Le Pen hofft auf den Sieg der griechischen Linken

Die Vorsitzende des rechtsextremen Front National sieht in Griechenland keine andere Partei außer Syriza, die ihre Positionen vertritt

Der Appell an die Nation hat eine Zugkraft über Lager hinweg, die sich sonst über Kreuz liegen. Anschaulich wurde dies in Frankreich, als Staatspräsident Hollande Anfang dieser Woche mit einem Raketenschub von vorherigen Rekordumfragetiefs auf 40 Prozent Zustimmung in einer Umfrage kam. Er hatte während der Terroranschlagswoche in kurzer Abfolge mehrere Reden gehalten, in denen er den Zusammenhalt der Nation beschwor.

Nun konterte Marine Le Pen auf einem anderen Schauplatz mit einem Überraschungsmoment: Ganz Europa schaut auf die anstehende Wahl in Griechenland und die Chefin des rechtsextremen Front National erklärt, dass sie auf einen Sieg des Linksbündnisses Syriza hofft. Welche Gemeinsamkeit findet die rechte Le Pen mit Syriza? Die Haltung zur EU.

"In Europa gibt es einen Bruch, der sich damit auftut, dass die Völker wieder ihre Interessen in die Hand nehmen gegen gegen den europäischen Totalitarismus und seine Komplizen, die Finanzmärkte", erklärt sie und fügt hinzu, dass ihre Position völlig kohärent sei. Die Unterstützung der Syriza mache aus ihr "keine Aktivistin der extremen Linken", aber, so ihre Spitze gegen die rechtsextreme griechische Partei Goldene Morgenröte: Es gebe kein Äquivalent zum Front National - "es ist die extreme Linke, die unseren Platz einnimmt". Das gelte auch für Spanien, ließ sie verstehen; der FN sympathisiert mit Podemos.

Bei Syriza wehrt man sich gegen die Vereinnahmung durch die französischen Rechtsausleger: "Unsere Positionen sind denen des FN entgegengesetzt", sagte der EU-Abgeordnete der Syriza, George Katrougalos, gegenüber französischen Medien. "Wir kämpfen für ein soziales Europa, mit garantierten Freiheits- und sozialen Rechten, währenddessen ist die politische Vision des Front National fremdenfeindlich und reaktionär".

Dass es größere Unterschiede in Zuwanderungsfragen gibt, räumt auch Le Pen ein, von großen Unterschieden, die sich jeweils in der politischen Geschichte und Herkunft der beiden Parteien und ihres Milieus zeigt, einmal ganz abgesehen. Aber das Zur-Wehr-Setzen, die Korrektur des Syriza-Vertreters wird ihr nicht so wichtig sein. Ihr geht es um die französischen Wähler.

Im linken Lager gibt es einiges für den FN zu holen, wie sich bereits an einer nicht geringen Anzahl von PS-Wähler und Gewerkschaftsmitgliedern gezeigt hat, die ihre Stimme dem FN geben. Zudem macht es Le Pen mit ihrer Unterstützung für das griechische Linksbündnis der französischen Öffentlichkeit schwerer, ihr weiterhin das Etikett "rechtsextrem" anzuheften. (Thomas Pany)

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