Labour-Partei: Unternehmen zu Gewinnauszahlungen an Angestellte verpflichten

Weihnachtsdeko in einem John Lewis-Kaufhaus. Bild: mattbuck/CC BY-SA 3.0

Großbritannien: Nach dem Scheitern der "Trickle-down"-Versprechen sollen Unternehmen mit mehr als 50 Angestellten künftig gesetzlich zu profit-sharing angehalten werden

In zwei Monaten wird in Großbritannien gewählt, das Rennen zwischen den regierenden, konservativen Torys und der sozialdemokratischen Labour-Partei ist knapp. Deren Vorsitzender Ed Miliband macht mit arbeitnehmer-freundlichen Zielsetzungen Wahlkampf: "Unsere Versprechen basieren auf der Überzeugung, dass Großbritannien nur dann Erfolg haben wird, wenn auch die arbeitende Bevölkerung Erfolg hat", lautet sein Kampagnen-Claim. Dazu präsentierte er nun eine Idee, die auf das Scheitern der neoliberalen Trickle-down-Theorie abhebt, dabei aber dessen Versprechen - Wohlstand für viele - mit einem anderen Ansatz verwirklichen will.

Die soziale Ungleichheit in Großbritannien macht seit vielen Jahren Schlagzeilen ("Nirgendwo in Europa derart zementiert"); internationale Vergleiche verweisen beinahe regelmäßig auf britische Spitzenwerte in entsprechenden Indizes (vgl. OECD: Ungleichheit ist Wachstumsbremse). Auch beim letztjährigen schottischen Unabhängigkeitsreferendum war die Londoner Politik, die Eliten begünstigt, ein Reiz-und Kernthema (In der britischen Regierung liegen die Nerven blank). Die Regierung Cameron hat keinen besonders guten Ruf, was den Status von Arbeitnehmern angeht; sie bestach, wie Kritiker hervorheben, vielmehr mit neuen Ideen zur Förderung von günstigen Voraussetzungen für die Bezahlung von möglichst niedrigen Löhnen (Nullstundenverträge für Erwerbslose: Wenig Zucker, viel Peitsche), bei möglichst geringen Verpflichtungen der Arbeitgeber.

In diese Bresche zielt Milibands Vorschlag. Da sich zeige, dass nach Einschätzungen der Labour-Partei nur ein Prozent vom Wirtschaftswachstum im Vereinigten Königreich profitieren, sei es Zeit, dem Ausbleiben der Trickle-Down-Versprechen nicht länger nach zu trauern, sondern die Unternehmer dazu zu verpflichten, ihren Gewinn anders als bisher zu teilen.

Nach Vorstellungen des Labour-Chefs soll künftig jedes Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten ein verpflichtendes profit-sharing scheme erarbeiten: An Angestellte und Arbeiter soll eine Summe ausbezahlt werden, die sich nach der finanziellen Lage ihres Arbeitgebers ausrichtet, wie der Guardian dazu berichtet der Guardian. Nach Informationen der Zeitung würde die amtliche Statistik 36.000 Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten ausweisen. Damit könnten insgesamt 12,9 Millionen Arbeitnehmer, knapp über die Hälfte (53 Prozent) aller angestellt Beschäftigten im UK von der Maßnahme profitieren.

Weihnachtsdeko in einem John Lewis-Kaufhaus. Bild: mattbuck/CC BY-SA 3.0

Zwar habe auch der Wahlkampfkonkurrent Premierminister Cameron die Unternehmer zu Lohnerhöhungen gedrängt, aber im Unterschied dazu würde Labour mit dem genannten Vorschlag sicherstellen, dass dies auch umgesetzt werde, zitiert der Guardian aus der Partei. Als Beispiel dafür, dass die Verpflichtung der Unternehmer zur Zahlungen von Boni an Angestellte, wenn die Arbeitgeber in der Gewinnzone sind, machbar ist, wird die Kaufhauskette John Lewis genannt.

Dort werden Mitspracherechte in der Firmenpolitik hervorgehoben und Boni an Angestellte ausbezahlt. 2014 bekamen 91.000 Angestellte einen Bonus in Höhe von 15 Prozent ihres Monatsgehalts. Im Jahr zuvor waren es noch 17 Prozent und in diesem Jahr fällt der Bonus laut aktuellen Nachrichten auf den seit 12 Jahren niedrigsten Wert von nur mehr 12 Prozent, erklärt wird dies mit einem Einbruch im Supermarktgeschäft.

In anderen Branchen soll es jedoch besser aussehen, ohne dass die Angestellten davon profitieren. Die finanziele Situation der britischen Unternehmen sei so gut und so solide wie seit vielen Jahren nicht, beobachtet man in der Labour-Partei, es sei an der Zeit, dass auch die Arbeitnehmer davon profitieren. Gerechtere Gewinnauschüttungen, so verspricht man sich in der Arbeitpartei, würden auch die Produktivität erhöhen. (Thomas Pany)

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