Leitmedien und die Gegenöffentlichkeit des 11. Septembers

Tendenziöse Berichterstattung prägt seit 10 Jahren die Mediendiskussion über die Hintergründe der Terroranschläge in den USA

Im Konflikt um die mediale Interpretation der Terroranschläge vom 11. September spiegelt sich ein beschämendes Maß an journalistisch-publizistischer Aggression wider. Kritiker, die zumindest zum Teil völlig legitime Fragen zu den Terroranschlägen in den USA stellten, wurden von Journalisten und Publizisten diffamiert. Die Sachfrage, nämlich ob die Anschläge vom 11. September zur Genüge aufgeklärt sind, haben bestimmte meinungsführende Journalisten versucht, durch einen Glaubenskampf aus dem öffentlichen Diskurs zu drängen. Denkverbote wurden verhängt, die Hinterfragung des 9/11-Terrors wurde zum Tabu. 10 Jahre nach den Anschlägen ist eine geteilte Medienlandschaft zu beobachten. Sachliche, genauso wie wenig um Differenzierung bemühte Presserzeugnisse erscheinen derzeit in den Medien.

Bild: Nasa

War 9/11 wirklich das Ergebnis eines radikal islamistischen Hasses oder handelte es sich um einen Akt von Staatsterrorismus, damit eine eiskalt agierende Machtelite bestimmte tiefenpolitische Ziele erreichen kann?

Eine Frage, die unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September aufkam und ein Medienfuror in Bewegung gesetzt hat, den jeder halbwegs rational denkende Journalist nur noch mit Bestürzung verfolgen konnte. Mit einem an Aggression kaum noch zu überbietendem "Journalismus" trat eine scheinbar geschlossene mainstreammediale journalistische Exekutivgewalt an, um einen freien und offenen Diskurs über die Anschläge zu zerschlagen.

Unter dem Vorzeichen, die Öffentlichkeit dringend vor einem falschen Geschichtsbild bewahren zu müssen, griffen hoch reputierte Journalisten zu den brutalsten Waffen, die Sprache zu führen erlaubt: Personen, die sich am politischen Diskurs beteiligen wollten, wurden diffamiert, psychiatrisiert und dehumanisiert.

Die öffentliche Quasi-Veraffung der 9/11-Skeptiker durch Qualitätsmedien war einer der Höhepunkte im Meinungskampf um die Wahrheit des 11. September. Menschen, die annahmen, nicht die volle Wahrheit über den 11. September erfahren zu haben, wurden von Journalisten auf eine Stufe mit Affen gestellt (SZ: Bing! Bibber! Affen der Angst; Zeit: Ein Wahn stützt den anderen). Eine beschämende kulturhistorische Diskurswaffe kam so zum Einsatz, die darauf abzielt, Menschen in ihrem Sein herabzuwürdigen und ihre kognitiven Fähigkeiten auf die von Affen zu reduzieren.

Oberste journalistische Aufgabe wäre es gewesen, durch Professionalität mit den alternativen Lesarten umzugehen, um dann

  1. die Thesen der Skeptiker durch einen sauberen Journalismus zu entkräften oder aber, um
  2. einen möglichen aus den Thesen zum Vorschein kommenden Wahrheitsgehalt journalistisch angemessen aufzuarbeiten.

Stattdessen konnte ein Journalismus beobachtet werden, der Wissen durch Glauben ersetzte und die scheinbar unerschütterliche Überzeugung der eigenen politischen Weltsicht an die Stelle des Prüfens und Hinterfragens treten ließ.

Journalisten schienen ein grenzenloses Vertrauen in die Verlautbarungen zu haben, wie sie vonseiten politischer Verantwortungsträger in die medialen Informationskanäle eingespeist wurden. Selbstständige Recherchen, die, losgelöst von den ausgestreuten Brotkrümeln der Politik, die Anschläge in aller Breite erfassten, gab es so gut wie keine.

Leitmedien übernahmen die Führung in der 9/11-Berichterstattung - viele andere Medien folgten ihnen. Zwar gab es durchaus eigene Recherchen, aber: diese bewegten sich nahezu ausschließlich in einem bestimmten, implizit durch die politischen Verlautbarungen vorgegebenen Rahmen. Ungleich wissenschaftlicher Forschung gab es keine These, die es zu verifizieren oder zu falsifizieren galt. Osama Bin Laden und Al-Qaida waren für den 11. September verantwortlich. Diese These war von Anfang an keine These, sondern ein unhinterfragter Glaubenssatz. Und auf diesen Glaubenssatz bauten Leitmedien ihre Recherchen auf.

