Liberianische Behörden retten Ebolakranke vor Homöopathen

Gläubige wollten Infizierte mit Zuckerkügelchen behandeln

Unter Homöopathie versteht man den Glauben daran, dass kleine Zuckerkügelchen ohne nachweisbaren Wirkstoffgehalt - sogenannte "Globuli" - Krankheiten kurieren können. Durch den Placeboeffekt klappt das in manchen Fällen tatsächlich, weshalb wenig dagegen spricht, dass Menschen, die daran glauben, diese Alternative zum Gesundbeten bei Menstruationsbeschwerden oder anderen kleineren Wehwehchen einsetzen.

Etwas anders sieht das bei schweren ansteckenden Krankheiten aus, die nicht nur das Leben des Infizierten, sondern auch das vieler anderer Menschen gefährden. Aktuelle Beispiele dafür sind Aids, die Pest in Madagaskar und Ebola in Westafrika.

Trotzdem reisten Homöopathen aus Europa, Amerika und Asien nach Afrika, um Ebola-Erkrankten "homöopathische Medizin" zu verabreichen und die Krankheit zu "erforschen". Auf Twitter verspottete man diesen Plan als "Mission: 'Let's speed up the selection of the fittest'". Etwas diplomatischer drückte sich Victoria Murphy von Sense About Science aus: Sie kritisierte das Vorhaben im Oktober als "unverantwortliche" und "grausame" Reklame, die Menschenleben gefährde und seriösen Ärzten den Kampf gegen die Seuche noch schwerer mache als er ohnehin schon sei.

Zu diesem Ergebnis kamen (mit etwas Verspätung) nun anscheinend auch die liberianischen Behörden: Sie hinderten die deutsche Homöopathin Ortrud H. und drei ihrer Glaubensgefährten von der Organisation Liga Medicorum Homoeopathica Internationalis (LMHI) unter Verweis auf eine Unvereinbarkeit mit Vorschriften der Weltgesundheitsorganisation daran, 110 homöopathische "Mittel in drei bis vierfacher Potenz" an Ebolakranken auszuprobieren.

Globuli. Foto: Hofapotheke St. Afra, Apotheker Tobias Müller. Lizenz: Public Domain.

Das Geld, mit dem die in Spanien praktizierende Ärztin und ihre drei Kollegen aus den USA, der Schweiz und Indien nach Liberia reisten, soll einem Bericht des Spiegel zufolge unter anderem von deutschen Spendern gekommen sein. Sie soll ein Verein aus Leipzig geworben haben, der auf seiner Website nur von einer Ärztemission sprach und verschwieg, dass es sich dabei um Homöopathen handelt.

Ein in Deutschland lebender liberianischer Honorarkonsul, der mit einer Funktionärin des Deutschen Zentralvereins Homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) verheiratet ist, setzte sich angeblich für eine schnelle Visaerteilung ein.

Beim DZVhÄ heißt es, "die homöopathische Behandlung von Ebola-Patienten sollte begleitend zu der von der WHO vorgeschriebenen Standardtherapie durchgeführt und dokumentiert werden". Im Spiegel rechtfertigte ein Ex-Funktionär des Vereins den Auslandseinsatz der Homöopathen außerdem mit dem Hinweis darauf, dass es noch keine konventionellen Medikamente gibt, mit denen man das Leben von Erkrankten sicher retten kann. Seiner Ansicht nach wäre das "die perfekte Situation, um die Wirksamkeit der Homöopathie zu beweisen".

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