US-Republikanern "Neocon" und bei den US-Demokraten "humanitäre Interventionen" hießen. Diesen Vorstellungen nach musste man in anderen Ländern nur die dortige Führung auswechseln - und schon würden sich die Völker dort zu Demokratien nach amerikanischem Vorbild entwickeln. Tatsächlich kam eine als "Verschlusssache" eingestufte Studie des Instituts für Europäische Politik (IEP) aber bereits Anfang 2007 zu dem Schluss, dass das Kosovo "fest in der Hand der Organisierten Kriminalität" ist, die "weitgehende Kontrolle über den Regierungsapparat" hat (vgl. Klares Votum für ein unabhängiges Mafiastan).

Daran hat sich bis heute wenig geändert: Der aktuelle Kosovo-Ministerpräsident Ramush Haradinaj war beispielsweise vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in den Haag angeklagt (vgl. Händeschütteln mit dem Kriegsverbrecher), wo er jedoch "aus Mangel an Beweisen freigesprochen", weil "fast alle Belastungszeugen vor Ende des Prozesses unter mysteriösen Umständen starben", wie inzwischen selbst die Südddeutsche Zeitung einräumen muss, die Ende der 1990er Jahre den NATO-Einsatz mit herbeischrieb (vgl. IS-Vorbild UÇK?).

Während Thaçi und andere Kosovo-Politiker von Tauschgeschäft Mitrovica-gegen-diplomatische-Anerkennung zumindest offiziell nichts wissen wollen, zeigt sich Vučić offen für so einen Kompromiss, über den er das serbische Volk in einem Referendum abstimmen lassen würde. Dafür wurde er von Bischof Theodosios von Raska-Prizren verflucht, der ihn dazu aufforderte, lieber auf eine Gelegenheit zur Rückgewinnung des ganzen Kosovo zu warten. Der serbische Staatspräsident meinte dazu, dass "diejenigen, die Kosovo jetzt nicht aufteilen wollen, in 40 Jahren Vrane verteidigen werden" - eine Ortschaft in Zentralserbien. (Peter Mühlbauer)

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