Die so hoch als grundsätzliches journalistisches Qualitätsmerkmal gepriesenen unabhängigen, neutralen und objektiven Recherchen existierten faktisch, was die 9/11-Berichtersttattung angeht, nicht mehr. Und so kam was kommen musste: Leitmedien konstruierten im grenzenlosen Vertrauen darauf, dass die Rahmendaten vonseiten des politischen Feldes stimmten (Osama war es), eine Medienwirklichkeit, die an Groteskem bisweilen kaum noch zu überbieten ist. Journalisten der Leitmedien vermochten es durch ihre akribischen und vor allem: detailgetreuen Recherchen quasi bis in die gehijackten Flugzeuge einzudringen. Durch die Augen der Medien "sahen" die Mediennutzer, was genau sich in den Flugzeugen abspielte (bzw. abgespielt haben muss, also sollte, also irgendwie, aber das ist auch egal). Den Leitmedien gelang selbst das Unfassbare: sie vermochten es bis in die Köpfe der toten Attentäter einzudringen und noch nach deren Ableben festzustellen, was sie dachten und fühlten.

Nur ein Beispiel: Im Focus vom 13. August 2011 heißt es:

Der muslimische Fanatiker Mohamed Atta, 33, bereitet sich in einem Airport-Motel auf den Massenmord vor. In einem afghanischen Terrorcamp ausgebildet, fühlt sich der Student der Technischen Universität Hamburg nahezu unbesiegbar.

Immerhin, soviel Differenzierung muss sein: Atta fühlte sich nicht unbesiegbar, nur "nahezu unbesiegbar". Woher weiß der Verfasser des Artikels, wie Atta sich an dem Morgen fühlte? Gibt es dazu Aufzeichnungen von Atta, vielleicht ein Band, auf das er kurz vor seiner Terrormission gesprochen hat ("Ich fühle mich nahezu unbesiegbar!") und mit dem gebotenen Respekt und Achtung vor der freien Presse an die Focus-Redaktion geschickt hat? Gibt es andere Quellen, auf die man sich als Journalist stützen könnte, die es einem Erlauben mit gutem journalistischen Gewissen zu schreiben, wie sich Atta kurz vor dem Attentat gefühlt hat? Nicht erst seit den Turbulenzen bei der diesjährigen Verleihung des Henri-Nannen-Preises, ist bekannt, dass Journalisten, unabhängig davon, wie plastisch und dicht sie auch Szenen und Sachverhalte beschreiben, längst nicht so nahe an dem Geschehen gewesen sein müssen, wie es der angewandte Journalismus impliziert. Der Kollege, dem der Henri-Nannen-Preis verliehen und wieder aberkannt wurde, vermochte es bis ins Detail den Ort, der Kern seiner Reportage bzw. seines politischen Portraits war, zu beschreiben, ohne nur einmal dort gewesen zu sein.

Journalistisch nicht unbedingt verwerflich, denn seine Fakten stimmten ja. Nur hat man dem Leser nicht mitgeteilt, dass man das lebendig Beschriebene eben nicht selbst gesehen und erlebt hat, sondern dass es auf Hörensagen beruht.

Die Geschehnisse um die Verleihung des Henri-Nannen-Preises sind ein gutes Beispiel, um auf ein allgemeines Problem im Journalismus zu verweisen, welches eng mit der Berichterstattung zum 11. September verknüpft ist. Journalisten (vermutlich vermehrt bei den großen Medien) tendieren zu einer Berichterstattung, in der nachweisbare, konkret greifbare Fakten journalistisch sehr freizügig durch Elemente verwoben werden, deren Gebrauch man eher von einem Romanschriftsteller erwarten würde. Das Ergebnis dieses Fakt-Fiktion-Journalismus ist eine unglaublich realitätsnah erscheinende Berichterstattung, die sich wunderbar anschaulich und greifbar liest, die aber leider mitunter an ihren Realitätsansprüchen scheitert.

