Lieberman droht mit Vernichtung syrischer Flugabwehrsysteme

Israelische Arrow-Rakete. Foto: US Navy News Service

Drohne soll Chef einer Drusenmiliz ausgeschaltet haben

Am 17. März meldeten syrische Medien den Abschuss eines israelischen Kampfflugzeugs, das ein "militärisches Ziel" in der Umgebung der antiken Stadt Palmyra attackiert habe. Israel bestätigte darauf hin den Angriff, verneinte jedoch, dass eine der daran beteiligten Maschinen von den als Reaktion darauf abgefeuerten syrischen Boden-Luft-Raketen getroffen wurde. Stattdessen habe man eine ältere syrische Rakete russischer Bauart, die das Flugzeug verfehlte, aber den israelischen Luftraum erreichte, mit dem modernen Arrow-Raketenabwehrsystem vernichtet (vgl. Schwerer militärischer Konflikt zwischen Israel und Syrien).

Der Vorfall bekam aus zwei Gründen mehr internationale Aufmerksamkeit als andere israelische Militäreinsätze auf syrischem Boden: Erstens nahm das israelische Militär - anders als bei ähnlichen Meldungen in der Vergangenheit - offiziell Stellung, was wahrscheinlich auch der Tatsache zu verdanken war, dass durch die Aktivierung des Arrow-Systems zahlreiche Israelis mit Sirenen aus dem Schlaf gerissen wurden und auf eine Erklärung dafür warteten.

Der andere Grund war, dass die russische Regierung danach den israelischen Botschafter ins Außenministerium einbestellte. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der eine Woche zuvor in Moskau war und eigentlich ein gutes Verhältnis zum russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin pflegt, verlautbarte später, man habe - wie bereits mehrmals davor - einen Waffentransport der schiitischen Hisbollah-Miliz angegriffen, die in Syrien auf Seiten der dortigen Regierung gegen sunnitische Extremistenmilizen kämpft, und deren älteres erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist.

Russische Portale wie Sputniknews und RT meldeten gestern eine Drohung des israelischen Verteidigungsministers Avigdor Lieberman, die in westlichen Medien wenig Beachtung fand: Der kündigte dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad in einem israelischen Radiosender an, er werde "ohne Zögern" die syrische Flugabwehr zerstören, wenn sie noch einmal gegen israelische Kampfflugzeuge eingesetzt werde.

Lieberman ist in der Sowjetunion geboren und Vorsitzender der in Israel aktuell mitregierenden Partei Jisra’el Beitenu, die in erster Linie als Vertretung der Einwanderer aus dem postsowjetischen Raum gilt. Das heißt jedoch nicht, dass er zu Putin ein besseres Verhältnis hat als Netanjahu, der mit dem russischen Staatspräsidenten eine Militärkoordination zu Syrien vereinbarte, die versehentliche Eskalationen verhindern soll.

Mit Netanjahu ist Lieberman nicht immer einer Meinung: Während manche Beobachter meinen, der überraschende 180-Grad-Positionswechsel im aktuellen Streit um eine Rundfunkreform sei ein Trick des Ministerpräsidenten, um vorgezogene Neuwahlen herbeizuführen, verlautbarte Lieberman, Wahlen seien "das Letzte, was Israel jetzt braucht".

Am Sonntag hatten syrische Medien außerdem berichtet, eine israelische Drohne habe in der Gegend der syrischen Golanstadt Quneitra einen Autofahrer namens Yasser Assayed getötet. Der Vorfall erinnert an einen im Dezember 2015 durchgeführten Schlag gegen den Samir Kuntar, einen 2008 ausgetauschten Mörder einer israelischen Familie, der angeblich neue Überfälle plante und in Damaskus ausgeschaltet wurde, nachdem sich Netanjahu und Putin vorher darüber verständigt hatten.

Kuntar war libanesischer Druse, aber Mitglied der schiitischen Hisbollah. Den Informationen der israelischen Tageszeitung Ha'aretz nach war auch der am Samstag Getötete Druse, hatte aber keine terroristische Vorgeschichte und kämpfte nicht in der Hisbollah, sondern im Golanbattalion: einer Drusenmiliz, die im Bürgerkrieg auf Seiten der syrischen Regierung steht. Syrische Regierungsgegner behaupten dagegen, Assayed sei Angehöriger der regulären Armee gewesen und habe eine wichtige Rolle in der Luftabwehr gespielt. Die israelischen Streitkräfte gaben bislang keine Stellungnahme dazu ab.

Die syrische Regierung ist währenddessen wieder verstärkt mit den sunnitischen Extremisten der in Fatah asch-Scham umbenannten al-Nusra-Front beschäftigt, die nun im Osten der Hauptstadt Damaskus mit Granaten und Sturmgewehren angreifen.

Die syrische Armee versucht den Angriff der syrischen al-Qaida-Filiale mit Artilleriefeuer abzuwehren und hat die Anwohner des Abbasiden-Platzes und anderer gefährdeter Areale dazu aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben. Eingeleitet wurden die Angriffe auf die Hauptstadt mit mehreren Selbstmordanschlägen, bei denen bereits letzte und vorletzte Woche über 100 Menschen ums Leben kamen. (Peter Mühlbauer)

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