Artenreiche Landschaften sind anpassungsfähiger

Je vielfältiger die Artengemeinschaft einer Landschaft, desto besser kann sich diese an sich ändernde Umweltbedingungen anpassen. Diesen Zusammenhang erkannten Schweizer Wissenschaftler in einer Studie zu natürlichen Landschaften. Das Team um den Evolutionsbiologen Pascal Nikolaus untersuchte 450 Biotope von jeweils einem Quadratkilometer in verschiedenen Höhenlagen und klimatischen Bedingungen - und fand insgesamt 2200 Pflanzen- und Tierarten.

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Nebenbei entdeckten die Forscher, dass die jährliche Wachstumsperiode der Vegetation in den letzten 16 Jahren zugenommen hat. Die Ursachen für den Trend zu verlängerten Vegetationszeiten, insbesondere bei Landschaften mit höherer Biodiversität, sahen die Wissenschaftler größtenteils in der Klimaerwärmung.

Intakte Ökosysteme reinigen Luft und Wasser und produzieren Biomasse, die wiederum in die Nahrungskette fließt. Außerdem bieten sie den Menschen Erholung. Je höher die Vielfalt ist, umso mehr kostenlose "Dienstleistungen" erbringt die Natur. Zahlreiche Insektenarten sind natürliche Gegenspieler so genannter Schädlinge.

Zum Beispiel Schlupfwespen: Von ihnen gibt es in Deutschland rund 3.330 Arten. Nicht wenige legen ihre Eier als Parasiten in oder an den Körper bestimmter Schadinsekten, so dass diese bei der Entwicklung der Larven getötet werden. Auf diese Weise wird zum Beispiel Trichogramma gezielt gegen Maiszünsler eingesetzt. Doch auch die "Nützlinge" finden ihre Lebensräume in Blüh- und Ackerrandstreifen. Je größer die Abstände zwischen den Ackerrandstreifen, umso kleiner wird ihr Lebensraum.

Es gibt viele Beispiele dafür, in denen Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand gehen: Vielfältige Wurm- und Insektenarten tragen auf ökologisch bewirtschafteten Äckern zur Humusbildung und dem Erhalt der Bodenfruchtbarkeit bei. Bestäubende Insekten sind vor allem im Obstbau gefragt. Je mehr Blüten von ihnen angeflogen werden, umso besser entwickeln sich die Fruchtstände.

Foto: Susanne Aigner

Einzelne Bundesländer bieten außerdem gezielte Fördermaßnahmen für eine umweltverträgliche Landbewirtschaftung an - so wie das Hessische Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflege-Maßnahmen (HALM). Ziel ist die Erhaltung der biologischen Vielfalt der Kulturlandschaften sowie der Schutz von Wasser und Boden. Landwirte, die an diesem Programm teilnehmen, werden für Kostenaufwand bzw. Ernteverzicht finanziell entschädigt. Oder das Netzwerk Blühende Landschaften. Hier entwickeln Landwirte, Verbraucher, Gärtner, Landschaftsplaner und Imker bundesweit insektenfreundliche Bewirtschaftungskonzepte.

Einen persönlichen Beitrag kann ohnehin jeder leisten: Brennnesseln im Garten einfach mal stehen lassen, anstatt sie zu entfernen - davon würden zahlreiche Insektenarten profitieren. Von Weidetieren in der Regel gemieden, dienen Brennnesseln als Futter für die Raupen von mindestens 35 Schmetterlingsarten, darunter Admiral, Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs und Landkärtchen.

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Während die Raupen des Admirals die Blattstiele im Halbschatten fressen, bevorzugen die des Tagpfauenauges von der Sonne beschienene Triebspitzen. Aber auch Käfer, Heuschrecken, Wanzen und Gallmücken finden Zuflucht in der Nesselpflanze.

Hinweise:

Metastudie zum Rückgang der Schmetterlinge in Deutschland (Mai, 2017)

Käfer, Hummeln, Schmetterlinge: Sterben die Insekten aus? (ARD-Beitrag vom. 25.07.2017)

(Susanne Aigner)

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