Krieg und Klimakrise: Warum internationale Kooperation wichtiger denn je ist

Wetter oder Klima, das ist keine Frage mehr, wenn gehäufte Wetterextreme Lebensgrundlagen zerstören. Symbolbild: 0fjd125gk87 auf Pixabay (Public Domain)

Friedensforschungsinstitut Sipri spricht von "planetarem Notfall" und zeigt Lösungswege auf, die gar nichts mit Waffenlieferungen zu tun haben

Während in Deutschland diskutiert wird, ob es moralisch verwerflich ist, sich im Fall des Ukraine-Krieges eine Verhandlungslösung zu wünschen, betont das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit für die Lösung gravierender Menschheitsprobleme.

"Wir stehen vor einem planetaren Notfall", erklärte das Institut anlässlich der Vorstellung seines Reports "Umwelt des Friedens: Sicherheit in einer neuen Ära der Gefahren" an diesem Montag: "Eine komplizierte Umweltkrise und ein sich verdunkelnder Sicherheitshorizont verstärken sich gegenseitig auf gefährliche Weise." Der aktuelle Report solle das Verständnis für diesen Zusammenhang schärfen. Die Prozesse und Institutionen zur Bewältigung beider Krisen hätten sich bisher als unzureichend erwiesen, so das Fazit.

Im Vorwort schreibt die frühere schwedische Außenministerin und EU-Umweltkommissarin Margot Wallström:

Sie fragen sich vielleicht, was Umweltzerstörung mit Frieden und Sicherheit zu tun hat. Die für diesen Bericht zusammengetragenen Belege zeigen es, die Antwort lautet: alles.


Margot Wallström

Der Klimawandel sei ein "Risikomultiplikator" für neue und bereits bestehende Konfliktherde. Als eines von mehreren Beispielen wird im Sipri-Bericht die Sahel-Region genannt, wo der Verlust von Lebensgrundlagen für Bauern und Hirten die Bereitschaft erhöhe, sich einer Miliz anzuschließen. In Lateinamerika hätten Ernteausfälle Korruption und Gewalt sowie den Migrationsdruck in Richtung USA verstärkt.

"Wir wissen genug, um jetzt zu handeln"

Nicht zufällig werde dieser Report kurz vor dem 50. Jahrestag der UN-Umweltkonferenz im Juni 1972 veröffentlicht, sagte Sipri-Direktor Dan Smith bei der Präsentation. Die heutige Herausforderung sei, "dass wir internationale Kooperation mehr denn je brauchen", so Smith. "Wir wissen genug, um jetzt zu handeln", sagte er auch mit Blick auf den jüngsten Bericht des Weltklimarats IPCC.

Dieses "Wir" steht allerdings für eine Menschheitsfamilie, in der es real große Hierarchien gibt. Nicht nur innerhalb einer Gesellschaft zwischen Wirtschaftselite, politischer Klasse und Lohnabhängigen. Der heute schon stärker vom Klimawandel betroffene Globale Süden hat insgesamt weniger zu melden, das zeigt auch die westliche Wahrnehmung von Konflikten und Umweltproblemen in unterschiedlichen Teilen der Welt.

In Somalia hätten Dürren bereits einen nationalen Notstand ausgelöst, sagte die Friedensaktivistin Ilwad Elman auf der Sipri-Pressekonferenz. Weltweit gebe es heute mehr bewaffnete Konflikte sowie vertriebene und geflüchtete Menschen als vor einem Jahrzehnt. Während vor allem auf den Krieg in der Ukraine geschaut werde, sei die Sicherheitslage in Afghanistan, in Syrien, im Jemen, im Tschad oder in Somalia nicht besser, gab Elman zu bedenken.

Sipri stellt auch die weltweit auf 2,113 Billionen Dollar gestiegenen Rüstungsausgaben den eher bescheidenen Bemühungen zur Begrenzung des menschengemachten Klimawandels gegenüber.

Neben Aufforstungsprogrammen und dem Ausweisen von Schutzgebieten müssten die Erneuerbaren Energien fünfmal schneller ausgebaut werden, als es aktuell geschieht, heißt es in dem Report. Momentan hingen aber noch viele Jobs mit der Nutzung fossiler Energieträger zusammen. "Wir können Lehren daraus ziehen, wie man es nicht macht", heißt es mit Blick auf die Energiepolitik der letzten Jahrzehnte.

Dan Smith betonte am Vorabend der Veröffentlichung im Gespräch mit der Deutschen Welle auch die Verantwortung Deutschlands bei der Gestaltung des erforderlichen Wandels. Die Bundesrepublik sei das erste Land gewesen, "das den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Sicherheitsrisiken im UN-Sicherheitsrat zur Sprache brachte". Jetzt könne Deutschland auch eine Energiewende einleiten, um nicht nur von russischen fossilen Brennstoffen loszukommen, "sondern von fossilen Brennstoffen insgesamt".

Danach sieht es aber momentan nicht aus. Umweltverbände in Deutschland kritisieren aktuell die hohen Investitionen für den Import von Flüssigerdgas – unter anderem aus Katar. Eine entsprechende Energiepartnerschaft wurde erst vor wenigen Tagen von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) unterzeichnet. (Claudia Wangerin)