Luftverschmutzung in der Esosphäre

Bild: Cory Doctorow/CC BY-SA-2.0

Die Luftqualität in den Räumen gleicht oft der von einer Stadt mit hoher Verschmutzung

In der Diskussion über die Luftverschmutzung im Außenraum, an der die Abgase der Fahrzeuge und der Reifenabrieb wesentlich beteiligt sind, wird von Beschwichtigern, inklusive schlecht rechnenden Lungenärzten, die keine Probleme sehen, gerne mal auf Grenzwerte in Innenräumen hingewiesen. Unterschlagen wurde gerne, dass die hohen Innenraumwerte des "Arbeitsplatzgrenzwerts" (Maximale Arbeitsplatz-Konzentration - MAK) nur für gewisse Arbeitsplätze nach der Gefahrstoffverordnung gilt, während allgemein nach den "technischen Regeln für Arbeitsstätten" vorgeschrieben ist: "In umschlossenen Arbeitsräumen muss gesundheitlich zuträgliche Atemluft in ausreichender Menge vorhanden sein. In der Regel entspricht dies der Außenluftqualität."

Belastete Außenluft dringt natürlich auch in die Innenräume ein, man ist dieser immer, nicht nur während der Arbeitszeit, ausgesetzt. Zudem gibt es viele Quellen der Luftverschmutzung in Innenräumen. Nach Angaben der WHO sterben zwar mit 4,2 Millionen Menschen weltweit am meisten durch die Luftverschmutzung der Luft im Außenbereich, aber eben auch 3,8 Millionen aufgrund der belasteten Innenraumluft, wobei es besonders gefährlich wird, wenn sich die Luftverschmutzung außen und innen potenziert. 90 Prozent aller Menschen sollen teils stark verschmutzte Luft atmen. Besonders in ärmeren Ländern in Afrika, aber auch in Südostasien sind vornehmlich Frauen und Kinder der Luftverschmutzung besonders durch offene Feuer oder schlechten Kohle-, Holz- oder Gasöfen ausgesetzt. Die WHO beziffert die Zahl der dadurch tödlich Gefährdeten auf 3 Milliarden.

Wissenschaftler der University of Colorado Boulder haben jetzt auf dem 2019 AAAS Annual Meeting in Washington, D.C., erste Ergebnisse ihrer Untersuchungen über die Luftverschmutzung in Innenräumen vorgestellt. Gemessen wurde im Rahmen des HOMEchem-Projekts die Luftqualität im Inneren eines 110 Quadratmeter großen Hauses auf dem Campus der University of Texas Austin mit zahlreichen Sensoren und Kameras. Während eines Monats wurde eine Reihe von alltäglichen Haushaltsaktivitäten ausgeführt. Die Auswertung ist noch nicht abgeschlossen, aber Mitautorin Marina Vance sagt, es sei bereits offensichtlich, dass besonders beim Kochen und Putzen die Zimmer gut durchlüftet werden müssten.

Selbst beim Kochen von Wasser auf einer Herdplatte könnten große Mengen an gasförmigen Schadstoffen und Feinstaubteilchen entstehen, die gesundheitlich riskant sind. Insgesamt sei die Luftverschmutzung so hoch gewesen, dass die Messinstrumente von Anfang an neu kalibriert werden mussten. Selbst durch Toasten wurden die Luft durch viel mehr Teilchen belastet als erwartet. Viele der Tätigkeiten in den Innenräumen belasten die Luft. Dazu kommt nicht nur die Luft von außen, sondern die in Innenräumen freigesetzten flüchtigen organischen Verbindungen (VOCs), die sich in Putzmitteln, Farben, Lufterfrischern, Parfüms, Shampoos, Druckertinte, Klebestoffe etc. finden, entweichen auch in die Außenluft, wo sie zur Erhöhung der Ozonwerte und der Feinstaubbelastung beitragen.

Der Anteil der VOCs aus solchen Alltagsprodukten an der Luftverschmutzung ist mitunter bereits höher als der von Fahrzeugen (Putzmittel oder Kosmetikartikel tragen zur Luftverschmutzung bei). Joost de Gouw, einer der Autoren der genannten Studie vom letzten Jahr rügt, dass zwar Ozonwerte und Feinstaubbelastung gemessen würden, aber kaum aus den Haushalten stammende Giftstoffe in der Luft wie Formaldehyd, Benzol oder Verbindungen wie Alkohole und Ketone.

Noch sei es zu früh für wissenschaftliche Empfehlungen für die Esosphäre, also für die Innenräume, aber es gebe schon jetzt keinen Zweifel mehr, dass die Haushaltsprodukte Luftverschmutzung verursachen. Man müsse diese wissenschaftlich dieselbe Aufmerksamkeit widmen wie den fossilen Brennstoffen: "Das Bild, das wir in unseren Köpfen über die Atmosphäre haben, sollte jetzt auch ein Haus einschließen." Mal schauen, was diejenigen Lungenärzte dazu sagen, die Stickoxide und Feinstaub schon mal als ziemlich unbedenklich deklariert haben. (Florian Rötzer)

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