Bei der Kontroverse um den Henri-Nannen-Preis ging es nur um einen Politiker und um sein Hobby-Modelleisenbahn, welches er in seinem Keller praktizierte. Doch der Medienaufschrei war laut. Den jungen Spiegel-Journalist traf mit voller Wucht die Empörung des journalistischen Feldes, wobei nur am Rande angesprochen wurde, dass es im Journalismus mittlerweile üblich ist, auch das im Stile einer Reportage zu beschreiben, was man selbst gar nicht erlebt hat. Anhand von bestimmten Angaben, die richtig oder auch falsch sein können, bauen talentierte Schreiber ihre Artikel im Reportagestil vom Schreibtisch aus zusammen. (hier sei auf das Beispiel einer falschen Nachricht verwiesen, die in der folgenden Berichterstattung durch Elemente, die schlicht einer journalistisch fantasierten Wirklichkeit entsprungen sind, angereicht wurde.

Wie unglaublich dünn bisweilen die Produkte der so genannten Qualitätsmedien sind, thematisiert der Medienjournalist Stefan Niggemeier immer wieder wunderbar auf seinem Blog, hier anhand eines Spiegel-Artikels. Der Mitautor dieses von Niggemeier auseinandergenommen Artikels ist übrigens Ulrich Fichtner, also jener Spiegel-Journalist, der 2002 mit einem ebenso fragwürdigen Artikel gegen die 9/11-Skeptiker vorgegangen ist.

In den Stellungsnahmen der Zweifler und Skeptiker kam schon früh zum Ausdruck, dass sie die Schwach- und Bruchstellen der mainstreammedialen Berichterstattung zu den Terroranschlägen erkannten. Wenngleich man den Skeptikern vieles vorwerfen kann: ihre Medienkompetenz ist durchaus beachtlich.

In Deutschland waren es unter anderem Mathias Bröckers und Andreas von Bülow, genauso wie unzählige "einfache" Menschen, die im Detail begründet auf einen Journalismus zeigten, der vor allem auf die äußere Form bedacht war, aber inhaltlich selbst die offensichtlichsten logischen Brüche mit einer Eleganz überspielte, die Mediennutzer einfach nicht mehr übersehen konnten und wollten. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Leitmedien durch ihre Kritiklosigkeit die als Wahrheitsbewegung des 11. Septembers klassifizierte Bewegung mit aufgebaut haben. Dort, wo Medien umfassend und kritisch berichten, bedarf es auch keiner Gegenöffentlichkeit, die den Medien "Recherchevorschläge" hinterherträgt.

Vorgeblich haben Medien ein unglaublich auflösungsstarkes Bild der Terroranschläge in den USA präsentiert. Doch wie auflösungsstark war es wirklich? Als der 9/11 Commission Report veröffentlicht wurde, überschlugen sich Medien geradezu, um ein für allemal klar zu stellen, dass die Terroranschläge vom 11. September nun endgültig aufgeklärt seien.

Keine Diskussion darüber, dass zunächst vonseiten der US-Regierung keine Interesse daran bestand, eine Untersuchung einzuleiten, keine Diskussion über die Gründe des Rücktritts von Henry Kissinger als Vorsitzender der Kommission, keine Diskussion über die mangelhaften Ressourcen, die der Kommission zur Verfügung gestellt wurden, keine Kritik an dem Verhalten der Regierungsmitglieder, von denen einige erst gar nicht, dann nur zu zweit, dann nur hinter verschlossenen Türen aussagen wollten, keine Diskussion darüber, dass wichtige Unterlagen zunächst zurückgehalten wurden oder nur einem Teil der Untersuchungsausschussmitglieder vorgelegt wurden, keine Rede von den Jersey Girls, dem Family Steering Committee und dem Kampf der Hinterbliebenen um Aufklärung.

Sogar das "Geständnis" eines angeblich 183 Mal dem Waterboarding unterzogenen Khalid Scheich Mohammed nutzten Leitmedien wie beispielsweise der Spiegel zur Untermauerung ihrer Wirklichkeitskonstruktion.

Die These der 9/11-Zweifler, beim 11. September könnten tiefenpolitische Hintergründe eine Rolle gespielt haben, wurde hingegen grundsätzlich als absurd abgetan. Aus journalistischer Sicht: unverantwortlich!

