Künftige Mompreneurs

Ebay-Verkäufer handeln nicht nur, um Geld zu verdienen

Internet-Auktionen sind der Renner. Jede Menge Deutsche kaufen und verkaufen vor allem bei Ebay. Mit ihren Motiven setzt sich jetzt eine neue Studie auseinander und stellt fest, dass die meisten dabei mehrere Beweggründe haben. Natürlich geht es auch darum, ein paar Euros zu machen, aber hauptsächlich wollen die Amateur-Verkäufer einige Sachen loswerden, die bei ihnen daheim nicht mehr gebraucht wurden. Nur ganze fünf Prozent agieren aus reiner Erwerbsorientierung.

Das Einkaufen und das Verkaufen in Online-Auktionshäusern ist inzwischen ein echtes Massenphänomen. Ebay hat allein weltweit schon 200 Millionen Mitglieder. In Deutschland sind es nach Angaben des beliebtesten Marktplatzes im Internet mehr als 20 Millionen.

Seit sieben Jahren handeln die Deutschen bei Ebay und erst kürzlich gab das Unternehmen zum ersten Mal Umsatzzahlen (die sich aus den Gebühren der Verkäufer ergeben) bekannt. Im vergangenen Jahr belief sich der Umsatz hierzulande auf 540 Millionen Euro. Es wurden Waren und Dienstleistungen im Wert von 6,8 Milliarden Euro online gehandelt (Ebay Deutschland setzte 2005 mehr als eine halbe Milliarde Euro um).

„Ebay Live!“ in Las Vegas (Bild: Ebay)

Bislang hat sich die Wissenschaft vor allem für die Käufer interessiert und Studien zu Nachfrage- und Bieteranfragen erstellt. Heike Dennig und Michael-Burkhard Piorkowsky von der Haushalts- und Konsumökonomik an der Universität Bonn befassten sich nun mit den Anbietern und Verkäufern (Kurzfassung "Verbraucher als Verkäufer" - Privathaushalte als Anbieter von Waren im Internet, insbesondere auf der Internetplattform ebay). Michael-Burkhard Piorkowsky erläutert den Forschungsansatz:

Haushalte werden noch viel zu sehr als rein passive Konsumenten gesehen; sie sind aber in wirtschaftlichen Belangen viel aktiver, als in der Fachwelt bislang angenommen wird. Unsere Annahme: Second-Hand-Läden und Flohmärkte gab's schon immer, durch Ebay gewinnt der Trend „vom Verbraucher zum Verkäufer“ aber eine ganz andere Dimension. Wir wollten herausfinden, wie häufig Menschen wie du und ich Online-Marktplätze wie Ebay als Verkäufer nutzen und aus welchen Gründen.

Tatsächlich lassen sich die meisten Händler nicht klar einer Motivkategorie zuordnen. Der größte Teil, das sind fast 50 Prozent, handeln aus einem unentwirrbaren Motivmix ohne klare Priorität, d.h. sie kreuzten auf dem Fragebogen der Forscher bei mehreren Motivvorschlägen „trifft voll zu“ an.

Vernunftgründe

41 Prozent verkaufen auf Ebay Dinge vor allem deshalb, weil sie bei ihnen zu Hause nicht mehr oder nie genutzt wurden und nur als Staubfänger herumstanden – also aus Vernunftmotiven. Ganze vier Prozent betreiben ihren Handel hauptsächlich aus Spaßgründen und weitere fünf Prozent handeln vor allem erwerbsorientiert. Letztere sind diejenigen, die auch auf Offline-Marktplätzen wie Flohmärkten oder Second-Hand-Läden ihre Geschäfte machen. Sie erwirtschaften die höchsten Umsätze mit ihren Ebay-Verkäufen (über 600 Euro Umsatz im Jahr), während die anderen meisten unter dieser Grenze bleiben.

Die so genannten Erwerbsorientierten nutzen die Internet-Auktionen am häufigsten, sind aber mit Ebay nicht sehr zufrieden. Sie bemängeln vor allem, zunehmend verkomme es zur Billigplattform, auf der vor allem Schrott und Fälschungen verkauft würden. Heike Dennig ergänzt: "Diese Gruppe beschafft gezielt Waren für den Verkauf, meist Raritäten oder Sammlerstücke."

Die Vernunftverkäufer sind dagegen mit dem Online-Marktplatz durchaus zufrieden, obwohl sie die hohen Gebühren kritisieren. Sie handeln am häufigsten mit Elektroartikeln oder Büchern und nur jeder Zehnte von ihnen setzt jährlich mehr als 600 Euro mit seinen Kleingeschäften um.

Die Forscher befragten mit Fragebögen mehr als 170 Personen, die im Erhebungszeitraum von Januar bis Oktober 2005 auf Ebay als Verkäufer aktiv geworden waren. Die befragte Gruppe entsprach in etwa der repräsentativen Studie des Statistischen Bundesamtes zur Informationstechnologie in Haushalten, aber die Wissenschaftler sehen ihre Arbeit als Pilotstudie und beanspruchen keine statistische Repräsentativität.

Dennoch zeichnet sich ab, dass die meisten Ebay-Händler, die durchaus auch bei anderen Internet-Aktionshäusern wie Ricardo, Beste Auktion oder Atrada ihre Waren verkaufen, aus mehreren Motiven ihre Geschäfte betreiben und nicht in erster Linie, um ein Zusatzeinkommen zu erzielen. Die Wissenschaftler der Uni Bonn sehen trotzdem einen Trend zu fließenden Übergänge zwischen gelegentlichem Verkauf, regelmäßiger kommerzieller Aktivität und dem Start in eine kleinbetriebliche Selbstständigkeit. „In den USA hat man sogar schon einen Fachbegriff für diesen neuen Typus oft weiblicher Kleinstunternehmer gefunden: den ‚Mompreneur’ – ein Kunstwort aus ‚Mother’ (Mutter) und ‚Entrepreneur’ (Unternehmer)“, erklärt Heike Dennig. (Andrea Naica-Loebell)

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