Länger leben ohne alte Zellen

Bild: George Shuklin/CC BY-SA 1.0

Die Lebensdauer von Mäusen erhöht sich um ein Viertel, wenn Forscher alternde Zellen aus deren Körper entfernen

Bei der Alterung verlieren Körperzellen zunehmend ihre Funktionsfähigkeit. Forscher fanden bei Mäusen einen Weg, Zellen im Endstadium dieses Prozesses selektiv zu entfernen. Altersbedingte Krankheiten wurden dadurch zurückgedrängt, und die mittlere Lebensdauer der Tiere stieg deutlich an. Nun soll dieser Ansatz auch beim Menschen verwirklicht werden.

Die Alterung beginnt bei einzelnen Körperzellen. Die Ursachen sind vielfältig, doch das Endstadium ist in der Regel gleich: Eine Zelle, die ihr Wachstum einstellt und Substanzen freisetzt, die das umliegende Gewebe schädigen. Viele Forscher glauben, dass dieser Zustand - Seneszenz genannt - dazu beiträgt, die Lebensdauer zu begrenzen. Doch eindeutig beweisen konnten sie das bislang nicht.

In Mäusen ist der Nachweis nun gelungen - ohne seneszente Zellen steigt deren Lebenserwartung um etwa 25 % an. Forscher um Jan van Deursen an der Mayo Klinik in Minnesota haben jahrelang Daten gesammelt, um diesen Befund zu untermauern. Nun sind sie sich ihrer Sache so sicher, dass sie den Ansatz auf den Menschen übertragen wollen.

Das Ziel ist dabei nicht, den Prozess der Alterung an sich zu stoppen. Denn die Seneszenz erfüllt auch die lebenswichtige Funktion einer Notbremse - sie stoppt Zellen, deren Wachstum außer Kontrolle zu geraten droht. Eingriffe in diesen Prozess haben schwer kalkulierbare Folgen, und so wählten die Forscher einen Weg mit geringerem Risiko: Sie wollen Zellen, die das Endstadium der Seneszenz erreicht haben, möglichst vollständig aus dem Körper entfernen.

Zumindest in Mäusen war dieser Ansatz erfolgreich. Dazu mussten die Forscher jedoch ein künstliches Gen in das Erbgut der Tiere einschleusen, das in den seneszenten Zellen ein "Suizidprogramm" etablierte. Um dieses Programm in Gang zu setzen, war noch ein Signal von außen notwendig: Ein an sich harmloser Wirkstoff, der die gealterten Zellen aber endgültig in den Tod trieb.

Der Wirkstoff wurde den gentechnisch veränderten Mäusen erstmals verabreicht, wenn sie das Alter von einem Jahr erreicht hatten - also etwa in der Lebensmitte der Tiere. Die Auswirkungen waren eindrucksvoll. Sechs Monate nach Versuchsbeginn verhielten sie die Tiere deutlich aktiver und neugieriger als ihre unbehandelten Artgenossen. Die Augen blieben länger von Eintrübungen verschont, die Nieren konnten ihre Filterfunktion besser erfüllen, und der Abbau von Muskelzellen im Herz war verzögert.

Und in dem Maße, wie die altersbedingten Krankheiten abnahmen, erhöhte sich auch die mittlere Lebensdauer: Das Alter, an dem die Hälfte der Tiere noch am Leben war, erhöhte sich um etwa 25 %.

Bemerkenswert war, dass oft nur wenige Zellen entfernt werden mussten, um das Leben der Mäuse zu verlängern. In den Nieren etwa war es nur eine von hundert Zellen, die das Endstadium der Seneszenz erreichte. Doch die gealterten Zellen schütten Enzyme und Botenstoffe aus, die chronische Entzündungen auslösen und die Bildung von Narbengewebe fördern - ein Nierenversagen ist letztlich die Folge. Selbst eine kleine Zahl von seneszenten Zellen kann also ein Gewebe nachhaltig schädigen.

Doch nicht in jedem Gewebe waren positive Effekte nachweisbar. Die Muskulatur verlor weiterhin ihre Leistungsfähigkeit, und auch bei der Gedächtnisleistung zeigte sich kaum eine Verbesserung. Das könnte darauf hindeuten, dass seneszente Zellen in Muskeln und Gehirn nur eine untergeordnete Rolle spielen. Aber vielleicht überlebten die seneszenten Zellen in diesen Geweben nur besser - wenn Forscher sie effizienter beseitigen könnten, würden vielleicht auch diese Organe profitieren.

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