Lizenz zum Kommunismus?

Die erste Oekonux-Konferenz in Dortmund beschäftigte sich mit den gesellschaftlichen Perspektiven der Idee freier Software

Vom 28.-30. April fand an der Fachhochschule in Dortmund die erste Oekonux-Konferenz statt. "Oekonux" ist eine Wortschöpfung aus Ökonomie und Linux. Die AnhängerInnen dieses Konzepts behaupten, dass im Zuge der Produktion und Verbreitung freier Software wie Linux u.a. eine neue Form der Wirtschaft sich ankündigt: die G(eneral)P(ublic)L(icence)-Gesellschaft, die gewissermaßen "evolutionär" die alte Gesellschaft mit Privateigentum, Warentausch und Geldform ablösen soll.

Dass es im Vorfeld der Konferenz hochschulinterne Querelen gab, zeigt zumindest, dass der Zeitpunkt gut gewählt ist. Nach dem gerade vollzogenen Ende der Stahlära will sich Dortmund als Hightech-Metropole etablieren, und die Oekonux-Idee wurde da wohl als "störend" verdächtigt. Mitveranstalter war die PDS-nahe Rosa-Lxemburg-Stiftung. Aber es droht keine Gefahr eines Systemumsturzes: Auch wenn das Modell eines gemeinschaftlichen Arbeitens an freier Software für die Beteiligten befriedigend ist, so ist es angesichts der herrschenden Ökonomie nicht so einfach als Zielprojektion für eine andere Gesellschaft zu übernehmen. Oekonux repräsentiert mit seiner sich selbst organisierenden Produktionsweise nicht mehr und nicht weniger als eine moderne politische Utopie, die zwar symbolisch für neue soziale Beziehungen steht, aber nicht schon die Lösung des Problems darstellt.

Keine "freie" Ökonomie

Mitorganisator und Oekonux-Maintainer Stefan Merten fasste in seiner Einführung noch einmal die Prinzipien freier Software zusammen: Freie Software dürfe für jeden Zweck eingesetzt werden; ihr Quellcode müsse offen liegen und dürfe verändert werden. Die Software selbst müsse kostenlos sein. Aber hier beginnen schon die ersten Zweifel: etwas kosten darf nämlich die Verpackung und der Support, also genau die Dienstleistungen, die Linux-Distributoren wie Red Hat oder SuSE finanziell prosperieren lassen. Die besondere Art der Zusammenarbeit an Linux, die ohne das Internet nicht möglich wäre, ist zwar "geldfrei", und die vielen Programmier mögen sich frei entfalten, aber sie leben überwiegend in finanziell gesicherten Verhältnissen. Dass sie einen Überfluss an Software produzieren und gegen das "Knappheitsprinzip" der herkömmlichen Ökonomie verstoßen können, liegt ja wohl auch daran, dass sie als Informatiker eine privilegierte Position einnehmen und selbst eine knappe Ressource sind. Viele Linux-Programmierer sind zudem Studenten, arbeiten also im (noch bestehenden) relativen Freiraum der Universität. Fast schon überflüssig zu erwähnen, dass Stars der Szene von den Distributoren gesponsert werden (Programmiercamps von KDE zum Beispiel durch SuSE).

Merten beschrieb die Utopie der GPL-Gesellschaft, wie sie im Oekonux-Kontext diskutiert wird: Die neuen Produktionsmittel ermöglichen eine größere Selbstentfaltung (die Formel: "Freie Software ist Selbstentfaltung plus Internet"), was tendenziell auf alle (Re)Produktionsmittel ausgedehnt werden soll. Arbeit soll allgemein Spaß machen und sich der künstlerisch-wissenschaftlichen Praxis annähern. Informationen und Güter stehen in einer GPL-Gesellschaft frei zur Verfügung, Lohnarbeit, Warentausch und Geld sind verschwunden. Diese Ziele sind nicht neu, den neuen Technologien angepasst und können dem utopischen Sozialismus zugeordnet werden.

