Kreuzzug in Bayern gegen den Vormarsch der Linken

Düster oder eher: tiefrot sieht es für Bayern aus, wenn da nicht die wackeren Ritter von der CSU wären, die vor der Entchristianisierung und dem Ansturm der Kommunisten schützen

In Bayern geht es kurz vor den Landtagswahlen ums Ganze. Sagt zumindest die CSU, die seit Jahrzehnten erstmals um ihre absolute Mehrheit fürchtet, seitdem das Duo Huber und Beckstein wenig glücklich agieren und eher wie ein trauriges Pärchen wirken, das auf die Bühne die Leere verwalten muss und sich mit dem Transrapid, der Landesbank oder der Bildungspolitik keinen Ruhm erworben haben..

Die starken Bayern für ein starkes, von der christlichen Leitkultur geprägtes Bayern. Bild : CSU

CSU-Chef Hubers Fantasie scheint sich darauf zu beschränken, mit Steuergeschenken und Slogans aus dem Kalten Krieg die Wähler hinter dem Ofen hervorzulocken. Nachdem selbst die CDU 18 Jahre nach der Wiedervereinigung im Osten mit der Linken zusammen arbeitet und hier ebenso wenig wie in Berlin Zeichen für einen neuen Kommunismus zu sehen sind, will die CSU als wahrhaft traditionelle Partei mit dem recycelten "Freiheit statt Sozialismus" wieder an die alten Ängste anknüpfen. Was vor Jahrzehnten mit ähnlichen dürftigen Inhalten funktioniert hat, müsste doch auch heute noch

Um hier zu wildern, wo es wohl nur noch wenig zu holen gibt, nachdem die Linke sich allmählich zu einer Nachfolgepartei der an der Agenda 2010 zerbrochenen SPD wandelt, hat Huber gleich noch tiefer in die Mottenkiste gegriffen. Er werde, so verkündete er tapfer als der wackerer Verteidiger der abendländischen Kultur, einen "politischen Kreuzzug" gegen die Partei Lafontaines führen, und gegen die drohende linke Gefahr, die von der Linken, vereint mit der SPD und den Grünen, für das christlich-schwarze Bayern ausgehe – oder gar von der "Viererband", wenn man die Freien Wähler noch hinzunimmt. Man werde "den Vormarsch der Linken stoppen", versprach Huber, der sie offenbar vor den Toren der Staatskanzlei in München wähnt, wie einst die Türken vor Wien standen.

Das tapfere bayerische Kreuzfahrerduo erinnert selbst auf dem Wahlkampfbild der CSU ein wenig an einen alten Ritter von der traurigen Gestalt. Bild: CSU

Auch CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer findet den Kreuzzug gut und spricht von der Linken als dem "Dämon der Politik", obgleich dieser in Bayern höchstens äußerst knapp überhaupt eine Chance haben dürfet. Freuen dürfte sich über diese Verteufelungsstrategie allenfalls Rot-Rot, weil sie dadurch größer und wichtiger gemacht werden, als sie derzeit in Bayern sind. CSU-Generalsekretärin Haderthauer, eine würdige Nachfolgerin von Söder, will mit Blick auf Hessen in Bayern Politik machen und wirft der SPD vor, sich "zum Steigbügelhalter für Kader-Geschwader" und zu einem "nützlichen Idioten" der Linken zu machen. Beckstein versucht nun, die Dämonisierung und damit Überbewertung der Linken zurückzufahren. Das mit dem Kreuzzug solle man nicht so ernst nehmen, beteuerte, es sei "kein zentraler Begriff", die Linke sei kein "Hauptthema". Aber welches dann?

Vielleicht haben die Grünen der CSU eine Vorlage gemacht, weil sie durchaus vernünftig endliche eine Trennung von Staat und Kirche fordern, die ganz im Sinne der Aufklärung wäre, aber in Bayern – und anderswo – noch nicht recht vollzogen wurde. So zahlen auch bayerische Bürger, die aus der Kirche ausgetreten sind, fleißig und ungefragt die Bezahlung von Bischöfen und Priestern mit, sie finanzieren den Großteil der Katholischen Universität Eichstätt und zudem noch eine staatliche Anzahl von geistes- und sozialwissenschaftlichen Lehrstühlen an bayerischen Universitäten.

