Langeweile nimmt bei amerikanischen Jugendlichen zu

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Gleichzeitig verstärken sich die psychischen Probleme und verbringen Jugendliche mehr Zeit alleine

Wer in einer Zeit als Kind aufwuchs, als Fernsehen noch nicht weit verbreitet war und es sowieso nur ein Programm gab oder als das Telefon erst nach und nach in die Häuser eindrang, hat erlebt, dass man, wenn man von Zuhause weg war, in der Regel auch unerreichbar war, aber auch Zeiten einer zähen Langeweile. Das auch, wenn man mit Freunden abhing, aber man gerade miteinander nichts anfangen konnte.

Jetzt haben praktisch alle Menschen ein Smartphone bei sich, das immerzu Angebote macht oder Möglichkeiten bietet, Videos zu sehen, Musik zu hören, zu spielen, sich zu informieren, zu kommunizieren oder was auch immer. Man ist nie mehr allein, jede Pause kann angefüllt werden, So viel Langeweile wie früher sollte es nicht mehr geben, obgleich Langeweile im Jugendalter wohl immer dazugehört..

Wissenschaftler haben sich einmal die Bewertung von amerikanischen Jugendlichen der Aussage: "Mir ist oft langweilig" in der repräsentativen Umfrage "Monitoring the Future" mit über 100.000 Teilnehmern angeschaut. Die Acht-, Zehnt- und Zwölftklässler (13-14, 15-16, 17-18 Jahre) sollten ihre Antwort auf einer Skala mit 5 Werten angeben. 2008 wurde die Frage erstmals gestellt, die Wissenschaftler haben die Ergebnisse bis 2017 ausgewertet. Weiter zurück liegen keine Ergebnisse vor, damit beschränkt sich das Ergebnis auf die Zeit, in der soziale Netzwerke schon vorhanden waren, aber sich deren Nutzung weiter verbreitet hat.

Langeweile in der Gesellschaft des permanenten Spektakels

Die Jugendlichen scheinen, so die im Journal of Adolescent Health veröffentlichte Studie, von Jahr zu Jahr mehr gelangweilt zu sein, allerdings gab es um die Finanzkrise herum einen kleinen, aber nicht signifikanten Rückgang, ab 2010 wird es ihnen aber zunehmend langweiliger. Bei den Mädchen hat sich die Langeweile noch stärker ausgebreitet als bei den Jungen. Bei ihnen nimmt aber die Langweile über die Altersstufen hinweg ab, bei den Jungen sind die 15-16-Jährigen am meisten gelangweilt. Über die Jahre nimmt bei den Jungen die Langeweile um 1,6 Prozent jährlich zu, bei den Mädchen sind es 1,7 Prozent. Besonders stark ist die Zunahme bei den Mädchen in der zehnten Klasse mit jährlich 2 Prozent.

Es ist schwierig, die zunehmende Langweile bei den Schülern zu deuten. Wird es ihnen wirklich langweiliger, steigt die Erwartungshaltung an Zeiten, die nicht als langweilig empfunden werden, oder wird vielleicht nur der Druck höher, möglichst keine Langeweile zu haben, weil diese in der Aufmerksamkeits- und Mediengesellschaft immer verpönter wird und Spektakel erwartet werden? Schließlich sind Medienangebote von Filmen und Videos über Timelines bis hin zu Computerspielen eine "Montage der Attraktionen". So soll dann vielleicht auch das Leben nach den Vorbildern der Prominenten aussehen. Nach einer Umfrage unter deutschen Jugendlichen sehen sich jedenfalls viele gestresst durch die Benutzung digitaler Medien (Generation Tired).

Die Wissenschaftler neigen jedenfalls dazu, Langeweile nicht auch als Gelegenheit für Kreativität und Muße oder als Abkehr von medialer Daueraktivität zu sehen, sondern sie auch zu verpönen und zu stigmatisieren. Sie sehen das Anwachsen der Langeweile verbunden mit der Zunahme psychischer Probleme, wodurch - eine nette Formulierung - "das überwiegende psychosoziale Profil der US-Jugendlichen weniger optimal wird".

Elizabeth Weybright, eine der Autorinnen bringt die gestiegene Langeweile mit der Suche nach Sensationen und Depressionen zusammen. Beides nehme bei Jugendlichen ebenso zu wie die Nutzung digitaler Medien. Zwischen 2006 und 2012 habe sich die Nutzungszeit bei den 17-18-Jährigen verdoppelt. Zur selben Zeit wurde beobachtet, dass Jugendliche weniger mit Freunden ausgehen und mehr Zeit alleine verbringen: "Vielleicht ist Langeweile nur ein Indikator mehr für die Unzufriedenheit der Jugendlichen darüber, wie sie ihre Zeit verbringen." Sie ist der Meinung, man müsse hier eingreifen, wenn man die steigende Langeweile mit den Trends geistiger Gesundheit, Depression und sozialer Interaktion verbindet. (Florian Rötzer)