Nach dem, was auf der Konferenz diskutiert wurde, ist man versucht, zwei Versionen der Geschichte freier Software zu erzählen:

1) Einige Informatiker arbeiten seit vielen Jahren an der Vernetzung einer neuen sozialen Bewegung, indem sie kooperativ freie Software über das Netz programmieren, sich einbringen in einen selbstbestimmten Zusammenhang, in dem nur nach Leistung und Fähigkeiten entschieden wird - das ist ohne weiteres tauglich als einfaches utopisches Modell für eine freie Gesellschaft, bleibt aber sozialromantisch.

2) Einige Informatiker, die eben schon wegen ihrer Profession im Zentrum der Modernisierung des Kapitalismus arbeiten, kommen, wenn sie den Arbeitstag in einem gut bezahlten normalen Job in ihrer Firma verbracht haben, nach Hause, setzen sich wieder vor den Computer, programmieren freie Software, wie andere ihre Hobbies pflegen, und verkaufen das als (illusionäre) revolutionäre Tat.

Version 1 ist die eine Seite der Medaille und dürfte ein verständlicher und wichtiger Motivationsgrund sein. Die andere, Version 2, wird - entgegen dem Willen der überzeugten Linux-Anhänger - stärker die Realität abbilden.

Die Oekonux-Gruppe steht mit ihren Ansichten nicht allein da. Auch ein unkonventioneller Alt-Linker wie André Gorz ("Wege ins Paradies") interpretiert eine derartige Verwendung der Produktivkraft Wissen als "neuzeitliche Form" der gesellschaftlichen Aneignung der Produktionsmittel. Aber warum wird gleich die Umwälzung der Verhältnisse ausgerufen, nur weil da ein paar Codezeilen über das Netz zusammenhackt werden?

Merten sieht zurecht eine neue Qualität in dem Aufkommen der so gut wie verlustfreien digitalen Kopie als (Re)Produktionsmittel, das sich allgemein auf alle Informationsprodukte (Text, Bild, Ton) ausdehnen lasse. Das Internet sei ein vernetztes "Fernkopiersystem". Die digitale Kopie hätte in Verbindung mit freier Software und deren Selbstentfaltung "wirklich systemsprengendes Potenzial". Man kann anführen, dass der Kapitalismus in gewissem Sinn auch die Mittel seiner eigenen Überwindung hervorbringt, aber es handelt sich in diesem Fall m.E. um eine einseitige Betrachtung der Produktivkraftentwicklung, die völlig die realen Machtverhältnisse außer acht lässt. Der real existierende Hightech-Kapitalismus hat sich als derart flexibel erwiesen, dass er ständig neue Ansätze aufgreift und integriert.

Das Betriebsystem Linux hat ohne Zweifel einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht. Natürlich wurden auf der Konferenz die Erfolge vermeldet. Das französische Kultusministerium sattelt auf Linux um. Der reale Anteil der freien Software an der Produktion von Software ist im Vergleich zur industriellen zwar minimal, aber relevanter ist der Anteil bei den Neuinstallationen von Betriebsystemen. Linux selbst wird von der Industrie getestet, inwieweit es systemimmanent verwertet werden kann. Der Informatiker Werner Winzerling von der Fachhochschule Fulda brachte seine Einschätzung vor, dass nach dem Niedergang von IBMs OS/2 und von Novells Netware Linux eher zufällig in die Rolle eines Wettbewerbers bei den Betriebsystemen gedrängt wurde, um Microsoft zu disziplinieren, sich "hinreichend offen zu geben" gegenüber Prozessor- und Computerherstellern sowie den Software-Entwicklern. Microsoft bekämpft folgerichtig die GPL-Idee. Ein Vorstandsmitglied der DaimlerChrysler Services AG dagegen bezog in einem Vortrag "Gut zu wissen"-Kongress in Berlin die freie Software (oder "Open Source") in die strategischen Überlegungen des Konzerns mit ein, was das Schaffen neuer "Anreizsysteme" für die Mitarbeiter angeht. Das Motto lautet: die Kunden zu Mitarbeitern machen, natürlich unbezahlt - wahrlich revolutionär.

