Kriege führen zu Hungersnot in Ostafrika

Seit Januar 2017 sind mehr als 52.000 Flüchtlinge aus dem Südsudan nach Uganda gekommen. Bild: UNHCR/Michele Sibiloni

Eine Rolle könnte auch die Spekulation mit Lebensmitteln spielen, das aber ist umstritten

Die Hungersnot ist wieder da, diesmal in Ostafrika. Zehntausende Menschen fliehen deshalb inzwischen aus dem Südsudan nach Norden in den Sudan. Das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR rechnet mit weiteren Flüchtlingen.

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Damit erreicht die Staatsgründung Südsudan einen weiteren Tiefpunkt: Erst 2011 unabhängig geworden, hat sich der Traum von nationaler Unabhängigkeit in einen Alptraum verwandelt. In dem Land tobt ein Bürgerkrieg. Seit 2013 bekriegen sich Präsident Salva Kiir und sein ehemaligen Stellvertreter Riek Machar.

Die Welternährungsorganisation FAO, das Welternährungsprogramm WFP und die Kinderhilfsorganisation UNICEF haben inzwischen offiziell eine Hungersnot ausgerufen. Jeremy Hopkins, UNICEF-Vertreter im Südsudan, schätzt, dass mehr als eine Million Kinder mangelernährt ist. 100.000 Menschen litten an Hunger, eine weitere Million Menschen stünde an der Schwelle zur Hungersnot:

Die offizielle Hungersnot-Erklärung bedeutet, dass bereits Menschen an Hunger sterben. Die Lage ist die schlimmste Hungerkatastrophe seit Ausbruch der Kämpfe vor mehr als drei Jahren.

FAO

Ursache seien der Bürgerkrieg und die schlechte wirtschaftliche Lage. Mehr als 40 Prozent der südsudanischen Bevölkerung, ca. 5 Millionen Menschen, bräuchten aktuell Nahrungsmittelhilfe. "Die Menschen sind hauptsächlich Bauern und der Krieg hat die Landwirtschaft zerstört", so der FAO-Vertreter im Südsudan, Serge Tissot. "Sie haben ihr Vieh verloren, manchmal sogar ihre landwirtschaftliches Gerät." Durch den Krieg seien Landwirtschaft und Viehzucht zusammengebrochen.

Spenden für die Hungernden im Südsudan:

Welthungerhilfe

Unicef

Ärzte ohne Grenzen

Aktion Deutschland hilft

"Die Hungersnot ist menschengemacht", sagte auch WFP-Länderdirektor Joyce Luma. Das Welternährungsprogramm habe zwar allein im Jahr 2016 im Südsudan 4 Millionen Menschen mit Nahrungshilfen versorgt, darunter mit Geldzahlungen im Wert von 13,8 Millionen Dollar und mehr als 265.000 Tonnen Nahrung. Aber wenn Frieden und Sicherheit fehlten, seien auch die Möglichkeiten von Hilfsorganisationen begrenzt.

Dass der Hunger im Südsudan vermeidbar wäre, sieht man, wenn man sich vergegenwärtigt, dass der Nil durch das Land fließt. Es wäre also prinzipiell ein Leichtes, entsprechende Bewässerung zu organisieren, damit die Bevölkerung Landwirtschaft betreiben und sich selbst versorgen kann. Zumal der Weiße Nil ausgerechnet durch den Bundesstaat Unity fließt - also genau durch jene Region, in der die Hungersnot herrscht.

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Bürgerkriege wie im Südsudan führen in Ostafrika immer wieder zu Hungerkrisen. Schaut man sich die Geschichte der Hungernöte an, fällt auf, dass in den vergangenen Jahrzehnten fast ausschließlich Ostafrika betroffen war. Zuletzt wütete 2011 eine Hungerkatastrophe in Somalia, Kenia und Äthiopien. Und auch jetzt sind wieder der Nordosten von Kenia und Somalia bedroht. "Dürre und der Konflikt mit den radikal-religiösen islamischen Al-Shabaab-Milizen führen zu Landflucht und verhindern den Zugang zu Wasser und Lebensmitteln", so die Hilfsorganisation medico international. "Eine erneute Hungersnot scheint nur eine Frage der Zeit."

Auch die Kinderhilfsorganisation "Save the Children" warnt vor einer Katastrophe in Somalia und Somaliland. "Es ist die ste Dürre, die ich seit Jahrzehnten erlebt habe. Die Landschaft ist mit Tierkadavern übersät", so Hassan Noor Saadi, Länderdirektor von Save the Children in Somalia. "An einigen Orten sehen wir inzwischen auch tote Kamele - normalerweise ein düsteres Vorzeichen, dass auch Menschen sterben werden." Im Schnitt mehr als 100 Menschen pro Tag würden über die Grenze nach Äthiopien ins Flüchtlingslager Dollo Ado fliehen.

Flüchtende aus dem Südsudan. Bild: Screenshot aus dem UNHCR-Video

Papst Franziskus plant jetzt eine Reise in den Südsudan, zusammen mit dem Oberhaupt der Anglikanischen Kirche. Es werde gerade geprüft, ob eine Reise möglich sei, sagte er am Sonntag in Rom. Das katholische Kirchenoberhaupt will damit die Aufmerksamkeit auf das Land lenken. Aus Sicherheitsgründen wird der Besuch aber wohl nicht mal einen Tag dauern, sagte Franziskus.

Gegenwärtig gibt es auch noch andere afrikanische Länder, die von Hunger bedroht sind: Nigeria, Niger, Kamerun und Tschad. Auch hier ist es ein Krieg, der die Versorgung gefährdet: Die islamistische Gruppe Boko Haram kämpft dort für einen Gottesstaat. Eine internationale Geberkonferenz hat deswegen vergangene Woche in Oslo den betroffenen Ländern 634 Millionen Euro zugesagt.

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