Lernen von der Antike

Übung für die Schnelle Eingreifstruppe gegen zivile Unruhen im Inland. Alle Fotos: U.S. Army,Staff Sgt. Antwaun J. Parrish, 5th Mobile Public Affairs Detachment

US-Soldaten trainieren Vorgehen gegen zivile Unruhen und müssen dafür die Schildkrötenformation der Römer üben

US-Soldaten proben den Einsatz gegenüber aufgebrachten Menschenmengen in den USA. Offenbar will man eine schnelle Einsatztruppe für den Einsatz im Inland zur Verfügung haben. Möglicherweise gibt es Sorgen, dass es mit der Occupy- oder der Tea-Party-Bewegung oder vielleicht im Kontext der Präsidentschaftswahlen zu Konflikten kommen könnte.

Schon letzten Jahr waren ähnliche Übungen von Einheiten der National Guard bekannt geworden, die gegen Demonstranten vorgingen, die etwa Schilder mit der Aufschrift "Food Now" trugen. Geübt wurde, die Unruhestifter zu überwältigen und festzunehmen. Die Soldaten trugen dabei Helme und waren mit Knüppeln bewaffnet.

Die Übung, die am 13. März dieses Jahres in der Joint Base Lewis-McChord, Washington, stattfand und an der Einheiten des 201st Battlefield Surveillance Brigade teilnahmen, ist aber schon ein wenig interessanter. Die Armeebrigade soll schnell weltweit eingesetzt werden, kann sich aller verfügbaren Geheimdienst-, Aufklärungs- und Datenquellen bedienen und sorgt für einen gemeinsamen Informationsfluss. Diese Hightech-Einheit, die als Schnelle Eingreiftruppe für das Inland beschrieben wird, musste nun also trainieren, wie sie ohne Schusswaffen Proteste oder Unruhen von Zivilisten unterdrücken oder aufgebrachte Menschenmengen auseinandertreiben kann.

Dabei greift das Rom der Gegenwart auf klassische Formationen zurück, die in der Antike entwickelt wurden. Die auch mit Gewehren bewaffneten Soldaten mussten etwa mit ihren Schilden in einer geschlossenen Formation antreten, ihre Knüppel gegen die Schilde schlagen, um sich Mut und den Gegnern Angst zu machen, und dann geschlossen in der so genannten Schildkrötenformation gegen die Protestierer vorrücken. Vielleicht dachte man auch an eine spartanische Phalanx, wie eine Beschreibung des Autors vom 5th Mobile Public Afairs Detachment suggeriert. Da die Soldaten in der ersten Reihe ihre Schilde nach vorne hielten, die hinteren sie aber waagrecht über den Köpfen, dürfte es sich schon um die Imitation der Schildkrötenformation gehandelt haben.

Die Übung war natürlich ein voller Erfolg. Die Soldaten marschierten in geschlossener Formation gegen den "Mob" aus 40 Zivilisten. So habe man sich gut schützen können, war aber in der Bewegung und in der Sicht behindert. Die Unruhen "eskalierten" dann aber erst einmal, weil die Zivilisten Schneebälle gegen die gut geschützten Soldaten warfen und diese verbal und gestisch beleidigten, wogegen natürlich auch kein Schild hilft. Einige versuchten gar die Soldaten in Auseinandersetzungen zu verwickeln, aber sie wurden, wie es im Bericht heißt, schnell zurückgetrieben oder rutschten auf dem Eis aus. Glaubt man dem Berichterstatter, muss es sich um dramatische Szenen gehandelt haben:

The crowd initially approached the Soldiers with about 20 people, but once the RCG pushed them back toward the training area’s town, more people came from out of hiding. The Soldiers had to use whatever stamina they had left to control the mob.

Manche Soldaten klagten über die Schwere der Ausrüstung. Beruhigend versicherte der Ausbilder, dass man dies durch vermehrte körperliches Training verbessern kann. Andere fanden es gut, auch mal gegen schauspielernde Gegner (live force) üben zu können. Und ein Soldat wird zitiert, dass er niemals daran gedacht habe, gegen zivile Unruhen ausgebildet zu werden, als er in die Army eintrat. Aber er habe das jetzt gut gefunden. Ist ja auch mal was anderes als Daten zu erheben, zusammenzuführen, zu interpretieren und weiter zu reichen.

(Florian Rötzer)