Lebensmittel von geklonten Tieren? Nein, danke!

Europäer lehnen in der Mehrzahl der Klonen von Tieren für Lebensmittelprodukte ab und sehen für die Verbraucher keine Vorteile

Die Europäer wissen in aller Regel in etwa, was Klonen ist, nämlich die Herstellung "einer identischen Kopie eines bereits vorhandenen Lebewesens". Das aber macht ihnen Fleisch und Milch von geklonten Tieren zum Verzehr nicht schmackhaft. Daher lehnen nach einer aktuellen [http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/08/1478&format=HTML&aged=0&language=DE&guiLanguage=en Eurobarometer-Umfrage] 58 Prozent der EU-Bürger das Klonen von Tieren zur Herstellung von Lebensmitteln grundsätzlich ab, 28 Prozent würden es unter bestimmten Einschränkungen zulassen, gerade einmal 9 Prozent sprechen sich dafür aus.

43 Prozent würden grundsätzlich keine Lebensmittel kaufen, die von geklonten Tieren stammen, 20 Prozent würden es wahrscheinlich nicht machen, selbst wenn die Unbedenklichkeit von einer vertrauenswürdigen Institution bestätigt wird. Auch wenn es um Produkte von durch natürliche Fortpflanzung gezeugten Nachkommen geklonter Tiere geht, sagen das noch 41 Prozent. Am ehesten würden Briten, Portugiesen, Tschechen, Slowaken, Bulgarer oder Spanier Lebensmittel von geklonten Tieren zu sich nehmen.

Während in den USA die FDA bereits Fleisch und Milch von geklonten Tieren zum menschlichen Verzehr für unbedenklich erklärt hat und nun die Genehmigung der Produkte von gentechnisch veränderten Tieren ansteht (USA: Lebensmittel und Medikamente von genveränderten Tieren bald auf dem Markt), liegt in der EU erst ein Gutachten der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) vor. Es bezog sich nur auf Kühe und Schweine und hielt fest, dass Fleisch und Milch, wenn sie von gesunden Tieren stammen, unbedenklich für Menschen seien, auch wenn ein erhebliches Risiko besteht, dass geklonte Tiere erkranken und vorzeitig sterben. Es gebe aber noch Erkenntnislücken, vor allem bei anderen Tierarten, daher empfahl die EFSA weitere Forschung.

81 Prozent der Befragten sind ebenfalls der Meinung, dass die langfristigen Folgen des Klonens für die Natur noch nicht bekannt sind, 84 Prozent sagen zudem, dass dies auch für die langfristigen Folgen für Gesundheit und Sicherheit zutrifft. Für über 60 Prozent ist das Klonen von Tieren moralisch falsch. Die Gefahr liegt für 77 Prozent darin, dass das Klonen von Tieren auch zum Klonen von Menschen führen könne. Durch das Klonen werde die Artenvielfalt bedroht, sagen 63 Prozent.

Von einer Mehrheit geduldet wird hingegen das Klonen von seltenen Tieren, um deren Überleben zu sichern. Vorstellen können sich auch viele, dass mit Einschränkungen Klonen praktiziert werden könne, um Tiere gegen Krankheiten besser zu schützen. Die Autoren der Studie haben die Haltung zum Klonen in den drei Fällen (Lebensmittelherstellung, seltene Tiere, Krankheitsbekämpfung) zusammengefasst. Danach spricht sich ein Fünftel der Europäer grundsätzlich gegen das Klonen aus, 59 Prozent würden es zu bestimmten Zwecken und unter bestimmten Bedingungen zulassen, uneingeschränkt dafür wären nur 17 Prozent. In Österreich und Schweden findet man den größten Anteil der Klongegner, ein Viertel der Deutschen, Italiener, Finnen oder Holländer lehnen es ebenfalls grundsätzlich ab. Spanier, Tschechen und Slowaken haben am wenigsten gegen das Klonen und sprechen sich am stärksten dafür aus. Zwei Drittel der Griechen, Briten und Franzosen sprechen für das Klonen unter bestimmten Umständen aus. In Deutschland sagen dies 60 Prozent, 13 Prozent sind für Klonen.

Gegen das Klonen von Tieren zur Lebensmittelproduktion wenden sich mehr als zwei Drittel, da dann die Tiere zur Ware und nicht als Lebewesen mit Gefühlen behandelt würden. Allerdings werden auch herkömmlich gezüchtete Tiere in der industriellen Massenhaltung wohl kaum anders behandelt, aber von der Mehrzahl dann doch konsumiert. Die Feststellung, dass Klonen nicht nur ein technisches Thema sei, sondern auch ethischen Gründen abgelehnt werden könne, stimmen drei Viertel zu. Trotz der Sicherheitsbedenken, die zu Recht bestehen, dürfte sich diese Art der moralischen Ablehnung vermutlich vor allem gegen die neue Technik wenden, aber deutlich geringer werden, wenn das Klonen einmal eingeführt wäre.

Nur 30 Prozent meinen, dass das Klonen die Tierzucht kostengünstiger macht, und nur 17 Prozent sagen, die EU müsse das Klonen von Tieren zur Lebensmittelproduktion erlauben, damit die Landwirte keinen Wettbewerbsnachteil haben. Ganz deutlich wird von 86 Prozent gesehen, wem das Klonen am meisten dienen würde, nämlich der Lebensmittelindustrie. Für die Konsumenten würde es aber keine Vorteile mit sich bringen, sagen 54 Prozent. Geteilter Meinung sind die Menschen aber, ob Klonen für die Bauern Vorteile haben könnte oder nicht. Gefragt, was zur Rechtfertigung des Klonens für die Verbraucher angeführt werden könnte, sagen 38 Prozent gar nichts, am meisten könnten mit 53 Prozent Möglichkeiten der Lösung des weltweiten Nahrungsproblems sehen. Dass die Lebensmittelprodukte billiger oder gar besser schmecken werden, glaubt nur eine Minderheit. Mehr hingegen könnten sich vorstellen, dass der Nährwert der Lebensmittelprodukte von geklonten Tieren besser sein könnte.

Interessant ist, wem die Menschen vertrauen, wenn es um korrekte Informationen über das Klonen und dessen Folgen geht. Wissenschaftler genießen das meiste Vertrauen. Erstaunlicherweise kommen danach bereits die Lebensmittelsicherheitsbehörden der EU und der Länder und dann erst die Verbraucherverbände oder Tierschutzorganisationen. Europäischen Institutionen wird wenig Vertrauen entgegen gebracht, den Regierungen aber noch weniger, Und am Schluss rangiert nach den Medien die Nahrungsmittelindustrie.

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