Wer als Journalist alleine schon in Anbetracht der Geschehnisse um die geheimen Armeen der NATO, Gladio bzw. Stay behind, die noch bis 1990 existiert haben, nicht in Betracht zieht, dass Terroranschläge andere Ursachen haben können als offiziell erklärt, handelt gegenüber seiner journalistischen Verpflichtung, zur Aufklärung beizutragen, unangemessen. Wer als Journalist über Terroranschläge berichtet und dabei ignoriert, dass bis heute noch Angehörige der Opfer von Terroranschlägen im Herzen eines rechtstaatlichen Europas unter einer unmenschlichen Belastung um Aufklärung kämpfen müssen, darf sich nicht wundern, wenn seine Berichterstattung kritisiert wird.

Bild: NPS.gov

Nur am Rande sei darauf verwiesen, dass gegenwärtig ein Sohn, dessen Vater bei einem Terroranschlag ums Leben kam, vor Gericht sich in einem bitteren Prozess um die Klärung der Hintergründe am Tode seines Vaters einsetzen. Unabhängig vom Ausgang des Prozesses kann schon jetzt festgestellt werden, dass die Institutionen, die mit der Klärung des Falls vor über drei Dekaden beschäftigt waren, nicht unbedingt vertrauenserweckende Arbeit geleistet haben. Auch eine ganze Medienlandschaft vermochte es damals nach dem Attentat nicht, die Lücken und Ungereimtheiten, die nun ein Privatmann auf eigene Faust aufzeigen musste, in ihrer Arbeit zu dokumentieren. Im Fall Buback geht es "nur" um einen im Vergleich zum 11. September verhältnismäßigen "einfachen" Terroranschlag.

Ein anderes Beispiel: Als in Winnenden der Amoklauf zu Ende war, trat der damalige Innenminister von Baden Württemberg, Heribert Rech, vor die Presse und verbreitete die Information, Tim K. habe seinen Amoklauf in einem Chat angekündigt ("gepflegt Grillen").

Medien im ganzen Land brachten die Nachricht, nur um kurze Zeit später zurück zu rudern und festzustellen (nachdem die Internet-Community auf Widersprüche verwiesen hatte): Der angebliche Chatroomeintrag von Tim K. war gefälscht.

Ein Beispiel, das man zur Einschätzung der Frage, wie distanziert Journalisten mit den Verlautbarungen der politischen Funktionsträger umgehen, gar nicht hoch genug einschätzen kann. Dabei zeigt sich: Auch eine als vertrauens- und glaubwürdig erscheinende politische Persönlichkeit, deren Aussagen von den Medien aufgrund seiner Position als "legitimer Sprecher" nahezu unhinterfragt als wahr und korrekt mit in die eigene Berichterstattung eingebunden wird, wird den an sie gesteckten Ansprüchen nicht immer gerecht. Wie mangelhaft die mediale Aufarbeitung des 11. September aufgrund solcher Unzulänglichkeiten erst war: man möchte gar nicht drüber nachdenken.

All diese Beispiele und Überlegungen verweisen darauf, dass der Berichterstattung von Leitmedien bei Terroranschlägen, so bitter diese Erkenntnis auch ist, nicht getraut werden kann. Eine Hinterfragung der Informationen, wie sie vermittelt werden, ist zwingend notwendig. Terroranschläge führen nicht nur zu Bestürzung und Fassungslosigkeit der Menschen, die davon erfahren, sie führen auch in regelmäßig zu beobachtender Weise zum Kollaps einer kritischen, distanzierten und unabhängigen Berichterstattung. Leitmedien sind so sehr abhängig von den Informationen, die vonseiten der Politik kommen, dass eine eigenständige Meinung, die alle zu bedenkenden Möglichkeiten mit einbezieht, nicht gegeben ist.

Die These, dass möglicherweise Terroranschläge tiefenpolitisch inszeniert werden und damit auch ein entsprechender Spin von Anfang an in die Medien hineinzudrehen versucht wird, wird vonseiten des journalistischen Feldes nicht reflektiert.

Im Gegenteil: Die These vom Staatsterrorismus wurde nicht nur nicht reflektiert. Parallel zu einer an komplexitätsreduzierenden kaum noch zu überbietenden Berichterstattung, die dringend von den entsprechenden Wissenschaften aufzuarbeiten ist, schufen Leitmedien sogar eine Kunstfigur, einem Prügelknaben gleich, auf dem gestandene Journalisten ihre Verärgerung über die Kritik an ihrer Berichterstattung abladen konnten.

