Luftnummer Energieeffizienzlabel?

Wie lassen sich EU-Vorgaben zur Ermittlung des Energieverbrauchs so verändern, dass sie mehr der Realität des Endverbrauchers entsprechen und Energieeinsparungen bringen

Mit dem Energieeffizienzlabel will die EU die Verbesserung der Energieeffizienz elektrischen und anderen Geräten beschleunigen. Inzwischen hat diese Maßnahme jedoch zum stumpfen Schwert entwickelt und muss dringend nachgeschärft werden, um wieder Wirksamkeit zu entfalten. So wie das Energieeffizienzlabel derzeit etwa für Waschmaschinen genutzt wird, geht es an der Lebenswirklichkeit der meisten Endverbraucher schlichtweg vorbei.

Wer den Stromverbrauch beim Waschen nachmisst und dann den persönlichen Jahresverbrauch errechnet, stellt ziemlich schnell fest, dass da irgend etwas nicht stimmen kann. Sind die Energieverbrauchs-Angaben jetzt ebenso unrealistisch wie man es aus dem Bereich der Automobilwirtschaft kennt? Jein. Die Messprozeduren zur Ermittlung der Energieeffizienz waren gut gemeint, wurden von der technischen Entwicklung und den Veränderungen im Markt jedoch inzwischen schlicht überrollt.

Die Visualisierung der Energieeffizienz über einen Farbbalken und ursprünglich sieben Effizienzgruppen von A bis G hatte zu Beginn viele Kunden überzeugt. Sie haben in der Folge die energieeffizienteren Geräte vorgezogen. In manchen EU-Mitgliedsstaaten war dies auch der Tatsache geschuldet, dass die effizienteren Waschmaschinen auch die insgesamt qualitativ höherwertigen waren.

Der Wettbewerb im Bereich der Weißen Ware hat in der Folge dazu geführt, dass die Hersteller nach technischen Möglichkeiten gesucht haben, um eine bessere Einstufung ihrer Geräte zu erreichen. So konnte man den Wasserverbrauch durchaus reduzieren, beim Strombedarf für das Aufheizen der Waschlauge ergeben sich jedoch aus rein physikalischen Gründen nur geringe Einsparmöglichkeiten. Die Nutzung von warmem Wasser aus einer solarthermischen Anlage ist zwar sinnvoll, sie erfordert jedoch einen erhöhten Installationsaufwand im Gebäude und lässt sich nur im Eigenheim wirklich umsetzen. Da die Mehrheit der deutschen Haushalte jedoch zur Miete wohnt, bietet sich dieser Ansatz zumindest hierzulande für die meisten Endverbraucher nicht an.

Welche Verbesserungsmöglichkeiten bestehen?

Bei einer Waschmaschine gibt es nur vier Bereiche, die sich optimieren lassen. Dies sind Chemie, Bewegung, Einwirkdauer der Waschlauge und Temperatur. Von diesen vier wirkt sich die gewählte Temperaturstufe am Stärksten auf den Energieverbrauch aus. Auf die eingesetzte Chemie (Waschpulver) hat der Hersteller der Waschmaschine keinen Einfluss. Somit bleiben die Faktoren Einwirkdauer und Bewegung. Verlängert man beide, kann man die Waschtemperatur reduzieren und dennoch die gleiche Waschleistung erreichen.

Die Hersteller haben die Verlängerung der Laufzeiten bei Absenkung der Temperatur gewählt um die versprochene Waschleistung zu erreichen und die Energieverbrauchsgrenzwerte nicht zu überschreiten. Die bestehenden Vorschriften, wie sie in der EU-Verordnung Nr. 1061/2010 vom 28. September 2010 festgelegt sind, werden heute von den meisten Herstellern eingehalten. Sie sind jedoch für die Mehrheit der privaten Haushalte weitgehend an der Realität vorbei. Wer will schon vier Stunden warten, bis sein Wäsche fertig ist. Dies haben auch Verbraucherbefragungen ergeben, die von der Universität Bonn durchgeführt wurden. Diese zeigten klar, dass das Energielabel nicht die Benutzung durch die Verbraucher widerspiegelt. Und dies vor allen Dingen, weil die Programme, die der Labelberechnung zugrunde liegen, viel zu lange dauern.

Besserung tut not und ist auch auf dem Weg

Seit 2014 läuft eine Vorstudie zur künftigen Bewertung des Energieverbrauchs von Waschmaschinen beim Joint Research Centre, Institute for Prospective Technological Studies der EU-Kommission im spanischen Sevilla. Die Studienautoren schlagen vier unterschiedliche Szenarien vor, wie die Vorgaben zur Ermittlung des Energieverbrauchs so verändern lassen, dass sie mehr der Realität des Endverbrauchers entsprechen und dennoch Energieeinsparungen zu bringen:

  1. OLD+: Die Normalprogramme 40° und 60° als Grundlage nehmen und Bedingungen bezüglich Zeit und Temperatur formulieren.
  2. BAU+: Die 40° und 60° ECO-Programme (wie im aktuellen Label) als Grundlage nehmen, dazu aber Zusatzbedingungen, z.B. bezüglich der Zeit, formulieren.
  3. ECO: Ein einziges ECO-Programm als Grundlage nehmen, mit welchem sowohl 40° als auch 60° Wäsche gewaschen werden kann, ebenfalls eventuell mit Bedingungen an die Dauer des Programms.
  4. ECO/ECOlight: zusätzlich zum Programm aus der dritten Option ein ECO-Programm, mit welchem leicht verschmutzte Wäsche gewaschen werden kann, die den Großteil der Schmutzwäsche umfasst.

Wie wird aus einer Vorstudie eine Verordnung für ein neues Energieeffizienzlabel?

Für jede einzelne Produktgruppe erfolgt die Entwicklung der spezifischen Anforderungen an die Geräte durch die Europäische Kommission unter Beteiligung aller Mitgliedstaaten und der sogenannten interessierten Kreise. Die Vorstudie ist dabei jeweils nur der vorbereitende Schritt, der jedoch den weiteren Ablauf stark beeinflusst. Was in der Vorstudie nicht berücksichtigt wurde, wird vielfach auch in den folgenden Schritten nur schwerlich Berücksichtigung finden. Wie langwierig das gesamte europäische Verfahren ist, zeigt die nachstehende Grafik (zum Vergrößern bitte auf die Lupe rechts unten klicken). (Christoph Jehle)

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