Die Grünen hatten in ihrem Parteitagsbeschluss gefordert:

Für uns ist Religion grundsätzlich Privatsache. Deshalb müssen sich staatliche Schulen und die darin arbeitenden Menschen religiös neutral verhalten. Die Schule darf kein Ort für religiöse Glaubensdarstellungen einzelner sein, sondern sie muss säkulare und demokratische Werte vermitteln. Religiöse Erziehung gehört in die Elternhäuser oder in den Religionsunterricht, an dem die Teilnahme freiwillig sein soll. (…)

In der Schule geht es nicht nur um die Rechte der Lehrerinnen und Lehrer, sondern vor allem um die der Schülerinnen und Schüler. Die Religionsfreiheit von Kindern und Jugendlichen kann am besten geschützt werden, wenn sich die entsprechende Neutralität der Lehrenden auch in ihrem äußeren Erscheinungsbild niederschlägt. Das Recht der Schülerinnen und Schüler, von demonstrativ zur Schau gestellten religiösen Bekenntnissen ihrer Lehrerinnen und Lehrer unbehelligt zu bleiben, sollte deshalb höher wiegen als das Recht von Lehrerinnen und Lehrern, in der Schule religiöse Symbole tragen zu dürfen. Lehrerinnen und Lehrer sind gewichtige Vorbilder und haben gerade deshalb auch großen Einfluss auf die Schülerinnen und Schüler. Alle religiösen Symbole und religiös motivierten Kleidungsstücke haben unserer Auffassung nach daher an der Schule nichts zu suchen.

Parteitagsbeschluss

Landtagsfraktionschef Sepp Dürr hatte zudem noch gefordert, dass der Staatsvertrag zwischen der katholischen und evangelischen Kirche und Bayern aus dem Jahr 1924 in Zeiten der Globalisierung neu verhandelt werden müsse, weil die Menschen, die nicht in der katholischen Kirche sind oder aus ihr ausgetreten sind, nicht unbedingt verpflichtet sein wollen, die Geistlichen oder die der Kirche genehmen Professoren zu bezahlen. 10.000 Euro erhält etwa der Erzbischof Marx in München vom Staat. Insgesamt fließen der katholischen Kirche 60 Millionen Euro für Personalkosten jährlich zu, den Protestanten immerhin noch 19 Millionen.

Zeitgemäß ist das Konkordat tatsächlich nicht mehr, zumal wenn auch die christlichen Kirchen gerne gegenüber dem Islam die Errungenschaften der Aufklärung und damit der Trennung von Staat und Kirche als Pluspunkt der dann christlich-abendländischen Kultur anführen. In Deutschland werden nicht nur vom Staat die Beiträge an die Kirchen als Steuern eingezogen, mit dem Konkordat ließ man einen nicht unerheblichen Einfluss der Kirchen vor allem auf das Schulwesen zu, während gleichzeitig der Staat zusicherte, sich nicht in die inneren Angelegenheiten der Kirche einzumischen.

Am Konkordat, so versprach Beckstein daraufhin, werde "nicht gerüttelt". Die Grünen würden einen "frontalen Angriff auf die christliche Leitkultur und die gläubigen Christen" führen, meinte der bayerische Ministerpräsident und sprach von einem "Kirchenkampf". Beißhündin Haderthauer zog pflichteifrig mit und setzte noch eins drauf. Sie warf den Grünen eine "kirchenfeindliche Gesinnung" vor, die auf eine "Entchristianisierung Bayerns" abziele. Da schüttelt sich der echte schwarze und christliche Bayer vor Schrecken, schließlich hatte der vom Staat bezahlte Bischof Mixa, immer einmal für ein zugespitztes Wort zuständig, schon mal davon gesprochen, dass die Grünen mit ihrem Beschluss eine "Gefahr für den religiösen Frieden" heraufbeschwören. Wollgemerkt, weil sie für Religionsfreiheit und Trennung von Staat und Kirche eintreten.

Die CSU bekennt sich klar zu den christlichen Wurzeln Bayerns. Deshalb wird es weiterhin Religionsunterricht geben, die Kreuze bleiben in den Klassenzimmern.

Regierungsprogramm der CSU

Bayern soll ein christlich geprägtes Land bleiben, erklärt Haderthauer, die "christliche Leitkultur", die allen Bewohnern verordnet wird, schließt dann eben ein, dass alle Bürger erdulden müssen, die kirchlichen Würdenträger und willige Professoren zu bezahlen. Alles andere ist eben eine "Entchristianisierung Bayerns". Davor können nur Beckstein und Huber schützen. Wir wissen also, um was es in Bayern geht. Was ist schon ein Transrapid, eine Pendlerpauschale oder "Mehr Netto vom Brutto", wenn es um Kreuzzüge zur Verteidigung des christlichen Abendlandes geht? (Florian Rötzer)