Der Verschwörungstheoretiker, dieser Typus (klingt so schön nach einem wissenschaftlichen Kategoriensystem) Mensch, der es doch eigentlich nur wagt, politische Sachverhalte eigenständig zu beobachten, Nachrichten zu verfolgen, sie zu überdenken, sie zu analysieren, sie zu dekonstruieren (gewiss nicht immer glücklich und gewiss in vielem kritisierbar) und gegebenenfalls sich zu Wort meldet, um Fragen zu stellen, um Bedenken anzumelden, also dieser Typus, so lehrten es die Medien, gehört wohl zu den widerlichsten Menschen überhaupt. Die Berichterstattung zu den Verschwörungstheorien des 11. Septembers hat eindrucksvoll gezeigt, wie dieser Typus zu verstehen ist:

Er ist:

  • Paranoid
  • Naiv
  • Verklemmt
  • Autoritätsfixiert
  • Nimmersatt
  • Ein Pedant
  • Ein Apokalyptiker
  • Ein politischer Tagträumer
  • Ein Politparanoiker
  • Ein Wahrheitsverdreher
  • Ein Spinner
  • Ein Netzwerker
  • Ein Junkie
  • Ein Wahrheitsverdreher
  • Ein Affe

Außerdem:

  • Verfällt er einem Wahn
  • Er schlampt
  • Er betreibt Falschmünzerei
  • Er bringt paranoide Fantasien auf Touren
  • Er bedient sich eines Pseudo*Rationalismus
  • Er zehrt davon, dass man ihm nicht glaubt
  • Er möchte gerne an abstruse Komplotte glauben
  • Er zitiert Experten herbei
  • Er fragt sich Stück für Stück fort aus der Realität
  • Er legt Hinweise im Schubfach ab
  • Er ignoriert
  • Er nimmt keine Notiz
  • Er verdrängt die Wahrheit
  • Er lebt im Fieber des Bestätigungswahns
  • Begreift nicht
  • Er traut nicht über den Weg
  • Ihm wollen bestimmte Dinge plausibler vorkommen als andere
  • Er behindert die Wahrheitsfindung
  • Er vergeudet Energie
  • lässt keinen Zweifel zu
  • Er stellt absurde Fragen

Die Charakterisierungen wurden Artikeln entnommen, die im Spiegel, in der SZ und der Zeit erschienen sind.

Die angeführten Wörter und Aussagen verdeutlichen, welch einen Umgangston große Medien gegenüber all jenen veranschlagt haben, die durchaus zum Teil zumindest völlig legitime Fragen und Zweifel zum 11. September hatten.

Wer feststellte, dass am 11. September diverse War Games stattgefunden haben, bei denen unter anderem das Simulieren von Flugzeugentführungen auf dem Programm stand, und daraufhin die ein oder andere Frage stellte, sah sich plötzlich von den Medien verdammt.

Hans Leyendecker, hochdekorierter Top-Rechercheur sagte in einem Artikel, in dem er gegen die unbequemen Fragesteller zu Felde zog:

Die Frage an sich, sie ist nicht mehr, was sie war, sie pervertierte über den Umweg der kritischen Nachfrage im allgemeinen Mediensalat und unter Beihilfe gewissenloser Verleger zur totalen Verschwörung.

So einfach kann man es sich auch machen. Der Frage an sich, die von 9/11-Skeptikern gestellt wird, unterstellt man pauschal, dass sie pervertiert wird - und schon hat man sich der in der Frage zum Tragen kommenden Inhalte entledigt. Reduktion von Komplexität scheint die Lösung für alle Fragen.

Doch 10 Jahre nach dem 11. September 2001 ist festzustellen, dass alle Versuche vonseiten der großen Medien die Gegenöffentlichkeit zu diffamieren und zu psychiatrisieren, nicht den gewünschten Erfolg aufzubieten vermochten. Erreicht wurde, dass der Begriff Verschwörungstheorie verbrannt ist, erreicht wurde, dass die Bezeichnung Verschwörungstheoretiker zu einem Schimpfwort erster Güte geworden ist. Aber die Zweifel und die Skepsis der Menschen rund um den Globus, die annehmen, nicht die volle Wahrheit über die Terroranschläge erfahren zu haben, sind geblieben - und sie sind heute wohl größer, oder zumindest: dezidierter als je zuvor.

