Lockruf der außerirdischen Superzivilisationen

Bild: SETI

SETI-Forscher auf der Suche nach neuen Strategien und Techniken

Auf der vom SETI Institut ins Leben gerufenen SETICon II, die vom 22. bis 24. Juni im Hyatt Regency Hotel in Santa Clara (Kalifornien) abgehalten wird, trifft sich derweil die Crème de la Crème der US-SETI-Wissenschaftler (SETI=Suche nach außerirdischer Intelligenz). SETICon II versteht sich nicht als rein wissenschaftlich-technische Konferenz, sondern als "unique, entertaining and enlightening public event", wie die Veranstalter betonen. Drei Tage lang sollen Wissenschaftler, SF-Autoren, Künstler, Astronomen und Hobby-Astronomen sowie schlichtweg SETI-Fans oder Neugierige Ideen austauschen, diskutieren, feiern, lernen, sich unterhalten und hier und da über neue Konzepte und Ansätze nachdenken. Anlässlich dieser weltweit einzigartigen SETI-Veranstaltung thematisiert der folgende Beitrag einige Aspekte rund um und über SETI, von denen das Gros in Kalifornien zweifelsfrei zur Sprache kommen wird.

Drei Lichttage von der Erde entfernt. Wir schreiben den 17. Juli 2069. Eine bizarr aussehende Sonde, bestückt mit optischen Teleskopen und einer 100 Meter großen Parabolschüssel, pulst ein extrem starkes Radiosignal gen Heimat. 72 Erdstunden später trifft die Nachricht auf die empfindlichen Lunar-LOFAR-II-Antennen. Pünktlich zum 100. Jahrestag der ersten bemannten Apollo-Mondmission registrieren die auf der Rückseite des Erdmondes installierten Radioteleskope das erste, jenseits des Sonnensystems künstlich erzeugte "außerirdische" Radiosignal. Gesendet wurde es über eine Distanz von 82 Milliarden Kilometer vom teuersten und ambitioniertesten Roboter der Menschheitsgeschichte, der kurz zuvor im Brennpunkt der Sonne Position bezogen hat. Dort, wo die Schwerkraft der Sonne die elektromagnetische Strahlung ferner Planeten, Sterne und Galaxien konzentriert, bündelt und jedwedes Licht- oder Radiosignal um den Faktor eine Million verstärkt.

Karl Guthe Jansky (1905-1950). Mit ihm fing das Abenteuer Radioastronomie an. Als erster entdeckte er im Jahr 1932 in der Milchstraße Radioemissionen. Bild: NRAO

Als der irdische metallene Abgesandte sein Bestätigungssignal Richtung Erde funkt, gerät er selbst ins Visier einer Robotersonde. Nur zwei Millionen Kilometer entfernt scannt eine drei Meter große perfekt geformte Kugel den irdischen Neuankömmling mit "Argus"-Sensoren. Schon vor einer Million Jahren hat sich die kugelförmige fremde Relaisstation in der solaren Brennsphäre eingenistet und hält Kontakt zu allen Schwestersonden, sammelt deren Informationen aus dem observierten Sonnensystem und sendet diese an ihre Heimatwelt - so auch dieses Mal.

Sosehr dieses Szenarium nach Science-Fiction klingt - es fußt auf wissenschaftlichem Fundament. Schließlich überraschte der US-Ingenieur R. von Eshleman von der Stanford Universität in Kalifornien bereits 1979 mit dem bis dahin völlig unbekannten Vorschlag, ein Radioteleskop in die Brennsphäre der Sonne zu schicken.

Mithilfe der solaren Gravitationslinse sollte sich das Observatorium hauptsächlich auf den populären 21-Zentimeter-Wellenbereich fokussieren ("Wasserstofflinie"), der als kosmische Standardfrequenz gilt, auf der Aliens senden könnten.

Prinzip der Gravitationslinse. Bild: NASA

Sechs Jahre später warb kein Geringerer als der Vater und Pionier der SETI-Suchprogramme, Frank Drake für die Umsetzung dieser Idee.

Würden wir ein Teleskop in diesen entlegenen Teil des Weltraums schicken, besäßen wir ein echtes Fenster zum Universum", so Drake. "Dort fänden wir nicht nur das Bild eines Sterns in einem Brennpunkt vor, sondern eine Sphäre von Brennpunkten, die Bilder all jener Sterne zeigt, deren Licht die Sonne passiert.

In Anlehnung an Drakes Vorschlag stellte der italienische Astrophysiker und SETI-Forscher Claudio Maccone erstmals im Mai 1993 das Missionskonzept FOCAL vor. Es sieht das Einbringen einer mit speziellen Teleskopen und einer 100 Meter großen ausfaltbaren Radioschüssel bestückten Sonde in die Sonnenlinse vor. Von dort soll FOCAL gezielt extraterrestrische Licht- und Funkbotschaften aufspüren.

