LNG-Terminals: Deutschland sucht händeringend Gaslieferanten

Bild: User:Wmeinhart - Wolfgang Meinhart, Hamburg, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Mit dem Ausbau der LNG-Terminals in Deutschland soll es nun schnell gehen. Doch das Entscheidende fehlt: das verflüssigte Erdgas. Denn Lieferanten wollen nicht so wie die Bundesregierung.

Die Bundesregierung macht Tempo: Terminals für die Einfuhr von Flüssiggas (LNG) sollen schneller gebaut werden. Einen entsprechenden Gesetzentwurf hat das Kabinett am Dienstag verabschiedet. Nun müssen noch Bundestag und Bundesrat beraten und zustimmen.

Mit dem Gesetz soll der Bau schwimmender und fester LNG-Terminals sowie der Leitungen zum Gasnetz schneller vorangehen. Dazu sollen die Behörden bestimmte Schritte für eine Genehmigung auslassen können, besonders bei der Umweltverträglichkeitsprüfung.

Die Bundesregierung macht mit dem Vorhaben deutlich: Umweltschutz oder Belange der Bürger sind dem Ziel untergeordnet, so schnell wie möglich vom günstigen russischen Erdgas loszukommen, das per Pipeline geliefert wird.

"Mit dem LNG-Beschleunigungsgesetz schaffen wir die Rahmenbedingungen, um uns schnell von russischem Gas unabhängig zu machen", erklärte der energiepolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Michael Kruse, laut Deutscher Presse-Agentur (dpa).

Am Montag hatte Kruse schon die Stadt Hamburg via Twitter aufgefordert, auch schnell zum Standort für ein LNG-Terminal zu werden. Andernfalls könne es passieren, dass die Hansestadt bei der Gasversorgung über Jahrzehnte ins Hintertreffen gerate. Zumal schon Brunsbüttel und Wilhelmshaven als LNG-Standorte gesetzt seien.

Keine langen Verträge mit Katar gewollt

Was der Bundesregierung jetzt allerdings noch fehlt, sind die LNG-Lieferanten, welche die aus Russland importierte Gasmenge ersetzen könnten. Große Hoffnungen lagen auf dem Wüstenstaat Katar – doch vorerst wird wohl nichts daraus.

Denn Deutschland und Katar, so berichtete Reuters am Montag, sind sich immer noch nicht einig geworden. Das liege vor allem daran, dass die Bundesrepublik nicht die Bedingungen akzeptieren will, die Katar stellt. An dieser Stelle kommen sich zwei Ziele der Bundesregierung in die Quere: einmal die Klimaziele und dann das Ziel, so schnell wie möglich auf russische Energieimporte verzichten zu wollen.

Katar schließt in der Regel Verträge mit einer Laufzeit von mindestens 20 Jahren. Die Bundesregierung strebt dagegen nach wie vor danach, die CO2-Emissionen im Land bis 2040 um mindestens 88 Prozent senken zu wollen. Im Endeffekt hieße das einen stetig sinkenden Bedarf an Erdgas. Würde nun ein langfristiger Vertrag geschlossen, müsste wohl Deutschland das Gas auch dann bezahlen, wenn es nicht abgenommen würde.

Probleme mit den Zielklauseln

Ein anderes Problem ist, dass Katar darauf pocht, dass geliefertes Erdgas nicht von Deutschland weiterverkauft werden darf. Damit will das Emirat verhindern, dass Berlin Gas in andere Regionen von Europa umleitet.

Aber genau das hat Deutschland vor. In der letzten Woche hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) versprochen, den Binnenstaaten innerhalb der EU mit Gaslieferungen helfen zu wollen. Nach einem Treffen mit dem tschechischen Ministerpräsidenten Petr Fiala sagte Scholz: Deutschland müsse bereit sein, Ländern zu helfen, die keinen direkten Zugang zur Nord- oder Ostsee hätten und auf Zusammenarbeit angewiesen seien.

Ungewöhnlich ist es nicht, dass Lieferanten die Weitergabe von Erdgas verhindern wollen. Kürzlich hatte auch Algerien gedroht, Spanien den Gashahn zudrehen zu wollen, wenn Erdgas an Marokko weitergeleitet werde. Jede Weiterleitung von "nach Spanien geliefertem algerischem Erdgas, dessen Bestimmungsort ein anderer als der in den Verträgen vorgesehene ist, wird als Verletzung der vertraglichen Verpflichtungen angesehen", hatte Algeriens Energieminister Mohamed Arkab erklärt. Und dies könne zur Kündigung des Vertrags führen.

Solche "Zielklauseln" in den Verträgen stellen für die Europäische Union schon länger ein Problem dar, denn sie will sich auch zu einem vollständig integriertem EU-Energiemarkt entwickeln. Vor Jahren hatte das zum Streit mit dem russischen Energiekonzern Gazprom geführt, der die Klauseln dann aber fallenließ.

Laut Reuters ist es deshalb unwahrscheinlich, dass Katar bald LNG liefern wird.

Kanada will eigene Klimaziele einhalten

Ein anderes Land, auf dem große Hoffnungen liegen, ist Kanada. Doch auch hier mehren sich die Anzeichen, dass der deutsche oder europäische Gasbedarf nicht auf lange Sicht von dort zumindest teilweise gedeckt wird.

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau hat nämlich versprochen, Europa ein guter Energiepartner sein zu wollen, dabei aber im Kampf gegen den Klimawandel nie nachlassen zu wollen.

Bis zum Jahr 2030 will sein Land die Emission von Kohlendioxid um 40 bis 45 Prozent senken im Vergleich zum Niveau von 2005. Dieser Plan ist an sich schon ambitioniert; aber für die europäische Energiesicherheit kommt der Fakt hinzu, dass die Sektoren Öl und Gas in Kanada etwa 26 Prozent der Gesamtemissionen ausmachen.

Will Kanada seine Ziele erreichen, wird es Europa kaum längere Zeit mit Energie versorgen können.

Die USA liefern teures LNG

Dann bleibt noch die USA, die große Mengen LNG nach Europa schicken wollen. Schon jetzt werden etwa 20 Prozent der eigenen Produktion exportiert und es wird davon ausgegangen, dass sich die Menge noch nahezu verdoppeln könnte.

Das hat nicht nur seinen Preis für die Europäer, sondern auch für die US-Amerikaner selbst. So geht man laut Washington Post davon aus, dass sich die Gas-Rechnung der Verbraucher in den USA um 25 Prozent verteuern könnte. Gerade in der Industrie macht sich Unmut breit, weil die zunehmenden Exporte die Preise innerhalb der USA noch weiter antreiben könnten.

Doch auch im Export schlagen sich die hohen Preise nieder: Sie lagen am Heinrich Hub am 4. Mai bei 8,30 US-Dollar pro einer "Million British Thermale Units" (MMBtu). Am 28. April waren es nur 6,79 US-Dollar. In den Jahren zuvor war es nur ein Bruchteil davon. (Bernd Müller)