LED-Taschenlampen als nichttödliche Waffen

Das US-Heimatschutzministerium hat die Entwicklung von Lichtwaffen in Auftrag gegeben, die blenden und Schwindel verursachen können

Das US-Heimatschutzministerium wünscht sich eine neue nichttödliche Waffe. Für eine Million US-Dollar fördert es die Entwicklung einer Art Taschenlampe, mit der Menschen vorübergehend nicht nur geblendet, sondern auch desorientiert und handlungsunfähig gemacht werden können. Mit dem Gerät will man Personen in Flugzeugen oder an den Grenzen überwältigen können, ohne zu traditionellen Waffen greifen zu müssen. Ganz so harmlos scheinen LED-Waffen, die vielfarbige und ultrahelle Lichtblitze aussenden, aber doch nicht zu sein.

Die Firma Intelligent Optical Systems soll die neuen nichttödlichen Waffen für das Heimatschutzministerium bis 2010 entwickeln. Mit einem Entfernungsmesser sollen die überwältigenden "Taschenlampen" zunächst die Entfernung zu den Augen messen und so die Energie einstellen, die ausreicht, um die gewünschte Wirkung zu erzielen, ohne bleibende Schäden zu verursachen. Die dann abgegebenen stroboskopischen Blitze blenden die angezielten Personen und verursachen durch einen bestimmten Wechsel von Farbe und Dauer "psychophysikalische" Wirkungen, also beispielsweise Schindel, der einige Minuten anhalten kann.

Wie das alles funktioniert, ist zwar noch nicht bekannt, aber es soll wirken – auch auf Menschenmengen, wie man hofft. Allerdings kann es dies nur, wenn die angegriffenen Menschen die Augen offen haben. Schauen sie weg, schließen sie die Augen oder tragen sie entsprechende Sonnenbrillen, spüren sie auch nichts. Daher könnten diese Taschenlampen auch nicht dazu dienen, einen Flüchtigen zu stellen. Und am Tag sind sie auch wenig wirksam. Man muss also darauf hoffen, dass die Menschen, die man damit beeinflussen will, von etwas abgelenkt werden, beispielsweise vom Zielen mit einer Waffe oder vom Bedienen eines Handys, wodurch sie gestört und überwältigt werden könnten.

Besonders überzeugend ist diese leicht auszutricksende Technik aber nicht. Man kann sich leicht auf sie einstellen oder sich gegen sie wappnen. Weil sie daher auch keine große Sicherheit für die Sicherheitskräfte gewährleistet, dürften diese Waffen anstelle von anderen auch kaum eingesetzt werden. Was man sich also wirklich davon beim Ministerium verspricht, ist schleierhaft. Optimistisch heißt es, dass Wissenschaftler der Pennsylvania State University die nichttödlichen Waffen am Institute of Nonlethal Defense Technology an Freiwilligen testen werden. Im Dezember könnte schon die Produktion beginnen und bis 2010 könnte der LED Incapacitator" dann in den Händen von "tausenden Polizisten, Grenzschützern oder Nationalgardisten" sein.

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