82 Milliarden Kilometer von unserer Sonne entfernt befinden sich die Brennpunkte unserer Sonne, die Aliens zum Austausch interplanetarer Botschaften nutzen könnten. Bild: NASA/ESA

Genauso gut könnten aber auch inmitten dieser Zone extraterrestrische Raumsonden hausen, die den direkten Kontakt zu ihrer Heimatwelt aufrechterhalten. Etwas weiter weg vom planetaren Hinterhof, inmitten der solaren Gravitationslinse, wo sich in einer Entfernung von 82 Milliarden Kilometern die von unserem Heimatstern am Sonnenrand abgelenkten Strahlen bündeln, vermutet Maccone den für außerirdische Sonden besten Aufenthaltsort im Sonnensystem. Hier, fernab der Erde, konnten interstellare Raumschiffe mithilfe der Brennsphäre der Sonne einen optimalen Kommunikationskanal zu ihrer Heimatwelt öffnen und aufrechterhalten. Anstatt gewaltige Antennen auszufahren, wurden sie den verstärkenden Effekt des stellaren Brennpunkts konsequent nutzen, erklärt.

Die Außerirdischen würden wahrscheinlich eine Funkstation im Brennpunkt der solaren Gravitationslinse stationieren, auf einer Linie mit ihrem Heimatstern, der mit seiner Schwerkraft ebenfalls die Funksignale verstärkt", so Maccone. "Wenn wir nach fremden Raumschiffen suchen wollen, dann hier.

Gesucht haben die beflissenen SETI-Forscher bislang viel - gefunden jedoch noch nichts. Mehr als 52 Jahre nach dem ersten von Frank Drake initiierten wissenschaftlich-systematischen Lauschangriff auf außerirdische Funksignale ist die Fangquote der weltweit verstreuten SETI-Akteure ernüchternd. Keiner zog die lang ersehnte interplanetare Flaschenpost ans Erdufer. Kein außerirdisches Treibgut driftete im Wellenmeer des kosmischen Ozeans bis an die Gestade unserer Wahrnehmung.

Das Green Bank Telescope (GBT), das weltweit größte lenkbare Radioteleskop, starrt in Green Bank im US-Bundesstaat West Virginia in den Himmel. Es liegt ganz in der Nähe des Teleskops, mit dem Frank Drake 1960 die erste SETI-Observation durchführte. Durchmesser des GBTs: 100 bis 110 Meter; Reflektorfläche: 7854 m2. Zum Absenden eines interstellaren Kosmogramms eignet es sich jedoch nicht. Bild: NRAO/AUI

Alle verdächtigen Treffer, registriert von mehr als 120 Suchteams, wurden Kandidat für Kandidat ausgesiebt und ausnahmslos als Fehlalarm entlarvt. Doch ungeachtet aller vergangenen Misserfolge blicken die SETI-Protagonisten des 21. Jahrhunderts voller Optimismus in die Zukunft. Ein wenig wohl auch deswegen, weil ihnen anderes nichts übrig bleibt.

Noch in diesem Jahr wird die Anzahl der bestätigten Exoplaneten die 1000 überschreiten. Bild: ESO

Die Zuversicht genährt haben allen voran die Planetenjäger, die bislang 778 Exoplaneten entdeckten und die Hochrechnungen der Exobiologen, denen zufolge lebensfreundliche Planeten und intelligentes Leben im All eher die Regel als die Ausnahme sind. Da die Teleskope zu Boden und im Orbit immer sensibler und effektiver operieren und die Hard- und Software immer besser wird, sezieren die SETI-Jäger ihre Frequenzbereiche immer schneller und genauer - Wellenlänge für Wellenlänge auf mehreren Milliarden Kanälen gleichzeitig.

Konsequenter als je zuvor ziehen sie alle Register der Technik, Strategie, Suchmethodik, Fantasie und Kreativität, um ET & Co. dingfest zu machen. Und sie gehen neue Kooperationen ein - wie etwa mit den Planetenjägern: "Ja, wir arbeiten Hand in Hand. Sollte ein Planetenjäger einen vielversprechenden Exoplaneten entdecken, werden wir unsere Teleskope auf den Himmelskörper ausrichten, sofern unsere finanziellen Mittel dies zulassen", bestätigt Frank Drake den neuen Trend.

Proxima Centauri im Röntgenlicht. Der erdnächste Stern ist 4,2 Lichtjahre entfernt. Sollten in dem dortigen Sonnensystem Hochtechnologien zuhause sein, dürften sie unsere künstlich generierte elektromagnetische Strahlung längst empfangen haben. Bild: NASA/CXC/SAO

Einige Planetenjäger sind indes sogar selbst vom SETI-Virus infiziert, wie etwa die beiden US-Astronomen Geoffrey Marcy und Paul Butler. 1998 starteten sie ein eigenes SETI-Projekt, bei dem sie innerhalb des Lichtspektrums von F-, G-, K- und M-Sternen nach "intelligenten" längeren Laserpulsen suchten. Trefferquote: null.

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