Längst gibt es auch aufseiten der großen Medien eine partielle Bereitschaft, sich versachlicht mit dem 9/11 Truth Movement auseinanderzusetzen, wenngleich diese mehr als notwendige Bereitschaft zugleich noch immer von bestimmten Publizisten als schandhaft deklariert wird:

Darum ist es nicht unerheblich, wenn in der ARD am letzten Sonntagabend das Buch der beiden Verschwörungsjäger mit Lob überhäuft wurde. Es ist nicht nur ärgerlich, daß offenbar jegliche Überwachungsinstanz bei der ARD - einem Sender, der sich seit Jahren sehr redlich um historische und politische Aufklärung in diesem Bereich kümmert - in skandalöser Weise versagt hat. Die paranoide Perspektive erhält in dem neuen Kontext auch eine zusätzlich unangenehme Dimension.

Raphael Gross

Dies sind tatsächlich die Worte eines Geschichtsprofessors. Man möchte ihm entgegenhalten: Aufgabe von Journalisten ist es zunächst einmal (offen formuliert), das, was sich in der Gesellschaft zuträgt, sichtbar zu machen. Wenn (weite) Teile der Bevölkerung (wie Umfragen immer wieder verdeutlichten) Zweifel an den offiziellen Erklärungen zum 11. September haben, dann ist es die Aufgabe von Journalisten, diese Zweifel zu thematisieren und darüber zu berichten. Und wenn ein Journalist zu dem Ergebnis kommt, dass ein Buch, welches diese Zweifel aufgreift und erklärt, positiv zu rezensieren ist, dann ist dem erst einmal so.

Wer aber dann als Geschichtsprofessor und vor allem auch: als Publizist nach einer Überwachungsinstanz verlangt, die die positive Rezension hätte verhindern müssen, muss sich fragen lassen, wie er eigentlich über Meinungs- und Pressefreiheit denkt. In einem anderen Zusammenhang hat der verstorbene Politiker und Kommunikationswissenschaftler Peter Glotz einmal gesagt:

Viele Journalisten stellen nicht das zur Debatte, was die Gesellschaft bewegt, sondern das, was die Gesellschaft ihrer Meinung nach bewegen sollte. Ausdruck der Publizistenideologie ist die als Ethos kostümierte Auffassung, man dürfe doch X oder Y kein Podium bieten. Wem ich ein Podium biete, sagen viele Journalisten, entscheide ich selbst. Die Folge ist eine immer größer werdende Kluft zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung.

Peter Glotz

Die jüngsten Medienbeiträge über die Gegenöffentlichkeit verdeutlichen einmal mehr, dass die Bereitschaft von Journalisten, sich mit dem Phänomen der 9/11-Zweifel auseinanderzusetzen, nicht problemlos gelingt. In dem Spiegel-Beitrag Flugzeuge im Kopf wird Andreas von Bülow als älterer Herr porträtiert, der immerhin: "akkurat frisiert" ist, ein "Hemd und Baumwollhose" trägt und bei dem in seinem Heim Kaffee "in blau-weißen Porzellantassen serviert" wird.

Doch viel wichtiger ist das Fazit von Spiegel-Online:

Im Kern ist das ein typischer Wesenszug älterer Männer: die eigene Lebenserfahrung mit viel Distanz und vermeintlichem Realismus zu einer Art behaglichem Zynismus zu vermengen. Nur, dass er hier extreme Ausmaße angenommen hat.

Deutlich soll werden: Bülow ist alt, er mag viel gesehen haben, er mag eine seinem Alter entsprechende hohe Lebenserfahrung haben, er mag wissen, dass Politik bisweilen auch dreckig sein kann, aber im Kern ist Bülow ein älterer Mann, sein Realismus ist getrübt ("vermeintlicher Realismus").

