Krim: Probleme auf der jetzt russischen Halbinsel

Die Küsste von Jalta ist sehr dicht bebaut. Bild: U. Heyden

Ein russischer Experte, wohnhaft auf der Krim, bemängelt die anhaltende Korruption und ein fehlendes Modernisierungskonzept für die Halbinsel

Die Euphorie über die Vereinigung der Krim mit Russland ist verflogen. Der Alltag auf der Halbinsel ist wieder eingekehrt. Vieles hat sich auf der Insel schon verbessert. Die Löhne der Staatsangestellten sind deutlich gestiegen. Die medizinische Versorgung ist besser geworden. Doch vieles bleibt zu tun, meint der Leiter des "Institut Strategie Krim", Eduard Blochin, dessen kritische Bestandsaufnahme vergangene Woche vom Moskauer Massenblatt Moskowski Komsomolez veröffentlicht wurde. Der Experte lebt selbst auf der Krim.

Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts WZIOM vom März 2017 sind 74 Prozent der Krim-Einwohner der Meinung, dass die Integration der Halbinsel in die Russische Föderation insgesamt erfolgreich verlaufen sei. Die befragten Bürger hätten bei der Umfrage aber auch eine große Zahl von Problemen genannt, die noch gelöst oder die neu entstanden sind, schreibt der Autor.

Unzufrieden sind die Bürger auf der Krim mit dem niedrigen Tempo beim Straßenbau (25 Prozent der Befragten), den hohen Preisen (23 Prozent), dem Abbau von Arbeitsplätzen (13 Prozent) und stagnierenden Löhnen (zwölf Prozent). Problematisch sei die Situation der Rentner. Bei Renten von 170 Euro sei es schwer zu leben, schreibt Blochin. Denn die Preise auf der Krim näherten sich "Moskauer Niveau".

Das Schwalbennest, gebaut für einen deutschen Ölbaron. Bild: u. Heyden

Dreiviertel der Bewohner haben Erfahrung mit Schmiergeld-Forderungen

Der Leiter des "Instituts Strategie Krim" weist auch auf die anhaltende Korruption hin. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts FOM beurteilen 25 Prozent der Krim-Einwohner die Korruption in der Region als hoch und 37 Prozent als mittelmäßig. Der Autor des Artikels zitiert den Direktor der Abteilung für öffentliche Sicherheit von Sewastopol, Juri Schernstnew. Nach dessen Berechnungen sind 75 Prozent der Bürger mit Schmiergeldforderungen von Beamten konfrontiert.

Ein großes Problem auf der Krim sind die Gebäude, welche während der Zeit der Ukraine ohne behördliche Genehmigung gebaut wurden. Blochin schreibt, die städtischen Behörden würden den Abriss dieser Gebäude manchmal sabotieren. Beamte würden behaupten, dass sie die Eigentümer der illegal gebauten Gebäude "nicht kennen". Der Neubau von Hotels komme nur sehr langsam voran. Obwohl die Regierung der Krim immer wieder verspreche, dass neue Hotels gebaut werden, seien 2016 nur elf neue Hotels mit insgesamt 618 Zimmern gebaut worden. Das sei bei jährlich sechs Millionen Touristen einfach zu wenig.

Nach der ersten Euphorie über die Eingliederung der Krim in die Russische Föderation war der Ansturm der russischen Touristen auf die Halbinsel groß. Doch nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax ist der Touristenstrom im Januar/Februar 2017 um 25 Prozent zurückgegangen. In diesem Jahr sei insgesamt ein Rückgang zu erwarten, da es jetzt nach einer längeren Pause wieder Charterflüge von Russland in die Türkei gibt.

Spitze des Berges Ai Petri. Bagger reißen illegal gebaute Souvenier- und Schaschlikbuden ab. Bild: U. Heyden

Probleme mit dem Müll

Zu den Problemen, die Blochin aufzählt, gehören auch die 28 großen und 300 kleinen Müllplätze mit insgesamt 30 Millionen Tonnen Hausmüll. Die Müllmenge nehme jedes Jahr um eine Million Tonnen zu.

Die Bürger seien jedoch nicht untätig, schreibt der Autor des Artikels. In Sewastopol demonstrierten am 27. Mai 3.000 Menschen gegen den neuen Generalplan der Stadt. Es fehle bisher eine Vorstellung, wie man auf der Halbinsel mit ihrer einzigartigen Landschaft und dem besonderen KIima "Elemente einer postindustriellen Gesellschaft", etwa "ein russisches Silicon Valley", aufbauen kann. Der Experte schlägt auch den Aufbau einer russischen Pharmaindustrie sowie die Nutzung alternativer Energiequellen vor.

Um die Krim wirtschaftlich voranzubringen, sollten Touristen aus etwa 50 Ländern die Halbinsel visafrei besuchen können. Auch müsse die Krim ihr Potential als "Offshore-Territorium" stärker nutzen. Russische Banken und Versicherungsgesellschaften müssten trotz der juristischen Schwierigkeiten endlich Tochter-Gesellschaften oder Filialen auf der Krim eröffnen. Bisher ist auf der Krim keine der großen russischen Banken vertreten. Die Banken auf der Insel sind alle in der Hand örtlicher Eigentümer.

Blochin schlägt außerdem vor, den Leiter der Republik Krim direkt von der Bevölkerung wählen zu lassen. Die ersten Wahlen könnten im September 2018 - parallel zu den Kommunalwahlen in ganz Russland - stattfinden. Eine Reaktion der Regierung der Krim auf die Vorschläge von Blochin ist bisher nicht bekannt.

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