Die Befürworter freier Software mussten sich denn auch die kritische Frage gefallen lassen, ob sie in ihrem Idealismus nicht "nützliche Idioten" für das System sind, unbezahlte Arbeit zur Verfügung stellen und dabei helfen, die Kosten zu senken. Eine freie Wirtschaftszone innerhalb des Systems zu errichten, hat ja schon die "Alternativwirtschaft" in den siebziger Jahren mit sehr begrenztem Erfolg versucht. Außerdem hört schon bei der Arbeit der Linux-Distributoren der Spaß auf. Sie bezahlen Entwickler und agieren nach kommerziellen Gesichtspunkten. Dass die Produktionsweise freier Software ungewöhnlich ist, verhindert offenbar nicht, dass sie als Dienstleistung in dem kritisierten Verwertungszusammenhang eingebunden bleibt.

Die Informatik ist zudem eine "Schlüsselwissenschaft" für die Umstrukturierung, die Modernisierung des Systems. Und die Oekonux-Diskussion kann diesem Umstand nicht entkommen. Auf der einen Seite schwärmt Stefan Merten in einem seiner auf der Oekonux-Site nachlesbaren Texte von den "Rationalisierungspotentialen", die das Internet noch freisetzen kann, ohne wirklich zu realisieren, dass sich da kein friedlicher Übergang zu einer neuen Gesellschaft anbahnt, sondern ein Destruktivpotenzial aufbaut, da diese technische Entwicklung für viele Menschen die Arbeitslosigkeit bedeuten wird in einer Gesellschaft, die zunehmend den Abbau des Sozialstaats vorantreibt. Ist die unmittelbare Arbeit an Linux auch befriedigend und nicht "entfremdet", wie Merten darlegte, so sind die daran Beteiligten dem allgemeinen strukturellen Zusammenhang der Entfremdung nicht schon entkommen. Freie Software wird stilisiert als "Türöffner" für eine neue Gesellschaft, ohne diese Möglichkeit wirklich zu bieten.

Begrenzung der Technik?

Linux ist nur ein Projekt freier Software, andere sind der Webserver Apache oder die Skript-Sprache Perl. Neu ist das freiwillige, global verteilte Arbeiten an Projekten und die Selbstorganisation zu kleinen, unabhängigen Gruppen. Oder wie der Mitorganisator Stefan Meretz in seiner Einladung zur Konferenz geschrieben hat: freie Software ermögliche "eine globale Allokation" von Wissensressourcen, wie sie nicht einmal die Global Player zustande brächten. Aber birgt diese Zusammenarbeit keine organisatorischen Probleme (Stichwort: fehlendes Systemmanagement)?

Werner Winzerling äußerte auf der Konferenz die Meinung, dass man wirklich innovative Technologien nicht in Telearbeit zusammenbringen könne (als Beleg führte er das Scheitern des Hurd-Kernels im GNU-Projekt der freien Software an, der dann später durch den Linux-Kernel ersetzt wurde). "Verteiltes Programmieren" sei eigentlich das Schwierigste in der Informatik. Er meinte, dass - nachdem der Linux-Kernel fertig ist - das ständige Verbessern des Codes die Verschwendung von Fähigkeiten sei, gerade das, was andere als selbstbestimmte "Freiheit" interpretieren.

Ferner hat der Purismus der reinen Kommandozeilen nichts zu tun mit der Anwendungsrealität vieler Millionen User, die schnell und einfach zu bedienende Systeme brauchen. Die Oberfläche, die Bedienbarkeit spiele "eine völlig untergeordnete Rolle", so Winzerling, da es ja gewissermaßen von Entwicklern für Entwickler gedacht ist. Auch wenn die Linux-Puristen das vehement bestreiten werden, ist der Unterschied zwischen freier Software und Freeware für die meisten Anwender nur graduell: denen ist es völlig egal, ob sie den Quellcode mitgeliefert kriegen, weil sie ein Programm brauchen, das funktioniert, und keine Zeit oder die Fähigkeiten aufbringen können, das Programm zu ändern (auf der anderen Seite hat Linux natürlich einen didaktischen Wert, da man in den Code einsteigen kann, wenn man will, was man bei Microsoft Windows nicht kann). Linux wird außerdem indirekt in das Spiel der sogenannten proprietären Software, unterschiedliche Standards gegeneinander zu setzen, also das eigene Produkt zu "verknappen", einbezogen, wenn SAP-Software nur mit dem Red Hat-Linux läuft.

