Kurz vor MH17-Jahrestag inhaftiert der ukrainische Geheimdienst SBU einen angeblichen GRU-Agenten

Andrei Nikolayevich soll für den russischen Geheimdienst GRU den Geheimdienst der "Volksrepublik Donezk" aufgebaut und ein Agentennetzwerk geleitet haben.

Der Ukrainer soll im Auftrag des russischen Geheimdienstes "freiberuflich" den Geheimdienst der "Volksrepublik Donezk" aufgebaut und gesteuert haben, der wiederum "direkt" am Abschuss von MH17 beteiligt gewesen sein soll

Der ukrainische Geheimdienst SBU hat den ukrainischen Staatsbürger K. in Kiew festgenommen, der angeblich "freiberuflich" für den russischen Geheimdienstes GRU gearbeitet haben soll. Interessant ist, dass Andrei Nikolayevich K., so soll er heißen, ab 2014 mitgeholfen haben soll, den Geheimdienst der "Volksrepublik Donezk" (DNR) aufzubauen und zu steuern. Dabei soll er auch in Kontakt mit zwei der wegen des MH17-Abschusses in Den Haag Angeklagten gestanden sein.

Für den SBU soll K. für GRU einer der Betreuer der "Volksrepublik Donezk" gewesen sein und insbesondere deren Geheimdienst mit aufgebaut haben. Wie er sich in Kiew erwischen ließ und was er dort machte, teilt der ukrainische Geheimdienst nicht mit, dem wie den Geheimdiensten anderer Ländern kaum Vertrauen entgegengebracht werden kann. So wird daran gezweifelt, ob die Telefonmitschnitte, auf die das JIT die Anklage stützt, authentisch sind. Das Gericht hat nun angeordnet, dies von einem Experten prüfen zu lassen.

Zuletzt hatte ein SBU-Kommando mit Wladimir Zemach2019 einen angeblichen Zeugen für den MH17-Prozess aus der "Volksrepublik" gewaltsam verschleppt, dem für eine entsprechende Aussage Angebote gemacht worden sein sollen. Er kam aber durch einen russisch-ukrainischen Gefangenenaustausch wieder frei, was die niederländische Staatsanwaltschaft allerdings vergeblich verhindern wollte, indem sie ihn schnell zu einem möglichen Mittäter machte.

Eine Großtat des SBU war 2018 die inszenierte Ermordung des Journalisten Arkady Babchenko, angeblich um ein Mordkomplott zu verhindern, Alles in allem eine wilde Geheimdienstgeschichte, bei der nicht nur der Generalstaatsanwalt und der damalige Präsident Poroschenko mitspielte, sondern auch der Rechte Sektor.

Der SBU will einen neuen Zeugen oder Angeklagten für den MH17-Prozess

Jetzt sagt der SBU kurz vor dem Jahrestag des Abschusses von MH17, er sei im Besitz von abgehörten Telefongesprächen, in denen K. über Reibereien zwischen den russischen Geheimdiensten GRU und FSB über die Kontrolle der DNR-Separatistenführer gesprochen habe. Die Telefongespräche stellte der SBU online. Es seien die Namen des FSB-Direktors und etwa der früheren Separatistenführen Alexander Borodai oder Alexander Sachartschenko gefallen.

Und dann wird hervorgehoben, dass ein Teil der abgehörten Gespräche mit Sergej Dubinsky (Khmuryi), der GRU-Offizier gewesen war und dann DNR-Geheimdienstchef geworden sein soll, und mit dem Ukrainer Leonid Kharchenko (Krot), der ebenfalls für den DNR-Geheimdienst gearbeitet haben soll. Beide gehören zu den Angeklagten im MH17-Prozess. Sie sollen in der Kommandokette dafür verantwortlich gewesen sein, das Buk-System aus Russland in die DNR und wieder zurückzubringen.

Es sei bestätigt, so die Generalstaatsanwaltschaft, ohne dafür einen Hinweis zu geben, dass Führung und Mitarbeiter des DNR-Geheimdienstes direkt am Abschuss von MH17 beteiligt gewesen seien. K. ist ein Ukrainer und soll wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung, also dem Aufbau des DNR-Geheimdienstes, angeklagt werden, wie das auch schon der Fall bei Zemach war. Nach der Generalstaatsanwaltschaft hat der Festgenommene ein Agentennetzwerk betreut. Aufgrund seiner Anweisungen seien einige Terroranschläge und Sabotageakte ausgeführt worden.

Vermutlich wird es wieder darum gehen, ihn dazu zu bringen, unter hoher Strafandrohung Aussagen über die Angeklagten zu machen. Möglicherweise könnte er auch, wenn es Beweismittel dafür gebe, selbst der Mittäterschaft angeklagt werden, sollte er nicht mitspielen. Auch er darf nicht in die Niederlande ausgeliefert werden, könnte aber über eine Video-Schaltung verhört werden.

Der DNR-Abgeordnete Vladislav Berdichevsky sagte der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti, dass die Festnahme eine Inszenierung des Geheimdienstes sei, der gerne falsche Informationen generiert. Es seien schon öfter Menschen unter weit hergeholten Anklagen verhaftet worden, um sie dann austauschen zu können. Das sei wahrscheinlich auch hier der Fall. Zudem sei auffällig, dass die Festnahme kurz vor dem Jahrestag des Abschusses von MH17 erfolgte: "Die Inszenierung der Aktion ist offensichtlich. Das ist absolut typisch für die heutige Ukraine und sollte nicht ernst genommen werden." Über den Festgenommenen berichtet Ria Nowosti nichts. (Florian Rötzer)