LifeStraw - Designer-Strohhalm gegen Pathogene

Persönlicher Trinkwasser-Reiniger für Entwicklungsländer

LifeStraw ist ein Wasseraufbereitungs-Hilfsmittel im Kleinmaßstab, das von der 1957 in Dänemark gegründeten Vestergaard Frandsen-Gruppe entwickelt wurde. Das Produkt ist noch nicht auf dem Markt und wird gerade durch zwei US-amerikanische Institute im Kongo und in Äthiopien in der Praxis erprobt, um die offizielle Zulassung für den weltweiten Verkauf zu erlangen; produziert werden soll es in China. Die Markteinführung erfolgt vermutlich in zwei bis drei Jahren. Hauptzielgruppe sind Bewohner von Entwicklungsländern ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Technische Lösungen existieren bereits seit langem, z.B. in Form von vielseitigen militärischen bis hin zu Camping-und Reise-Wasserfiltern. Vestergaard Frandsens Hauptaugenmerk lag viel mehr auf einer sehr preiswerten Lösung. Das Unternehmen ist auf Textilien zur Krankheitskontrolle (insbesondere Malaria: PermaNet), ZeroFly) und verwandte Themen des Katastrophenschutzes spezialisiert. Über die Jahre wurden Kontakte zu Nichtregierungsorganisationen, UN-Stellen und Gesundheitsministerien verschiedener Länder geknüpft. Während der selbstfinanzierten Entwicklungsarbeiten entstanden auch Wasserreinigungssysteme für Flüchtlingsgruppen und Haushalte, die z.B. die Schwerkraft als Triebkraft für den Filtrationsvorgang nutzen.

Das LifeStraw-Design wurde unter der Maßgabe geschaffen, vollständig auf sich bewegende Teile zu verzichten. Und die Option von Ersatzteilen wurde von vorn herein ausgeschlossen – genauso wie die Nutzung von Elektrizität im Aufbereitungsprozess.

Während der Entwicklung setzte die Firma zunächst vollständig auf eine reine Textilfilterversion, erkannte jedoch bald, dass weitere Bestandteile zum wirkungsvollen Entfernen von verschiedenen Keimen notwendig sind. Die ursprüngliche Idee kam vor zehn Jahren von Torben Vestergaard Frandsen, und durch die Partnerschaft mit dem Carter Center, Rob Fleuren (Holland) sowie Moshe Frommer (Israel) wurde im Laufe der Jahre klar, dass das Gerät mehr können sollte, als nur Schutz zu bieten vor dem Guinea-Wurm, gegen den es ursprünglich konzipiert war.

LifeStraw zielt vor allem auf Pathogene ab und soll Krankheiten vermeiden, die durch die Aufnahme von verschmutztem Trinkwasser ausgelöst werden, wie Typhus), Cholera und Ruhr. LifeStraw befreit Oberflächenwasser von Krankheitserregern wie Salmonellen, Staphylococcus Aureus, Shigella, Enterokokken und Escherichia coli.

Diese Mikroorganismen werden wirkungsvoll ausgedünnt, die verbleibenden Restkonzentrationen gelten als unbedenklich. LifeStraw ist bei Schwermetall-, Arsen-, Fluorid- und Ölverschmutzungen wirkungslos, ebenso bei Giardia lamblia-Infektionen (Lamblienruhr). Letztere werden durch fünf Mikrometer große Sporen hervorgerufen, die unempfindlich gegenüber Iod sind.

Bild: Vestergaard-Frandsen

Der LifeStraw besteht aus einer Kombination von Filtern und Kammern. Wird das Wasser angesaugt, entfernt ein zweistufiges textiles Filtersystem mit Porenweiten von 100 bzw. 15 Mikrometern Sedimente, Schwebeteilchen und Bakterienverklumpungen. Das Herz der 25 Zentimeter langen Filterröhre bilden verschiedene Materialien wie ein desinfizierendes Harz (PuroTech Disinfecting Resin) sowie Iod und Aktivkohle-Granulat, die Bakterien, Viren und Parasiten zurückhalten und bei Kontakt abtöten.

Ein geringer Preis (ca. 2, 50 Euro) und die einfache Nutzung sollen eine massenhafte Verbreitung ermöglichen. LifeStraw soll bis zu 700 Liter Wasser filtern können. (Die WHO-Trinkwasserrichtlinie sieht für Erwachsene eine tägliche Mindest-Trinkwasseraufnahme von 2 Litern vor; Vestergaard Frandsen kommt so auf eine wirksame Lebensdauer von einem Jahr.) Salzwasser reduziert die effektive Filterleistung. LifeStraw ist praktisch wartungsfrei, nur die Filter sollten periodisch gereinigt werden.

Humanitäre Hilfe als Geschäftsmodell

Täglich sterben weltweit 6.000 Menschen durch die Aufnahme von verschmutztem Trinkwasser - hauptsächlich Kinder. Vestergaard Frandsens LifeStraw soll mithelfen, das Milleniums-Ziel der Vereinten Nationen: „Halbierung der Anzahl von Menschen ohne dauerhaften Zugang zu sicherem Trinkwasser“ bis 2015 zu erreichen. Es ist von einer Erhöhung der Hilfszuschüsse für die Entwicklungsländer die Rede, und die Finanzpresse sieht Geschäftsführer Mikkel Vestergaard Frandsen potentiell gut positioniert – als einen der Pioniere in einer neuen globalen Industrie.

Bild: Vestergaard Frandsen

Mit der inzwischen heftig kritisierten "Roll Back Malaria"-Kampagne Ende der 1990er Jahre begannen Nichtregierungsorganisationen und UN-Gesundheitsbehörden nach privaten Partnern zu suchen. Mittlerweile haben sich drei Hauptwege etabliert, um die produzierten Hilfsgüter zu bezahlen: erstens mittels direkter Spenden von Hilfsorganisationen; zweitens durch social marketing, bei dem sich ein Unternehmen mit einer Hilfsorganisation zusammenschließt, um das Produkt zu vermarkten; der Empfänger zahlt nur einen Teil des Preises. Wird drittens das Land schließlich reicher, übernimmt das direkte kommerzielle Marketing. Vestergaard Frandsen gilt als Pionier im „social marketing“, momentan machen direkte Spenden von Hilfsorganisationen jedoch noch den überwiegenden Teil seines Geschäfts aus. Er selbst glaubt nicht, dass er Kapitalismus in seiner reinsten Form betreibt: sein Profit sei für einen Zweck bestimmt.

Der LifeStraw gewann auf der INDEX:2005 den ersten Preis für sein innovatives Design. Dieses Ereignis findet alle vier Jahre in Kopenhagen statt und würdigt Designs, die das Leben einer großen Anzahl von Menschen beträchtlich verbessern können.

Die Ausstattung der Menschen vor Ort mit preisgekröntem Equipment beseitigt nicht das Problem als solches. Das Leben der Menschen in den betroffenen Gebieten kann nur dann beträchtlich und dauerhaft verbessert werden, wenn am Übel selbst gearbeitet und flächendeckend für sauberes Wasser vor Ort gesorgt würde. Doch das ist nicht die Aufgabe von Unternehmen wie Vestergaard Frandsen. (Bernd Schröder)

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