Kristina Köhler, die künftige twitternde Ministerin

Die neue Familienministerin beweist in ihren Tweets, dass 140 Zeichen mehr als genug sind für politische Inhalte

"Habe gerade eine Rede im Plenum zum Thema behördliche Übermittlungspflichten bei illegalen Migranten gehalten." Ist das nicht viel besser, als die ganze Rede von Frau Dr. Kristina Köhler, die sich selbst Fachpolitikerin für Islam, Integration und Extremismus nennt, zur Kenntnis nehmen zu müssen?

Muss die Ministerin uns aber auch noch "Jetzt schnell zum Hauptbahnhof, um den letzten Zug zurück nach Berlin zu bekommen" wissen lassen? Oder dass sie gerade gespannt im Kino sitzt, "Die Anwälte" gucken über Otto Schily, Hans-Christian Ströbele und Horst Mahler. Und wie interessant das war, weil sie doch Ströbele und Schily schon kennenlernen durfte. Wollen wir wirklich über ihre Unpässlichkeiten unterwegs informiert werden: "Um 7 Uhr in Frankfurt gelandet, jetzt ist mein Koffer weg. Ob das wohl noch ein guter Tag werden kann?"

Kristina Köhler. Bild: Kristina Köhler Das Bild "Kristina Köhler CDU.jpeg" und steht unter der "Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen“-Lizenz 2.0“. Die Quelle des Bildes ist das Bundestagsbüro Kristina Köhler.

"Bin zum 70. Geburtstag unseres CDU-Kreisvorsitzenden Horst Klee im Hessischen Landtag. - "Bin beim 125jährigen Jubiläum der Schreinerinnung Wiesbaden. Halte dort die Festansprache." - "Ich fand die Rede von Heinz Riesenhuber ganz groß!" - "Stürmischer Beifall für Merkels Rede." - "Bin beim Bundesausschuss, Merkel hat gerade begrüßt, jetzt Pofalla." - "Die Gerüchte, wer was wird, werden immer wilder. Es wird Zeit für Tatsachen :-)" - "Gerade in Berlin angekommen. Es regnet, wie in Wiesbaden."

So hubert und köhlert das Tweet um Tweet vor sich hin und bringt es mit 1124 Tweets auf über 2400 Follower. Bis sie zur Frau Ministerin ausgerufen wurde im Zuge einer Ämter-Rochade, weil gerade ihr hessischer Landsmann Franz-Josef Jung als Minister untragbar wurde. Voraussichtlich am 30. November 2009 wird sie zur Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ernannt werden.

In einem twinterview im April 2009 bekannte sie sich in einer Folge von Tweets zu Politik als ihrem "größten Hobby" und freute sich über die "große Chance, mein Hobby zum Beruf zu machen". Mit "Es sind eindeutig Wertentscheidungen, die mich an die CDU binden: Freiheit, Verantwortung, Sicherheit, Gerechtigkeit" packte sie das dazugehörige Parteiprogramm in 140 Zeichen. Zum Thema Vorratsdatenspeicherung wollte sie sich erst recht keine großen Gedanken machen und schaffte das sogar mit deutlich weniger Zeichen: "Also, meine Freiheit schränkt Vorratsdatenspeicherung nicht ein."

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