LBS - Wenn Verträge nichts mehr zählen

Ein Kommentar von Matthias Weik und Marc Friedrich

Mit immer größeren Schritten kommen die Folgen der irrsinnigen Politik der Notenbanken auf uns zu. Tagtäglich werden wir Sparer auf Grund dieser Politik schleichend enteignet. Doch auch den Banken, Versicherungen und Bausparkassen macht die Niedrigzinsphase erheblich zu schaffen. Die Lebensversicherungen senken kontinuierlich ihre Garantieverzinsungen, Bausparen lohnt sich ebenfalls nicht mehr - und die ersten Negativzinsen für Spareinlagen wurden neuerdings erstmals in Deutschland implementiert. Wir sind sicher, dass diese in nicht allzu langer Zeit Usus sein werden.

Des Weiteren können wir uns auf saftige Gebührenerhöhungen gefasst machen. Nach Angaben der der Bundesbank schneiden deutsche Banken im europäischen Vergleich äußerst schlecht ab. Somit ist es keine Überraschung, dass die Eigenkapitalrendite mit 1,26 Prozent im Jahr 2013 sogar unter dem europäischen Durchschnitt lag.

Dr. Andreas Dombret, Vorstand, der Deutschen Bundesbank, will deshalb aber nicht die teilweise exorbitanten Gehälter und Boni drosseln. Stattdessen hat er andere Ideen, die er im November dieses Jahres der interessierten Zuhörerschaft bei seinem Vortrag beim Anglo-German Club unterbreitete. Neben Schließungen von Filialen - Herr Dombret nennt es durch Straffungen Kosten einsparen - sowie Fusionen hat er folgenden genialen Vorschlag: die Steigerung der Provisionserträge. Spätestens jetzt sollten alle Anleger hellwach sein.

Wenn man dann auch noch Frau Elke König, Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), auf der Handelsblatt-Tagung im November diesen Jahres genau zugehört hat, sollte uns allen bewusst sein. was die Stunde geschlagen hat: Sie regte nicht nur an, Kunden stärker für Dienstleistungen der Banken zahlen zu lassen, sondern sagte auch noch: "Ein Naturrecht auf ein kostenloses Girokonto gibt es nicht überall. Das scheint nur in Deutschland ein Thema zu sein". Spätestens jetzt sollte einem Jeden klar sein, was die Stunde geschlagen hat - es wird teuer.

Foto: LBS.

In diesem äußerst sparerunfreundlichen Umfeld sonnen sich all diejenigen, welche noch alte Lebensversicherungen und Bausparverträge mit einer attraktiven Verzinsung haben. Doch jetzt ist es offensichtlich vorbei mit der schönen Rendite, denn der ersten Bausparkasse wird die von den Notenbanken verordnete Niedrigzinsphase langsam zu heiß und teuer. Denn nun hat nicht eine kleine unbedeutende Bank oder ein internationaler Finanzkonzern, sondern die Bausparkasse LBS Bayern mit Wirkung zum Mai 2015 sage und schreibe 26.000 für Sparer attraktive Bausparverträge aus den guten alten Zeiten gekündigt.

Betroffen sind Verträge, die seit mehr als zehn Jahren zuteilungsreif sind. Dies bedeutet: die Bausparer haben die erforderliche Summe mittlerweile angespart, aber kein Darlehen in Anspruch genommen. Die LBS bietet den Bausparern in den Kündigungen an, entweder das Guthaben zu überweisen oder in neuen Bausparverträgen zu lächerlichen Konditionen anzulegen, denn aktuell liegt die Verzinsung für Bausparguthaben nur noch bei 0,25 Prozent.

Sollte der Kunde auf die oben besagte Kündigung nicht reagieren wird das Geld laut Angaben des LBS-Sprechers auf ein zinsloses Zwischenkonto gelegt. Bislang hatte die Bausparkasse bereits alte Verträge gekündigt, bei denen die Bausparsumme überschritten worden war - ohne große öffentliche Empörung darüber. Jetzt kommt die nächste Eskalationsstufe.

In Anbetracht dieser Vorkommnisse stellen sich uns folgende Fragen: Sind Verträge in Deutschland nicht mehr das Papier wert, auf dem sie geschrieben sind? Warum können Finanzdienstleister Verträge, welche für Sie nicht mehr profitabel sind, auf Kosten der Anleger kündigen? Warum ist der Sparer abermals der Dumme, während die Finanzindustrie ein weiteres Mal auf Kosten der Sparer den Kopf aus der Schlinge zieht? Wo soll das hinführen, wenn Verträge nicht mehr bindend sind?

Doch jetzt ist an der Zeit umzudenken und den Spieß umzudrehen - denn unserer Ansicht nach leben wir in einer Demokratie und da heißt es: gleiches Recht für alle. Dies bedeutet, dass auch alle von der Niedrigzinsphase profitieren sollen. Somit ist es lediglich im Sinne der Gerechtigkeit, wenn jetzt alle Kreditnehmer ihre Kredite mit einem viel zu hohem Zinssatz kündigen und einen neuen Kredit mit einem wesentlich niedrigeren Zinssatz abschließen. Vielleicht wird ja der Anfang bei den Sparkassen in Bayern gemacht - denn diese sind immerhin Träger LBS Bayern.

Die beiden Ökonomen, Querdenker und Honorarberater Matthias Weik und Marc Friedrich schrieben 2012 zusammen den Bestseller Der größte Raubzug der Geschichte - warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden. Es war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2013. Seit April 2014 gibt es eine aktualisierte und überarbeitete Taschenbuchausgabe. Mit ihrem zweiten Buch, Der Crash ist die Lösung - Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten, haben sie es bis auf Rang 2 der Spiegel-Bestsellerliste geschafft sowie auf Rang 1 im Manager Magazin und Handelsblatt. In ihm prognostizierten sie u.a. die EZB-Leitzinssenkung und Minuszinsen für die Banken, die Absenkung des Garantiezinses bei den Lebensversicherungen sowie den Ausgang der EU-Wahl. Außerdem stellen sie darin einen heftigen Börsencrash in Aussicht. Am 14. November 2014 ist das Hörbuch zu Der Crash ist die Lösung erschienen. Weitere Informationen über die Autoren finden Sie unter: www.friedrich-weik.de

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