Zudem wird Linux in einer Art "Tele-Manufaktur" hergestellt, was als weltweit arbeitsteiliger Prozess zwar funktioniert, aber möglicherweise durch den technischen Fortschritt überholt werden kann. "Bereits heute ist mit der Komponententechnologie absehbar," meint Winzerling, "dass Software nicht mehr Quellzeile für Quellzeile programmiert wird, sondern dass man künftig Vorprodukte haben wird, wo Firmen Software-Komponenten entwickelt haben, die man dann nur noch zusammenstöpselt. Das aber wird es erforderlich machen, dass man bereits Vorleistungen einkauft, beziehungsweise auch Entwicklungstools hat, die das Zusammenstöpseln erlauben, vergleichbar teuren NC-Drehmaschinen, und die wird man dann nicht mehr zuhause haben können." Da haben die Cracker dann viel zu tun. Diese Entwicklung kann aber auch bedeuten, dass IBM irgendwann Linux übernehmen möchte, um es dann in der industriellen Produktionsweise weiterzuentwickeln und eine wirkliche Konkurrenz zu Microsoft aufzubauen. Wie kann eine solche Vereinnahmung verhindert werden?

Graham Seaman, Mitglied des Open Collector Projekts, übertrug das Prinzip freier Software auf die Hardware-Produktion: zum Beispiel auf Chips. Eine Ausweitung auf die Produktion materieller Güter für den Alltagsgebrauch ist der Ehrgeiz des OSCar-Projekts, bei über Netz mit vielen Mitarbeitern ein Auto entworfen werden soll. An diesem Beispiel wird deutlich, dass sich die Idee freier Software schwer auf die Produktion der elementar notwendigen und der weniger wichtigen Dinge zum Leben übertragen lässt. "Vielleicht kommen wir irgendwann mal in eine solche Situation," schließt Winzerling ab, "dass diese Dinge in automatischen Fabriken entstehen und sich jeder aussuchen kann, ob er überhaupt und wenn ja, in welchen Projekten er tätig sein wird."

Die Perspektive ist aber schon faszinierend: dass Menschen über das Netz Dinge zusammen entwerfen und die Design-Informationen an ihren Fabber, einen persönlichen Universalroboter, schicken, der das Objekt für den heimischen Gebrauch zusammenbaut. Das wäre die Fortsetzung der Heimwerkermärkte mit neuen Mitteln. Dass es sich bei diesen "Design-it-ourselves"-Objekten aber nicht um ein Auto handeln wird, ist stark anzunehmen. Die Komplexität des gesamten Produktionsprozesses (Entwurf, Testphase, Produktion) dürfte kaum im Modus freier Hardware zu managen sein und nicht über ein nettes Computermodell hinauskommen. Aber man kann ja Tausende andere nützliche Dinge bauen.

Copyleft vs. Copyright

Dass der Quellcode freier Software offen liegt, gilt als Angriff auf das Betriebsgeheimnis, das Firmen wie Microsoft um den Quellcode ihrer kommerziellen Software machen. Das Offenlegen von Gemeineigentum ("Copyleft") gegen das Verschliessen von Privateigentum (Copyright). Leider lässt sich die Interessenslage der Beteiligten nicht auf diese einfache Lösungsformel bringen.

Andy Müller-Maguhn sprach in seinem Vortrag davon, dass es im Netz-Zeitalter, keine "Kontrolloption" auf nicht-materielle Güter mehr gebe, ja, Eigentumsansprüche würden die freie Software und daneben die "freie Musik" bedrohen. Im Falle der Software äußerte er sich kritisch zur Patentgesetzgebung für Algorithmen, im Falle der Musik zum Urheberrecht. Diejenigen, die die Urheber der musikalischen Produkte sind, sollten diese digital über das Netz per Lizenz vertreiben, nicht entlohnt werden und eher auf die ökonomischen Seiteneffekte hoffen. Eine solche Stellungnahme zeugt nicht gerade von Sensibilität, was die Beurteilung des künstlerischen Schaffensprozesses angeht. Sehr leichtfertig wird den Künstlern das Recht an ihren Schöpfungen abgesprochen.