Ähnlich hat Spiegel-Journalist Ulrich Fichtner Bülow bereits 2002 in seinem Artikel Die September-Lüge gezeichnet. In dem Artikel wird Bülow dargestellt als jemand der:

  • hinterfragt
  • bezweifelt
  • abtut
  • vorgibt, mehr zu wissen, als er sagt
  • vorgibt, einen Trumpf zu halten
  • mit dem Fahrrad kommt
  • wie ein zu junger Pensionär wirkt
  • dem es gefällt, gefragt zu sein
  • in eine Kiste mit üblichen Verdächtigen greift
  • vor einem Salat von Tafelspitz sitzt
  • keinen Trumpf mehr hat

Den Lesern wird eine negative, ironische Kontextualisierung des ehemaligen Ministers serviert. Der Leser muss den Eindruck gewinnen, Bülow entspreche dem Prototyp eines gelangweilten älteren Herrn, der mit seiner Zeit nichts Rechtes anzufangen weiß und sich deshalb eine fragwürdige Beschäftigung sucht. Auf diese Weise vorgestellt, können Bülows Argumente und Aussagen kaum Wirkung erzielen, da Bülow augenscheinlich nicht ernst genommen werden kann. Die Aussage: "es gefällt ihm, gefragt zu sein" schürt hinzu noch unterschwellige Ressentiments des Lesers gegenüber Bülow, da suggeriert wird, dass Bülows Interventionen in Sachen 9/11 vor allem durch seine Eitelkeit motiviert seien, was negative Rückschlüsse auf seine Persönlichkeit zulässt. Die Beispiele ließen sich fast bis ins Unendliche fortführen. Von Anfang an haben Medien die Stimmen der Skeptiker in einer Rahmung präsentiert, die in hohem Maße tendenziell ist. Dabei soll und darf nicht unerwähnt gelassen werden, dass es im Lager der Gegenöffentlichkeit reichlich Angriffspunkte gibt und die Kritik der Medien zum Teil auch ihre Berechtigung hat.

Dass Teile der Gegenöffentlichkeit nachweislich bei ihren Recherchen geschlampt haben und Zusammenhänge falsch interpretiert bzw. überinterpretiert haben, liegt auf der Hand. Kritik wurde auch in der Spiegel-Titelgeschichte Verschwörung 11. September - Wie Konspirationsfanatiker die Wirklichkeit auf den Kopf stellen ((Ausgabe Nr. 37, vom 8.9.2003) thematisiert (hierzu eine Gegenstimme von Mathias Bröckers).

Diese Auseinandersetzung des Spiegels mit den Thesen der 9/11-Skeptiker, wie sie in der Titelgeschichte erfolgt ist, ist einerseits begrüßenswert, da Journalisten wichtige Arbeit leisten, wenn sie geschichtsverfälschende Darstellungen überprüfen und als solche für die Mediennutzer nachvollziehbar kennzeichnen. Andererseits war der Versuch des Spiegels, mit den Thesen der Gegenöffentlichkeit aufzuräumen, nicht konsequent genug. Es genügt nicht, die eine oder andere These zu 9/11 zu widerlegen und dann so zu tun, als sei die Frage, ob Tiefenpolitik am 11. September eine Rolle gespielt hat, vom Tisch. Es bedarf eigener ergebnisoffener Recherchen, deren Antrieb klar erkennen lässt, dass ein Verständnis der Strukturen von Tiefenpolitik, Staatsterrorismus, False Flag Operations und verdeckter Kriegsführung vorhanden ist. Hinzu kommt: Wenn Menschen, die an eine Verschwörung glauben, schon auf dem Titel mit dem extrem negativ konnotierten Wort Fanatiker klassifiziert werden, liegt die Vermutung nahe, dass der veranschlagte Journalismus nicht frei von Tendenzen ist.

10 Jahre nach 9/11 wird es höchste Zeit, dass sich sowohl Skeptiker als auch Vertreter von Leitmedien Schwachstellen in ihren eigenen Darstellungen (die es auf beiden Seiten reichlich gibt) eingestehen, um endlich gemeinsam die Hürden, die offensichtlich einer kritischen publizistischen Aufarbeitung des 11. Septembers im Wege stehen, aus dem Weg zu räumen.

Das Buch 9/11 - Der Kampf um die Wahrheit von Marcus Klöckner ist eben in der Telepolis-Buchreihe erschienen (Verlag Heinz Heise, 218 Seiten, 16,90 Euro). Das Buch skizziert die Geschichte der als "Wahrheitsbewegung des 11. September" klassifizierten Gegenöffentlichkeit und beschreibt den Kampf zwischen Skeptikern und Medien. Die Reaktionen von etablierten Journalisten auf die Vorstöße der 9/11-Skeptiker in die Meinungsöffentlichkeit sind Gegenstand einer detaillierten Analyse. Der hier veröffentlichte Beitrag wurde eigens für Telepolis verfasst.

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