Luftverschmutzung: Weltweit Todesursache Nummer eins

Die Probleme sind nicht schicksalhaft, sie sind lösbar

Immer mehr Autos, immer mehr Hochhäuser, immer mehr Holzkochstellen. Der weltweite technologische Fortschritt fordert seinen Preis: Abgase, Aerosole, Gifte. Die Folgen sind tödlich. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat soeben bestätigt, dass wegen dieses technischen Fortschritts jedes Jahr sieben Millionen Menschen durch Luftverschmutzung sterben. Drei Viertel davon in China und Indien.

Damit ist die Luftverschmutzung die Todesursache Nummer eins. Bisher scheut China davor zurück, durch Schadstofffilter bei Kohlekraftwerken, sein hohes Wachstum zu gefährden. Jeder achte Todesfall geht inzwischen auf Smog zurück. Städte wie Peking, Schanghai oder Kalkutta sind eigentlich unbewohnbar. Für Herz und Kreislauf sind Staub und Gase in der Luft besonders gefährlich. Die WHO-Direktorin Maria Neira: "Die häufigsten durch Luftverschmutzung bedingten Todesursachen sind Schlaganfälle und Erkrankungen der Herzgefäße, gefolgt von chronischen Lungenerkrankungen". Die Umweltmedizinerin Barbara Hoffmann vom Leibniz-Institut in Düsseldorf sagte der Süddeutschen Zeitung, dass Asthmatiker bei hohen Smogwerten mehr Anfälle bekämen.

Wie heute in China so war es auch noch bis in die Achtziger im Ruhrgebiet unmöglich, frisch gewaschene Wäsche im Freien zu trocknen, weil sich sichtbarer Schmutz dort absetzte. Auch in Europa führt die Luftverschmutzung zu massenhaften Todesfällen. Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass in Deutschland 2013 über 47.000 Menschen wegen schlechter Luft, hauptsächlich durch Feinstäube in Großstädten, gestorben sind. Die Probleme sind nicht schicksalhaft, sie sind lösbar. Wirtschaftswachstum muss nicht weiter zu immer höheren Schadstoffbelastungen führen. Wenn erneuerbare Energieträger Kohle, Gas und Öl in Zukunft ersetzen und wenn die Elektromobilität das Benzinauto obsolet macht, dann wird die Luftverschmutzung dramatisch reduziert. Eine rasche Energie- und Verkehrswende führt zu mehr Gesundheit, zu Millionen neuen Arbeitsplätzen und zu riesigen Exportchancen. Die größte Chance für ein neues ökologisches Wirtschaftswunder hat unter allen Industrienationen Deutschland mit seinen ausgezeichneten Ingenieuren. Vielleicht versteht auch der deutsche Wirtschafts- und Energieminister diese Zusammenhänge und redet dann künftig weniger von den Kosten der Energiewende und weist stattdessen mehr auf die riesigen Chancen hin. Ökologie und Wachstum müssen nicht länger Gegensätze bleiben. Aber zur Überwindung dieses Gegensatzes bedarf es einer intelligenten Politik.

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