Man mag das bürgerliche Urheberrecht in Zweifel ziehen und die Idee des individuellen "Schöpfergenies" als bürgerliche Illusion brandmarken, trotzdem erfüllt es historisch eine Funktion und hat der Kunst eine relative Unabhängigkeit gebracht, so dass sie nicht allein auf das selbstherrliche Sponsoring von Aristokraten u.a. angewiesen war. Den Musikvertrieb und das Urheberrecht nur als künstliche "Verknappung" abzubilden, dem man mit einem Überfluss an Angeboten begegnen müsse, um die Musik zu "befreien", wird der Eigenart dieses "Marktes" und der mit ihm verbundenen Interessen nicht gerecht. Das Musikmachen wird von vielen Beteiligten ja schon als konkrete Utopie gesehen, die sich der kulturellen Logik des normalen Büro- und Fabrikalltags entzieht: Musik als "Berufung", als spezifischer Freiraum. Ein schnelles Niederreißen des urheberrechtlichen Schutzes könnte diesen Freiraum bedrohen und viele Musikerexistenzen erschweren. Eine Art "Straßenmusik-Honorierung" über das Netz ist ein zweifelhafter Vorschlag, da vermutlich viele Musiker sich nicht so gerne mit dieser Position identifizieren möchten und sich zudem von solchen Micropayment-Honoraren auch nicht ihr Equipment kaufen können (und jetzt sage bitte niemand, sie können ja dann einen Giga-Sampler auf Linux benutzen).

Weitere Details seiner "neuen Finanzierungsmodelle" für die Kunst ohne "Kontrollparadigma" blieb Müller-Maguhn schuldig. Für ihn selbst springt aufgrund seines Bekanntheitsgrades als Chaos Computer Club-Sprecher in der "Aufmerksamkeitsökonomie" der ein oder andere gut honorierte Consulting-Job heraus. Er ist ja schon selber eine "Marke", bekannt aus Internet, Funk und Fernsehen, und Aufmerksamkeit ist knapp. Und die Linux-Programmierer gehen ihrer überdurchschnittlich dotierten "Lohnarbeit" nach, nur funktioniert das für Musiker anders.

Man wird das Gefühl nicht los, dass hier aufgrund der technischen Entwicklung eine leicht zu "enteignende" "Eigentums"-Gruppe herausgegriffen wird, um eine Kampffront zu eröffnen, die auch noch die falschen trifft (nämlich die Künstler und die kleineren Distributoren), während die zentralen Eigentumsfragen in der Gesellschaft völlig unangetastet bleiben. Die "Irrationalität" des Gesamtsystems (die Form des Privateigentums sowie der Trend zur absoluten Vermarktung allen Lebens), die man gerne mit dem Prinzip gemeinschaftlicher vernünftiger Kooperation ablösen möchte, wird nur in einem Teilbereich angekratzt. Die großen Software-Konzerne im Unterhaltungssektor entwickeln sowieso aufwändige Sicherheitssysteme, um die Kontrolle zu behalten. Die großen Konzerne, die im Hardware-Sektor operieren, werden diese Angriffe auf das Urheberrecht begrüßen, da sie keine weiteren Abgaben auf ihre Geräte abführen wollen. Die Bewegung freier Software muss aufpassen, dass sie sich nicht im Endeffekt für deren Interessen vor den Karren spannen lässt. Es fehlt hier eine Widerspruchsstrategie, die die Interessen der Kreativen schützt und zugleich die Interessen der Zwischenhändler, der Medienkonzerne, zurückdrängt.

"Oekonux" hat also eine mehr symbolische Bedeutung. Das Modell selbstbestimmten Arbeitens an gemeinsamen Projekten hat große Ausstrahlungskraft und gehört sicher zum Kern einer anderen Gesellschaft (in gewisser Weise übertrug sich das Thema auch auf die entspannte und problemlose Organisation der Konferenz selbst, wie Mitorganisator Meretz meinte). Nachdem die Linke in diesem Land die Produktivkraftentwicklung jahrzehntelang verschlafen hat, bietet das Projekt eine wichtige Plattform, um an der Schnittstelle von Technik und sozialen Bewegungen zu neuen Konzepten zu kommen. (Wolfgang Neuhaus)

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